kunst
musik
literatur
theater
film
compu Art
extra
 
redaktion


 

Literatur-Miniatur
"Roma aeterna"

Roma aeterna

Seit an der Piazza San Silvestro in sommerlicher Hitze nicht mehr die Stimmen aus dem Telegraphenamt klingen, die von Touristen aus allen möglichen Ländern zeugen, die von der caput mundi nach Hause telefonieren, habe ich mich gefragt, ob Rom so verkommen ist, daß nur noch irgendwelche durchgeknallten Neureichen in der Via Condotti Dessous kaufen (und unter uns gesagt: es soll vorkommen, daß sie es sogar tun, um sich und ihre Ehemänner damit anzuziehen!), anstatt auf den Pincio zu gehen und am Sonntag der furchtbaren Blasmusik zu lauschen, die trotz alledem den Ausblick auf die città nicht zu zerstören vermag.

Ich habe mich gefragt, ob die Kutschen am Corso alle leer sind, weil keiner mehr die Preise bezahlen kann, die die Neureichen verdorben haben.

Ich habe mich gefragt, ob sie das milde und sinistre Lächeln des Giordano Bruno überhaupt wahrnehmen oder ob sie degoutiert die Flucht ergreifen, wenn sie riechen, wie der Schwertfisch auf dem Campo in ihre chanelgepuderten Nasen steigt.

Ich habe mich gefragt, wie viel Geld sie in die Fontana di Trevi werfen würden, nur um wieder zurückzukehren und doch niemals die wahre Seele der unerreichbaren und doch nahen urbs zu erkennen.

Dann saß ich im Morgengrauen in Garibaldis Schatten und sah über der Stadt einen neuen Tag anbrechen. Mit der Sonne stieg auch die Antwort auf meine Fragen herauf.

Nein, Rom wird niemals verkommen sein, es wird alle Qualen und alle Banalitäten, alle Eitelkeiten, alle Verrückten und alle modernen Neros überleben. Die Ewige Stadt wird nicht einmal mit der Wimper zucken, sie wird vielleicht nur leicht gähnen, wenn irgendein Schriftsteller es wieder einmal hip finden sollte, italienisch angehauchte schlechte Kriminalromane intra muros spielen zu lassen und die urbs als Kulisse zu mißbrauchen.

Rom wird lächeln, breit grinsen und vielleicht daran denken, daß selbst von der Ermordung des großen Julius C. nur eine winzige, verwitterte Tafel am längst verfallenen Amphitheater zeugt.

Und ich stieg den Gianicolo hinab und war froh, daß Rom niemals untergehen würde.

© Ugo Neri, 2000
ugoneri@gmx.de

 
siehe auch / Literatur:
AutorInnen- und Verlags-Porträts

Rezensionen

Lyrik /Prosa

Spezial

Termine / Lesungen


Kinder- und Jugendliteratur

 

[Home] [Kunst] [Musik] [Literatur] [Theater] [CompuArt] [Redaktion] [Extra]
© 2000 Kultura (alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar.)
2000 Kultura (alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar.)