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Rezension


Bizarr, milchzahnbissig, Bartel...



...oder „Wie uns Froschschenkel die Orientierung erleichtern“

Jemand, der Bücher mit Titel wie "Fräulein Müllers Gespür für genmanipulierte Gartenzwerge“, “Das Hecheln der Bonner Lisa“, oder „Begrabt mein Gedicht an der Biegung des Abflusses“ verfasst, muß aus der lustigen Branche kommen. Muß Preisträger beim Literaturwettbewerb des Kunstministeriums Baden-Württemberg 1998 sein und erster Klopapier-Schriftsteller Deutschlands.
Jemand wie Mike Bartel, Jahrgang 1962, gebürtiger Pforzheimer, bekennender Schwergewichtler und Rex Gildo-Fan.
In seinem neuestes Werk „Wie uns Froschschenkel die Orientierung erleichtern“ erzählt er auf knapp 96 Seiten ganze 42 „Komische Geschichten zwischen hier und der Côte d’Azur“.
Einstein soll einmal gesagt haben, man soll sich alles so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher. Mike Bartel arbeitet strikt nach dieser Maxime. Mit leichter Hand erzählt er aberwitzige Begebenheiten aus seinem Alltag. Es entstehen kurze Geschichten, Satiren, Glossen. Die sind manchmal nur siebeneinhalb Zeilen lang wie „Mehr mit“, lebensnah wie „Die Krankengymnastik“ und manchmal auch ein wenig böse wie „Tiefschlaf“.
Bartel strickt seine Satiren nach dem Muster von Loriot, jeder Mensch hat seine „liebenswerte Besonderheit(en)“. Die beschreibt er intensiv. Oft taucht eine/seine Frau Belinda darin auf.
„Tiefschürfend“ wird er auf dem Klappentext angepriesen mit nachfolgender Erklärung, dass der Text geklappt hat, wenn man das Buch erworben habe. Dagegen sei es ein Scheu-klappentext, wenn der/die KundIn den Kauf verweigert. So gesehen sind Bartels Texte Fließtexte und keine Stopptexte, denn sie leisten keinen Widerstand.
Bartels Auftrittsorte reichen vom Kleintierzüchterheim bis zum Theaterhaus und vom Ferienclub auf Ibiza bis zum Kunst- und Kulturverein in Berlin. Er hat vor Kaffee trinkenden Senioren in der Villa Sayn bei Koblenz gelesen, aber auch schon vor 220 Schülern in der Aula der Birkenfelder Ludwig-Uhland-Schule und in einem Berner Restaurant, wo der Autor mittels literarischer Speisekarte von den Gästen direkt an den Tisch bestellt werden konnte. Geschichten von ihm sind in einer Berliner "Zeitschrift für Literatur und Obstanbau" oder im "verrücktesten Internet-Muhgazin der Welt" ebenso zu lesen wie in der Taz oder der Süddeutschen Zeitung.

Mike Bartel
Mike Bartel liebt Wortwitz, Wortspiele und stundenlanges Beobachten seiner Mitmenschen aus der – am liebsten französischen - Straßencafe-Perspektive. Mit leichter Hand beschwört der Redakteur des Pforzheimer Kuriers und Weinliebhaber komische, groteske und alberne Szenarien herauf. Größter Coup seines Wortminimalismus ist die Geschichte: „Mehr mit“ zum Herbstanfang. Es geht banalerweise um Socken.
„Wie uns Froschschenkel die Orientierung erleichtern“ ist kein verkappter Speiseführer für Frankreich-Reisende die knapp französisch sprechen. Es ist ein Buch, dass man sich am Sonntag Vormittag beim Frühstück im Bett vorlesen kann und sich dabei kaputtlacht.
Wie jedes Genie hat Mike Bartel auch eine Schwachstelle: Frauen. Man ahnt seinen Wunsch, sich in die Nähe des in Berlin stadtbekannten Frauenhassers Wiglaf Droste zu stellen, damit ist er aber schlecht beraten. Mit diesem Thema sollte man nicht spaßen, klar, dass Mike Bartel es „Beim Allgemeinarzt“ dennoch tut.
Nicht alle Geschichten sind deshalb witzig, aber manche dafür umso witziger.


Hilde Meier, 25. Oktober 2005
ID 00000002087
Mike Bartel
„Wie uns Froschschenkel die Orientierung erleichtern“
Komische Geschichten zwischen hier und der Côte d’Azur
Edition Fidelitas, Info Verlag, 2005
Paperback, 96 Seiten, € 9,80
ISBN 3-88190-400-x

www.infoverlag.de

Mike Bartel live:

Lesung mit Weinprobe
Mike Bartel liest und der Gallier kredenzt erlesene Rotweine
Samstag, 19. November, 20 Uhr
Weinhandlung 'Der Gallier', Pforzheim, Sandweg 15,
Tel. Reservierung 07231-451623, kontakt@mikebartel.de
oder
Südsee und Satire
Mike Bartel und Rainer Würth lesen aus ihren neuen Büchern
Freitag, 13. Januar 2006, 20 Uhr
Stadtbibliothek Pforzheim, www.stadt-pforheim.de


Ansonsten hier eine Leseprobe:

Lessing - ein Warmduscher?
Wiglaf hat es getan, und wenn der es getan hat, kann ich das auch tun. Zumal es Wiglaf diesmal nicht tun wird. Weil er nicht da war. Zwei Stunden vorher hat er abgesagt: krank, Asthma angeblich, vielleicht auch etwas Anderes. Jedenfalls kam Wiglaf nicht, und deshalb mache ich das jetzt: eine Kolumne schreiben über das Seminar „Kolumnen schreiben“. Jenes Seminar, das Wiglaf, der mit Nachnamen Droste heißt und Glossen für die „taz“ schreibt, eigentlich erneut hätte leiten sollen und dessen Teilnehmer ich war. Ich tue das vor allem, um zu zeigen, dass die drei Tage an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel auch ohne Wiglaf was gebracht haben. Olaf Kutzmutz heißt der Mann, der für Wiglaf in die Bresche sprang und den Kolumnen-Karren aus dem Dreck zog - mit Bravour. Die Zeit mit Kutzmutz war nicht unnütz.
So stellt sich heute mir die Frage: War Lessing ein Warmduscher? Das kommt ein bisschen unvermittelt - vielleicht sogar für jene, denen Brüche im Text nicht völlig fremd sind. Doch keine Angst! Ich schweife nicht vom Thema ab. Denn wir sind immer noch in Wolfenbüttel. Jene Stadt, die unweit des früheren Wohnhauses von Likörbrenner Willi Mast einen Jägermeister-Fanshop beherbergt, der damit wirbt, dass „Warmduscher, Leisetreter und Schlafmützen“ dort nichts zu suchen haben. Durch dieses Zeitgeist heuchelnde Motto soll wohl der gealterte Kräuterschnaps einem jüngeren Publikum nahe gebracht werden. Einem Publikum, das schwarze String-Tangas mit Jägermeister-Schriftzug unter der Hirschkopf-verzierten Radler-Hose trägt und in orangefarbener Jägermeister-Bettwäsche schläft.
Gotthold Ephraim Lessing tat das - so weit wir wissen - nicht. Obwohl er etliche Jahre unweit des Jägermeister-Fanshops in Wolfenbüttel gelebt hat - bis 1781. Hätte es damals schon den Jägermeister-Fanshop gegeben und hätte sich Lessing als kälteempfindlicher Körperreiniger geoutet (Möglichkeiten, warm zu duschen, gab es durchaus, wenngleich in anderer Form als heute), dann wäre ihm der Zutritt in den Fundus schwarz-oranger Requisiten verwehrt geblieben. Wegen der zeitlichen Disparallelität beschränkt sich dieser Konflikt allerdings auf eine rein gedanklich-theoretische Ebene, die zu erreichen man problemlos in der Lage ist, wenn man ein Seminar übers Kolumnen- und Glossenschreiben in Wolfenbüttel absolviert hat und sich anschließend ein Paar orangefarbene Jägermeister-Socken anzieht. Man braucht keinen Wiglaf Droste dazu. Nur ein wenig Phantasie und Kutzmutz. Versuchen Sie’s mal!

Diese Glosse finden Sie auch in der Lit-Info des Ferber-Verlages in Köln: www.ferber-verlag.de



Weitere Infos siehe auch: http://www.mikebartel.de






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