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Rezension

Peter Stamm - "Seerücken. Erzählungen"

S. Fischer Verlag, 2011
ISBN: 978-3-10-075133-1



Ein Buch – zehn Erzählungen.

Zehn Erzählungen, die vom Alltäglichen, vom Fremden, der Liebe oder - noch einfacher gesagt - vom Leben und dem Schicksal von Menschen berichten.

Peter Stamms Erzählungen sind in klarer Sprache verfasst. Sie leben von den Ereignissen. Ihr Autor schafft es pointiert und genau, aber auch rätselhaft und mysteriös, seine Geschichten aufzubauen und sie genau so abrupt enden zu lassen. Bei mancher Erzählung wird man das Gefühl nicht los, genau so allein zu sein, wie es die Protagonisten in den Erzählungen sind.

Der Erzählreigen beginnt mit der Geschichte Sommergäste: In dieser Erzählung geht es um einen Wissenschaftler, der sich in einer ruhigen Gegend in ein Hotel einmietet, um dort seiner längst überfälligen Arbeit nachzugehen. Dort erwartet ihn jedoch alles andere als seine Arbeit. Das Hotel ist, außer der Anwesenheit einer jungen Frau namens Ana, verlassen. Es gibt keinen Strom, kein warmes Wasser und kein warmes Essen. Da der Akku seines Laptops bald verbraucht ist, bleibt dem Wissenschaftler nichts anderes übrig, als sich mit der Situation anzufreunden. Eine vorzeitige Abreise kommt ihm nicht in den Sinn, da er sich von Ana wie magisch angezogen fühlt. So lebt er eine Woche lang Seite an Seite mit dieser Frau – ohne viele Worte zu wechseln. Doch ihre Beziehung wird immer intensiver. Als zwei Männer in Anzügen eines Tages vor dem Hotel stehen – ein Konkursverwalter und ein Kaufinteressent – ist Ana verschwunden. Erst als der Wissenschaftler wieder zu hause ist, wird ihm klar, was Ana damit meinte, als sie sagte, er bekäme mehr von ihr als Strom und Wasser.

In der Erzählung Eismond geht es um einen Pförtner namens Biefer, der kurz vor seiner Pensionierung steht. Hier erfahren wir nur über einen Architekten, der in dem Gebäude arbeitet, in dem der Pförtner Dienst hat, etwas über Biefer. Aber auch das ist nicht allzu viel. Biefer hat eine Frau und zwei Söhne, und er hat eine braune Aktentasche, in der er seinen Traum bei sich trägt. Es ist ein Traum von der Ausreise nach Kanada, dort möchte er sich selbständig machen - noch in diesem Winter. Da Biefers Sprachkenntnisse nicht ausreichen, um die nötigen Papier für die Einreise auszufüllen, weiht er den Architekten ein. Der Architekt hilft ihm, und Biefer ist glücklich. Als Biefer pensioniert ist, entdecken die Angestellten des Gebäudes in der Zeitung eine Todesanzeige. Biefers Frau ist nach langer Krankheit gestorben. Sie schreiben ihm eine Beileidskarte – doch der Empfänger ist unbekannt verzogen. Kurz darauf erscheint Biefer wieder in dem Gebäude. Er nimmt seinen alten Platz an der Pforte ein, ist aber nicht mehr ansprechbar. Niemand kommt an ihn heran. Doch so plötzlich wie er gekommen ist, verschwindet Biefer auch wieder. Doch etwas von ihm bleibt zurück.

Der Koffer handelt von einem Mann, dessen Frau im Krankhaus auf der Intensivstation liegt. Sie hat ein Blutgerinnsel im Gehirn und muss operiert werden. Ob sie jemals wieder gesund wird, ist fraglich. Immer schon hat seine Frau die Koffer gepackt. Nun ist er mit der Situation überfordert. Mit großer Mühe packt er ein paar Sachen seiner Frau und fährt zu ihr ins Krankenhaus. Doch dort erinnern ihn nur ihre lackierten Fingernägel an sie. Der Rest ihres Körpers ist ihm fremd. Seine Frau wird mit einer Magensonde und einem Blasenkatheter versorgt. Von dem Anblick erschüttert, nimmt er den Koffer und verlässt das Krankenhaus. Von diesem Zeitpunkt an lässt er den Koffer nicht mehr los. Er steigt in den Zug, fährt irgendwo hin und quartiert sich in ein Hotel ein. Der Koffer liegt neben ihm auf dem Bett, wie seine Frau sonst. Er zieht sich ihre Weste an, putzt sich mit ihrer Zahnbürste die Zähne. Am nächsten Tag reist er wieder ab. Noch einmal fährt er zu seiner Frau ins Krankenhaus. Den Koffer lässt er diesmal dort.

Auch die weiteren Erzählungen sind fesselnd geschrieben und machen Lust auf mehr. Allerdings hatten für mich die Erzählungen ohne „Happy End“ mehr Spannung. Sie regten zum Nach- und Weiterdenken an.


Andrea Tagschütz - red. 29. Mai 2011
ID 00000005219
Peter Stamm - "Seerücken. Erzählungen"
Gebundene Ausgabe
190 S.
S. Fischer Verlag, 2011
ISBN: 978-3-10-075133-1
Preis € (D) 18,95 | € (A) 19,50 | SFR 28,90



Siehe auch:
http://www.fischerverlage.de


Post an die Rezensentin andrea.tagschuetz@kultura-extra.de



 

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