kunst
musik
literatur
theater
film
compu Art
extra
 
redaktion


 

Literatur-Miniatur


literaturminiatur: DREI DANDIES:

G. B. BRUMMELL

Hinter dem schimmernden Glase, wie in den Spiegel gestellt,
Schaut man gelassenen Blick, rasch in die Menge geschnellt,
Über der Straße im Lichte aschfahler Sonne im Staub;
Trifft wie ein eisiger Stahl, Menschen und welkendes Laub.
Hochmut ermüdeter Mienen zuckt in erhabener Braue,
Trifft auf ein flüchtiges Ziel, daß es ihn schmachvoll erschaue;
Ehrfürchtig brechenden Auges schreckte die Menge zurück:
Langsam erhebt sich das Kinn unwillig senkt er den Blick;
Über der schneeweißen Binde, mitten im dunklen Gelock,
Hebt sich der spöttische Mund, richtet den schwarzgrauen Rock,
Blasse verzärtelte Hand..., und in königlich sanfter Gebärde
Wendet sich mitleidlos um, elend verblieb da die Erde.


R. DE MONTESQUIOU

Windspiel durchtrabte die grau schon geblichenen, gelblichen Zeilen,
Will wie ein Dieb in der Zeit Nacht wie das Mondhell durcheilen;
Majuskeln zerfielen, die Hürden, nachdem er sie längst übersprungen,
Saffian färbte sich selbst, Rot war ihm endlich gelungen.
Das Palamède, Palamède! ist was du schon immer erträumtest,
Daß du in weinendem Glase endlich wie Flieder verschäumtest.
Feder durchwanderte kiesig verweißte und dunkle Alleen
Schatten aus dunkelstem Laub will eine Zeile zuwehen,
Ihm, Palamède, die Gedanken, trostlose, einsame kühlend,
Ihm, Palamède, einem Geist: " Strom der Moderne, verspühlend!
Trost ist ein Degen mit doppelter, pöbelgeschliffener Schneide,
Wer ihn nicht führen kann stirbt!" Spreng dich, zerstiebe und scheide!


VALMONT

Er saß in der heimlichen Loge, im Runde sein Blick sich verlor,
-Trat aus der Wüstlinge Schar, früh schon, ein Kind noch, hervor-
Höhnte der wahllosen Reihung, manchmal von Grausen erfaßt,
Luzifer gleich, dem erschreckt, dauernd, und fast schon verhaßt,
Alle Verderbten erschienen, die er zur Sünde verführt,
Denen doch, weil sie so schwach, eher sein Mitleid gebürt.
Alles das Strahlen und Scheinen, das Kühnheit und Einfalt vereint
Schreckt ihn, das Reine in ihm, das bis zum Heil er verneint,
Rettung der traurigen Menschen, scheint ihm heut schwierige Last:
"Ach, es ist ihres, nicht meins!" lehnt sich zurück und macht Rast,
Schaute noch einmal zur Bühne, lenkt ins Parkett seinen Blick:
Und zeigte in selbiger Nacht, dem jungen Abbé sein Geschick.


Michael Schöne

 
siehe auch / Literatur:
AutorInnen- und Verlags-Porträts

Rezensionen

Lyrik /Prosa

Spezial

Termine / Lesungen


Kinder- und Jugendliteratur

 

[Home] [Kunst] [Musik] [Literatur] [Theater] [CompuArt] [Redaktion] [Extra]
© 2000 Kultura (alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar.)
ign="center">© 2000 Kultura (alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar.)