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Rezension

Axel Brüggemann: Wagners Welt oder Wie Deutschland zur Oper wurde

189 Seiten
Bärenreiter; Auflage: 1 (Juli 2006)
ISBN: 3761818394


Das perfekte Weihnachtsgeschenk.

Axel Brüggemann stellt sich „Wagners Welt“ vor.


Man darf ja von jüngeren Schreibern jetzt nicht gleich erwarten, dass sie zu Richard Wagner auf der Höhe von Hanslick, Nietzsche, Mann, Chop, Adorno oder Dahlhaus sprachlich auspacken können. Zu viele Fernsehzwischenmeldungen, rote Verkehrsampeln und lebensweltliche Ungereimtheiten wissen da einfach eine annehmbar sachangemessene Kohärenz, schlüssige Gedankenführung und Originalität im Denken zu verhindern. So gibt man sich auch bei Axels Brüggemanns durchaus motiviertem Versuch etwas über „Wagner’ Welt“ zu sagen, schon recht früh, nach ein paar Seiten mit weniger als Wagners totalem Horizont zufrieden.

Zweifelsohne ist Brüggemann aber immer dort am Lesenwertesten, wo es nichts historisch oder philosophisch zu reflektieren gibt, sondern einfach Informationen weitergereicht werden, die Lesern aufgrund ihrer vernetzten Aktualität sicher als unbekannt zu gelten haben. Man wird da im badewannenhübschen DPA-Stil in Kenntnis gesetzt, weit eher freilich über zeitgeschichtliche Irrtümer, Treffer oder Nippes in und um Inszenierungsgebräuche - insbesondere des „Rings“ - als über die musikalische Verfallsgeschichte der Werke. Dazu die fehlende Abwärtsgeschichte beim Wagner-Gesang in Deutschland: Eine sicher zu Unrecht ausgelassene Quelle, die auszulassen eben deshalb falsch ist, weil sie den idiotischen Untertitel „Wie Deutschland zur Oper wurde“ konterkariert.

Natürlich kann man Wagner als „neurotisches“ oder „größenwahnsinniges Genie“ hinstellen, wenn man weiß, was Neurose im neunzehnten und was sie im Jahre 2006 bedeutet und worin ihre Differenz liegt. Hier tut Brüggemann so, als sei Wagners Welt nah. Dabei ist den Menschen heute nichts ferner. Und bei all dem halbgemolkenen, halbgekochten und halbverdauten unentschlossen phraseologischen Schließverfahren denkt man irgendwann, dass es einfach unnötig ist, Vorstudien zu veröffentlichen. Sie schaden dem Autor. Nicht ausschließlich beim Thema Antisemitismus setzt man sich bei eindimensionalen Betrachtungen schneller mit ins Boot - ins untergehende - als man meint.

Die schnöde Identifizierung von Opernfiguren mit aktuellen politischen, hätte weit eher seine strukturelle historische Entsprechung zu suchen als sie in den Werken zu verfehlen und ist methodologisch ja gerade von jener Art hilfloser Realitätssuche, die Wagner bestimmt, eben mit Schopenhauer, verwarf. Nichtsdestotrotz ist dies Buch ein, wenn nicht das perfekte Weihnachtsgeschenk: fast rot wie ein echtes Kompliment und leichtspurig ohne Widerhaken bildend, kann man sich mittels Brüggemann gekonnt den alljährlichen Wahn vom Halse schaffen.

Wolfgang Hoops - red / 4. Dezember 2006
ID 2832


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