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Rezension

Sibylle Lewitscharoff - Consummatus

Roman
DVA, Februar 2006
ISBN: 3421055963


“Come to die with me”
Hand in Hand durchs (tote) Bildungsland mit Sibylle Lewitscharoff

Wie fein die Toten hören! – so beginnt der neue Roman Consummatus der Berliner Autorin Sibylle Lewitscharoff. Fein lesen sollte dagegen der lebendige Käufer des Titels, denn das Entziffern dieses “evangelii incogniti” hat so seine Tücken.
Personal und Szenerie des Romans sind skurril: Ein aus dem Totenreich zurückgekehrter Gymnasiallehrer als monologisierender, neomythischer Orpheus. Eine Schar berühmter, vergnügungssüchtiger Jenseitsbewohner. Ein Samstagmorgen im Stuttgarter Café Rösler. Alkohol- und Koffeingenuss.

Der Protagonist Ralph Zimmermann krankt jedoch weniger an Wahnvorstellungen und diversen Suchtleiden, als am modernen Bildungsbürgertum. Eigene Worte sind ihm ebenso fremd wie eigene Meinungen und so bedient er sich munter aus der literarischen Notfallapotheke: dem deutschen Zitatenschatz. Er beruft sich auf Rilke, Benn und Handke, spricht von Stefan George, Miroslav Holub und Martin Luther.
Doch auch die Autorin selbst greift bei ihrem Roman in die intertextuelle Poptrickkiste: Anspielung reiht sich an Anspielung, lauter Sentenzen, die kein Ganzes ergeben wollen.
So erinnert Ralphs verstorbene Freundin Joey den Leser mehr und mehr an die Sängerin Nico der Band Velvet Underground. Joey ist jetzt im Jenseits, dank Ralph, der sie mit ihrem eigenen Tourbus schlichtweg überfuhr. Die Ewigkeit teilt sie sich mit anderen Leichen der U- und E-Kultur, wie Andy Warhol, Jim Morrison, Edie Sedgwick und den Quotenprofantoten: Ralphs Eltern.
Die sympathisch geschwätzigen Geister begleiten ihn seit seiner Nahtod Erfahrung in Venedig, Thomas Mann lässt grüßen.

Schon der Titel ist programmatisch, verweist er doch auf die letzten Worte Jesu am Kreuz: Es ist vollbracht (Consummatum est). Jesus war Zimmermann, Ralph heißt Zimmermann, ebenso wie ein weiterer Herr, dessen bürgerlicher Name Robert Allen Zimmerman zugunsten seines Pseudonyms (Bob Dylan) längst in Vergessenheit geriet.
Sibylle Lewitscharoff stopft ihren neuen Roman voll mit Querverweisen und gleichzeitig ihrem Protagonisten, dessen Zitate leere Floskeln scheinen, den Mund. Handlung gibt es in dem Roman keine, der aktive Part fällt hier eindeutig dem Leser zu. Gehetzt und verfolgt von der latenten Angst, einen der vielen Bezüge zu Antike, Literatur und Pop zu übersehen, schleicht man lexikonbewaffnet von Seite zu Seite – hier gilt es zu beweisen dass man zu den oberen Zehntausend gehört.
Der selbstverliebte Griff zum neuen Werk der ehemaligen Bachmann-Preisträgerin wird schwer geahndet: von der Autorin selbst. “Ralphs” gibt es unter ihren Lesern sicherlich zuhauf.Wer mit den Scheinen eher knausrig ist, dem empfehle ich einen morgendlichen Blick in den Spiegel: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.

Consummatum est, sagte Jesus. Junge Junge, es ist vollbracht, sagt Ralph. Treffer versenkt, Frau Lewitscharoff – sage ich.

Anna-Lena Wolff - red / 30. Juni 2006
ID 2504
Sibylle Lewitscharoff:
Consummatus.
DVA, München. 238 S., 18,90 EUR.

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