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Zwei Bücher als Annäherung an Elfriede Jelinek


„Für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen“ bekam Elfriede Jelinek den Literaturnobelpreis. Aus der Begründung der Schwedischen Akademie ist leicht herauszulesen, dass es hier um eine Schriftstellerin geht, in deren Werk Sprache eine zentrale Stellung einnimmt, und es ist in der Tat die konsequente Arbeit mit und an der Sprache, für die Elfriede Jelinek auch schon vor dem Nobelpreis im deutschen Raum relativ bekannt war.

Bedenklich ist, dass neben dem sprachlich-experimentellen Aspekt ihres Schreibens im Grunde nur noch Österreichbeschimpfung und pornographische Inhalte mit dem Namen Jelinek in Verbindung gebracht werden und dabei wichtige Teile ihres Werkes einer größeren Öffentlichkeit völlig unbekannt bleiben. Nun kann man hoffen, dass der Rummel rund um den Preis beispielsweise mehr Aufmerksamkeit auf das gerade erschienene erste „Werkverzeichnis Elfriede Jelinek“ von Pia Janke lenkt. Der Germanistin aus Wien ist es ein Anliegen, Elemente wie die frühe Lyrik, Drehbücher, Jelineks zahlreiche Essays und vor allem ihre enge Beziehung zur Musik zu beleuchten; es gilt, die Libretti und Texte für Kompositionen, die Opernzusammenarbeiten mit Olga Neuwirth (etwa die Opernfassung von David Lynch’s „Lost Highway“) wieder oder neu zu entdecken.

Während also die Sphären ihres Schaffens weiter sind als oft angenommen und sie anscheinend kaum einer zur Gänze erkundet hat, bietet sich dem interessierten Leser, der sich bisher noch überhaupt nicht mit Elfriede Jelinek auseinandergesetzt hat, die Annäherung direkt übers Zentrum ihres Werks an. Immer wieder hat sie in Interviews betont, dass „Die Kinder der Toten“ ihre Wahl wäre, müsste sie sich für ein einziges der veröffentlichten Bücher entscheiden, das der Nachwelt erhalten bleiben kann.

Ihr Hauptwerk nennt es Jelinek, weil große Teile von dem Hass, der sie von ihrer Jugend an begleitet hat, hier ein letztes Mal und vielleicht am sprachgewaltigsten überhaupt, verarbeitet sind. Der Groll, den sie gegen das offizielle Österreich hegt, erlebt hier seinen abschließenden Höhepunkt. Dieses Buch ist sozusagen der Showdown eines jahrzehntelangen Anschreibens gegen die Gegebenheiten in der Österreichischen Zweiten Republik mit ihrer unverarbeiteten Vergangenheit; dazu ist es aber auch das Beispiel für Jelineks so oft erwähnte sprachliche Leidenschaft: Hier wird über die Sprache entlarvt, wobei ihr nicht selten Gewalt angetan wird. Auch als Leser hat man dabei einige Anstrengungen zu erleiden, aber in all seinen Ausschweifungen und oft schier unendlichen Textströmen, der ganzen morbiden Üppigkeit, die es einem stolz präsentiert, hört man nie auf, dieses Schwergewicht von einem Gruselroman ernst zu nehmen.


Jürgen Leidinger - red / 22. Dezember 2004
ID 1528
Die beiden Bücher, die aus unterschiedlichen Richtungen einen Einblick in das Werk der heurigen Literaturnobelpreisträgerin geben:

„Werkverzeichnis Elfriede Jelinek“, erschienen 2004 in der Edition Praesens, Wien

„Die Kinder der Toten“, erschienen 1995, als Taschenbuch 1997, jeweils bei Rowohlt, Reinbeck



Dazu Links von der Website der Autorin, die schon lange nur auf dem Computer schreibt:
Unter http://www.a-e-m-gmbh.com/wessely/fbibl.htm das gekürzte erste Kapitel des Werkverzeichnisses und zwei Auszüge aus „Die Kinder der Toten“ unter www.a-e-m-gmbh.com/wessely/fmariaze.htm bzw. www.a-e-m-gmbh.com/wessely/ftote17.htm

Weitere Infos siehe auch: http://www.a-e-m-gmbh.com/wessely/fbibl.htm






 

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