Standpunkt
Ich weiß nicht, ob ich hoffen darf, an das andere Ufer des Sees zu kommen, wohin mein Herz mich zieht, weil ich weiß, zumindest mich zu erinnern glaube, daß von diesem Ufer die Entfernung zu der kleinen, gänzlich unbewohnten aber schon immer deutlich sichtbaren Insel - bloß Enten sind meistens dort, ob sie dort auch nisten, weiß ich nicht- ist auch nicht wichtig - meßbar ist.
Von dort, vom Ufer aus, könnte ich weitergehen oder zurückblicken, ganz wie ich wollte und mit dem Gefühl das Richtige zu sehen, um in Zukunft das Richtige zu tun.
Ich bin aber müde.
Ich fürchte, krank zu sein.
Und manchmal, und nicht mehr so selten, bin ich fast überzeugt, bald zu sterben.
Um mich ein wenig zu trösten, sage ich mir dann:
Diese blöde Unsicherheit kommt eben davon, daß ich durch die vielen Niederlagen der letzten Zeit zu mutlos wurde, um mir zuzutrauen, den Standpunkt zu suchen und zu finden, der nötig ist, um irgendeinen Meßpfahl oder eine Wegmarke zu ergreifen, die ich in die Erde rammen würde, um dann völlig unbeschwert weiterzugehen.
Ursula Heelein - 2. Mai 2004 ID 1130
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