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Verloren in der Spaßgesellschaft


"Ich kann doch unter der Woche gar nicht richtig leben!"

Dies ist der bisher treffendste Satz zur Charakterisierung unserer von allen so geliebten Spaßgesellschaft. Der Narziss von heute, dessen Selbstwertgefühl geringer sein muss denn je, kompensiert seine eigene Unwichtigkeit an jedem Wochenende von neuem. Getrieben von einem unaussprechlichen Wunsch nach Bewunderung, unterzieht sich der "Spaßgesellschaftler" jedes Wochenende demselben Prozedere, um mal wieder aus dem Elend der eigenen Existenz zu entfliehen.

Zuallererst wird der Kleiderschrank zur wöchentlichen Umschichtung geöffnet. Alles was gerade noch in den Untiefen des Ikea-Modells zur Textilaufbewahrung versunken schien, liegt nun auf Bett, Sessel oder Fußboden verteilt und der Spaßgesellschaftler steht vor seinem ersten Problem:

Was zieht man an, um den Genossen des omnipräsenten Spaßes eine subtile Nachricht von der eigenen Geilheit zu übermitteln?

Diese Frage scheint den Gehirnschmalz der betroffenen Person das erste Mal in dieser Woche in hochkomplexe, beinahe philosophische Wallungen zu versetzen. Nach dem 10. Kleidungsstück in Kombination mit ca. 30 Accessoires incl. verschiedener Halsketten, Armbänder und Intimpiercings, entscheidet sich der betreffende Gesellschaftler doch für das erste Modell. Das ist eh egal; ob Männchen oder Weibchen, man trägt an den falschen Stellen zu wenig Stoff und der verabredete Zeitpunkt mit den befreundeten Jecken des Wahnsinns ist seit einer Stunde verstrichen.

Also noch schnell das persönliche Ozonloch mit dem FCKW des Haarsprays und des Deos erweitert, "soll morgen eh kalt werden...", und ab geht die wilde Fahrt zum Beschallungsetablissement des Vertrauens. Dort angekommen, es ist mittlerweile halb zwei, quillt einem von den drei Dancefloors des Etablissements ein zäher akustischer Brei entgegen. Nachdem er dafür bezahlt hat, im Inneren des Gebäudes Alkohol kaufen zu dürfen, wankt der Spaßgesellschaftler zur Bar. Der moderne Narziss belächelt die am Rande tanzende Selbsthilfegruppe der motorisch Minderbemittelten und saugt wie ein Kind an der Mutterbrust sein "Woddi-Redbull" leer.

Die Gruppe der motorisch Minderbemittelten scheint noch am ehesten den hedonistischen Prinzipien des Spaßes zu folgen. Sie gehen ab und zu mal tanzen, um den von Verspannungen geplagten Körper mal wieder im Ganzen zu bewegen.

Anders der professionelle Spaßgesellschaftler. Von seinen zwei Freunden "Woddi" und "DjSchießMichTot" hat er sein Hirn nun vollends zerkloppen lassen und tanzt zu Beats, welche eigentlich nur noch Epileptiker vernünftig in Bewegungen umsetzten können.

So ist der Spaßgesellschaftler nun in seinem Mekka angekommen. Das Heilige Land ist nicht mehr als ein Techno, Dancehall, Ragga, Elektro, Goa oder sonst was Floor, auf dem nun bis zum körperlichen Exitus getanzt wird. Da zuckt es in den Gliedern und eine Alkoholika gesellt sich zur Vorherigen. Der narzisstische Drang noch Bewunderung und Wichtigkeit wird von Gesprächen mit den Djs oder Türstehern befriedigt, die der Professionelle natürlich alle kennt.

Ekstatisch tanzend, nähert sich der Spaßgenosse einem Weibchen. Wenn er nicht zu sehr nach alkoholischen oder sonstigen Abbauprodukten stinkt, führt das die beiden ekstatisch zappelnd zu ihrem "Höhepunkt". Sollte es am ersten Abend noch nicht zu besagtem Höhepunkt gekommen sein, gibt es ja immer noch den zweiten Abend des Wochenendes.

Und so lebt der Spaßgesellschaftler nun also endlich am Wochenende und kann unter der Woche wieder in einen gleichgültigen Dämmerzustand fallen, um der Arbeit, der Schule, dem Studium oder was auch immer nachzugehen.

Wie im Standby-Modus zieht die Zeit an ihm vorbei, bis er in fünf Tagen endlich wieder "leben" kann.


Na Klasse! Wer so lebt, den möcht' ich ja mal sterben sehen...

Ich wünsche allen motorisch Minderbemittelten ein schönes Leben!

Und den anderen, denen, die nur am Wochenende leben können, kann ich ja eigentlich nur noch einen schönen Tod wünschen.



Patrick Schubert, 18 Jahre , 18. Juni 2007
ID 3308




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