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Rezension

Joyce Lebra - „Der Duft des Sake“

Roman
insel taschenbuch 2011
ISBN 978-3-458-35728-5


„Persönliche Gefühle haben sehr wenig mit der Ehe zu tun.“ Wir befinden uns nicht in der Gegenwart, auch wenn dies in manchen Teilen unserer Welt auch noch stimmen mag. Wir schreiben das 19. Jahrhundert in Japan. Zu dieser Zeit war es üblich, dass Ehen so arrangiert werden, dass es das Beste für die Familie ist.

In Der Duft des Sake von Joyce Lebra ist es Rie, die dieses Schicksal ereilt. Sie ist die einzige Erbin eines Sake-Bauerns. Doch da es ihr als Frau nicht gestattet ist, das Unternehmen zu leiten, muss sie Jihei heiraten, damit dieser eines Tages die Nachfolge antreten kann.

„Frauen sind oft gezwungen, ihr Ich zu töten. Andernfalls machen wir uns das Leben schwer“, hat­te Ries Mutter ihr einst gesagt. Es scheint, als würde ihre Mutter damit Recht behalten, denn Rie ist schon zu Beginn klar, dass sie Jihei niemals viele Gefühle entgegenbringen wird. Dies wird ihr spä­testens dann deutlich, als er sie in der Hochzeitsnacht vergewaltigt.

Doch ihre persönliche Gefühle sind fortan unwichtig. Alles was zählt, ist die Familie und der Fortbe­stand – sie muss einen Erben zur Welt bringen. Aber als sie ihr erstes Kind verliert, reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. Jihei hat mit einer Geisha einen Sohn gezeugt, nichts ungewöhnli­ches für diese Zeit, und Ries Eltern holen das Kind als Erben in ihr Haus. Wie soll sie damit umgehen, dass der Sohn einer Geisha das Erbe ihres Vaters einst erben wird?

Während sie einen Plan ausheckt, um das Erbe reinzuwaschen, erweist sich Jihei noch dazu als unfähig, die Brauerei ihres Vaters zu führen. Rie, die mit Leib und Seele an der Brauerei hängt, versucht aus dem Hintergrund die Unfähigkeit Jiheis zu vertuschen. Mit Geschick und großem Willen geht sie an die Aufgabe, das Sake-Unternehmen zum Erfolgreichsten ganz Japans zu machen.

Auf den rund 400 Seiten gewährt uns Joyce Lebra einen Einblick in die damalige Gesellschaft und die Stellung, die Frauen innehatten. Die Tatsache, dass sie Asienwissenschaften studierte und mehrere Jahre in Japan verbrachte, merkt man dem Buch an. Es ist mit viel Liebe zu diesem Land geschrieben und zeugt von tiefem Wissen um deren Kultur.

Joyce Lebra versucht mit Rie und dem Sake-Unternehmen dem Leser die Stellung der Frauen in der japanischen Gesellschaft deutlich zu machen. Rie muss geschickt vorgehen, um ihre Ehre und die der Familie nicht zu beschmutzen, und trotzdem versuchen, die Brauerei am Leben zu erhalten. Es sind zwei Frauen, die sich in Rie vereinen: die ehrbare Frau, die sich um Haushalt und Kinder kümmert und die geschickte Geschäftsführerin, die aus dem Hintergrund agiert und so versucht, die Brauerei ihres Vaters zu einem florierenden Unternehmen zu machen.

Eine gute Idee, die aber leider in den vielen Zeilen um die vergehenden Jahre untergeht. Es passiert zu viel auf zu wenig Seiten, so dass die Geschichte oberflächlich und schnell abgehandelt wirkt. Selbst als ein Feuer in der Brauerei ausbricht baut sich keine wirkliche Spannung auf. Diese und andere auftauchenden Probleme scheinen mühelos gelöst zu werden, wodurch die Handlung etwas dahin tröpfelt.

Wer also einen spannungsgeladenen Kampf um die Sake-Brauerei erwartet, mit Intrigen und Verrat, wird ein wenig enttäuscht sein. Wer aber etwas über die japanische Gesellschaft, das Ehrgefühl und die Kultur der Frauen erfahren möchte, eingepackt in eine Geschichte, sollte Der Duft des Sake lesen.


Tanja Albert - red. 19. Juni 2011
ID 5250
Joyce Lebra - „Der Duft des Sake“
insel taschenbuch 4028
Broschur, 420 S.
ISBN: 978-3-458-35728-5
9,95 € (D) / 10,30 € (A) / 15,90 sFr (CH)
Erscheint am 20. Juni 2011



Siehe auch:
http://www.suhrkamp.de


E-Mail an die Rezensentin tanja.albert@kultura-extra.de



 

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