Timo Brunke - die Rampensau

"Per Vers" im Theaterhaus Stuttgart. Foto: © Leonore Welzin 2002
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Interview mit dem Slam-Poeten
Kabarettist Timo Brunke stürmt mit seinem Solo Per Vers die Bühnen. Vor zwei Jahren hat er in Stuttgart den Poetry-Slam ins Leben gerufen. Das Szene-Spektakel in der Rosenau moderiert er jeden ersten Sonntag im Monat.
Du hast evangelische Theologie studiert. Wie kommt man vom Wort Gottes zur Slam-Poetry?
Ich habe schon mit 16 Jahren angefangen Gedichte zu schreiben. Die waren immer für die Bühne bestimmt. Mit dem Theologiestudium habe ich das Interesse verbunden, alte Sprachen zu lernen, das abendländische Geistesleben zu studieren, um die eigenen Traditionen besser kennen zu lernen. Ich war kurz davor, Pfarrer zu werden, habe es aber sein lassen, weil ich auf die Bühne musste. Texte schreiben und aufführen, das musste mein Beruf werden.
Was heisst "Du musstest auf die Bühne"?
Als Rampensau hatte ich das Bedürfnis, Texte zu sprechen, Wirkung zu erzeugen, Öffentlichkeit zu schaffen. Die Bühne reizt mich mehr als alles andere, mehr als Bücher schreiben.
 Foto: © Leonore Welzin 2002
Am Anfang war das Wort?
Ja, die Sprache als Medium fasziniert mich. Die Schauspielerei wurde früh geweckt. Schon in der Grundschule habe ich Theater gespielt, von der fünften bis zur letzten Klasse. Die schönsten Aktionen in der Schulezeit waren die, der Theater AG, zusammen die Nächte um die Ohren schlagen, draußen im Wald Gespenster spielen. Die Schüler, die ihre Freizeit mit Theater spielen verbrachten, wollten aus sich rausgehen.
Wie entstehen Deine Texte?
Oft mache ich erst eine Skizze, diese Rohfasssung enthält zum Teil schon 70 Prozent des Textes. Aus dem Entwurf werden dann einzelne Verse unter die Lupe genommen, Wörter werden ausgetauscht. Indem ich an einzelnen Zeilen feile und forme, ergibt sich ein einheitlicher Rhythmus. Manchmal entsteht ein Text auch Wort für Wort. Das ist wirklich ganz unterschiedlich. Manchmal durch Sprechen, indem ich auf und ab gehe, den Text anfange, zu sprechen. Dann wird klar, was fehlt. Weil ich die Texte für den Vortrag verfasse, wird beim Proben deutlich: Da fehlt eine Information, hier bist du rhythmisch unsauber. Der Text ist erst dann abgeschlossen, wenn ich ihn vor Publikum erprobt habe.
Du hast früher Hölderlin und Mörike gelesen. Hat das Deine Arbeit geprägt?
Nicht nur Hölderlin und Mörike, in der Pubertät habe ich viele der Klassiker und Romantiker gelesen. Schon damals habe ich Lyrik als Sprechdichtung begriffen, die sich erst im Vortrag verwirklicht. Hinter der Poesie der alten Dichter steht eine metrische Grundordnung. Es ist diese Metrik, die ich schätzen gelernt habe, um selbst mit Rhythmus suggestiv zu arbeiten. Anders ist das bei der Gegenwartslyrik. Da wird Prosa zu Lyrik verdichtet, das ist Zeilenlyrik, die keinen Rhythmus hat, die nicht auf den Putz hauen, nicht die direkte Wirkung erzielen will.
Die Lyrik der Gegenwart will eher über Lesen, Wiederlesen und Nachdenken in die Botschaft dringen. Beim Slammen will ich dagegen die erste, die unmittelbare Wirkung haben: Sprich den Text, und du wirst verstanden.
s.t und Leonore Welzin / Dezember 2002
Eine kürzere Version des Interviews ist erschienen in der Zeitschrift:
LITlife
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online unter:
www.litlife-online.de
herausgegeben von:
WBS TRAINING AG
Fachzeitschriftenredakteure
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Ansprechpartnerin:
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