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Gerhard Roth - Atlas der Stille

Fotografien
Verlag Christian Brandstätter, 2007
ISBN 978-3-85033-026-8


Die Zeit in Obergreith - Die Vergangenheit lebt in der Gegenwart

Der in Graz geborene Schriftsteller Gerhard Roth ist auch der Fotograf Gerhard Roth. Sein „Atlas der Stille“, ein Bildband mit ca. 700 Fotos erschien 2007 im Wiener Christian Brandstätter Verlag. Der 66-jährige Österreicher hat diese im Laufe seiner Zeit in Obergreith aufgenommen. Diese Fotografien sind nur ein Teil der 10.000 Aufnahmen, die Gerhard Roth mit seiner „externen Festplatte“ in der Südsteiermark zwischen 1977 und 1986, aufnahm. „Externe Festplatte“ nennt er seine Kamera, die er als „Tagebuch-Maschine“ benutzt. Lange Zeit war ihm der Fotoapparat ein Hilfsmittel, ein Erinnerungsspeicher außerhalb des eigenen Kopfes.

In „Atlas der Stille“ dokumentiert Gerhard Roth fast minutiös die Zeit die er in Obergreith verbrachte, ein kleines verschlafenes Dorf wenige Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt.
Gerhard Roth zählt zum Kreis des Forum Stadtpark Graz und der Zeitschrift »manuskripte«. Von 1973–1978 war er Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Ab 1977 lebt er als freiberuflicher Schriftsteller in Graz und der Südsteiermark, 1979 bis 1980 in Hamburg und seit 1986 in Wien und in der Südsteiermark.Der Träger des Alfred-Döblin-Preises und des Bruno-Kreisky-Preises hat zahlreiche Romane, Erzählungen, Essays und Theaterstücke veröffentlicht. 1991 schloss er seinen siebenbändigen Romanzyklus »Die Archive des Schweigens« ab.
Gerhard Roth berichtet von seiner „Expedition ins tiefe Österreich“. „Zuerst fotografierte ich meine nächste Umgebung: eine Maus in der Mausefalle, ein Messer, die Haustür. Ich nahm nicht nur auf, was es „gab“, sondern protokollierte gleichzeitig mein Sehen.“
Roth erkundete die Steiermark, seine Häuser und Lebensgeschichten, die Jahreszeiten und Lebensläufe, das Dorfleben und Tierleben, die Landschaften, allesamt Schauplätze für Geschichten.
Alles nimmt er auf. Mensch und Tier, Licht und Schatten, Sommer, Winter, Jahreszeiten.
Das Besondere im Alltäglichen, im Allgemeinsten zu erkennen und auf die „Platte“ zu bannen, ist sein ureigenstes Anliegen. Die Licht und Schattenseiten einer dörflichen Gemeinschaft zwischen Idylle und altmodischer Lebensweise und strengem Alltag in der Steiermark, dem Urgestein des Traditionellen, Konservativen hat er einfangen. Er nimmt Menschen in ihrem Leben auf, fängt Gegenstände, Tiere und Augenblicke in der Natur akribisch ein und zeigt in den neun Jahren keine Hast und Eile. Als ob die Zeit still stände.
Der „Atlas der Stille“ gelingt Gerhard Roth etwas Archaisches, in brillianten Momentaufnahmen konserviert er es. Dies ist nur mit Gründlichkeit, Präzision und viel Ruhe zu erreichen. Will man den Aufnahmen, dem gewaltigen Werk gerecht werden braucht man zum Ansehen der Bilder Muse, um die Poesie zu entdecken, die in den Einzelheiten steckt: in Eisblumen, in Dachpappe, in Mauerflecken und Rost.
Man könnte meinen, zum Ansehen all dessen braucht es fast genau so viel Zeit, wie der Fotograf für die Aufnahmen benötigte. Nur so kann man den Wert erahnen, der in dieser Arbeit steckt. In unserer schnelllebigen Zeit ist der „Atlas der Stille“ ein Meisterwerk für geduldig Schauende.

Der Bildband ist ein Kleinod, ein 320-seitiger farbiger Flickenteppich der Vergangenheit, der sich seine LiebhaberInnen erkämpfen muss. Es lohnt sich, dem Atlas der Stille diese Zeit zu widmen.

Hilde Meier - red. / 24. April 208
ID 00000003806


Siehe auch:
http://www.cbv.at





 

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