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Rezension

"Amour fou. Lyrik und Prosa"

Anthologie
Storia Verlag, 160 Seiten, 2004, 13,00 Euro
ISBN 3-9809768-0-7


"Amour fou. Lyrik und Prosa"

Mit der Anthologie „Amour fou“ stellt der neu gegründete Münchner Storia Verlag stolz sein erstes „Baby“ vor. Das lackrote Büchlein mit bunter Collage aus den unterschiedlichsten Bildelementen auf dem Umschlag ist ein echter Blickfang. 44 Autorinnen und Autoren der Jahrgänge zwischen 1942 und 1987 geben darin in Lyrik und Prosa den Blick frei auf ihre jeweilige Version „verrückter Liebe“: 44 Variationen eines Themas - der Liebe in allen ihren Spielarten, mit Höhen und Abgründen. Sie erzählen vom Schönen und Schrecklichen, vom Banalen und Lächerlichen, von Sehnsüchten und Ängsten, von Sex, Eros und Agape, von Eifersucht und Besitzenwollen, von Liebe, Lust und Leidenschaft bis zum Wahnsinn.

Thema und Titel sind gut gewählt, um einem neuen Verlag auf die Sprünge zu helfen: Damit kann sicher jede und jeder etwas anfangen - und sei es, um vergangene Erlebnisse lustvoll wieder aus der Versenkung zu holen. Wer allerdings gerade akut von „amour fou“ betroffen ist, hat verständlicherweise keine Zeit zu lesen!

Manche der Beiträge sind so „direkt“, dass Menschen meiner Generation der Atem stockt: Haben wir doch gelernt, nicht über Gefühle und erst recht nicht über die körperliche Seite der Liebe zu sprechen. Alle Bezeichnungen dafür waren „unanständig“. Gut, dass für jüngere Menschen diese Tabus an Bedeutung verloren haben. Ja, manchmal sieht es so aus, als würden sie ins Gegenteil, nämlich in so etwas wie Exhibitionismus umschlagen. Doch die Texte sind so unterschiedlich, wie eben Menschen verschieden sind.

Da ist die eMail-Geschichte „RE: alles ist anders“ (Manuela Fuelle, S. 12ff.), die in Kurzform eine Entwicklung von totalem Verfallensein bis zur Ernüchterung schildert.
Romantisch dagegen mutet das Gedicht „Neu gemischte Zeit“ von Norbert Rheindorf (S. 19) an.
Die Prosatexte ohne Satzzeichen von Marina Linares - „Ein Traum“ (S. 20f.) und „Abtritt“ (S. 115ff.) sind in ihrer modernen Form für mich schwer zu lesen.
Monika-Katharina Böss schildert mit „Dolly“ (S. 27ff. eine bühnenreife „femme fatale“.
Witzig ist „Beinahe eine Weihnachtsgeschichte“ von Hardith Abraham (S. 39ff.) über eine Glatzen-Fetischistin und ihren fetten Kater.
Die Ambivalenz zwischen Zärtlichkeit und Zerstörungsdrang beschreibt Eve Avatar sehr gut in „Hommage an eine Göttin“ (S. 51ff.).
Liebe wider alle Vernunft spricht aus dem Gedicht „Ich will zurück ...“ von Alexandra Friedmann (S. 57).
Über Romeo und Julia als normales Ehepaar denkt Rita Kasumu in ihrem Gedicht „Ehe“ (S. 108) nach, und „Herztod“ (S. 110) der gleichen Autorin steht für die nüchterne Bilanz einer Beziehung.
Ganz bezaubernd finde ich die Fabel „Einsame Wölfin“ von Cornelia Koepsell (S. 58ff.) - die Liebesgeschichte einer einsamen Wölfin und eines einsamen Wolfes, „nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt“.
Um die etwas ungewöhnliche Beziehung eines jüngeren Mannes zu einer 80-Jährigen geht es in „Ausschlag“ von Elke A. Sommer (S. 62ff.).
Ähnlich „Bel Amour“ von Astrid Krömer (S. 68ff.) - hier versucht eine 16-Jährige einen älteren Mann zu verführen.
Überrascht hat mich die Geschichte„Vom Himmel. Gefallen“ (Karina von Odenthal, S. 75ff.) über die ebenso verstohlene wie verbotene Affäre mit einem Priester, durchzogen von Zitaten aus dem „Hohelied der Liebe“.
Nochmals heimliche Liebe, Sehnsucht und Zweifel sind Thema der Geschichte „Es ist schön, auf dich zu warten“ von Birgit Krenn (S. 82ff.).
Die Jüngste der Autorinnen, Daria Isabel Bendel (Jahrgang 1987) steigert sich in „Die letzte Offenbarung“ (S. 87ff.) in einen gemeinsamen Liebes-Selbstmord hinein.
Über gewalttätige Liebe schreibt Sarah Ines in „Du bist mein und ich bin dein“ (S. 93ff.).
Um Liebe und Tod geht es auch in „Das Licht und die Dunkelheit“ (Gesa Kühl, S. 111ff.).
Nicht erwartet hatte ich in diesem Zusammenhang das gekonnt gereimte Gedicht „Gefangener vom Elfenstern“ (Stephanie Wirth S. 119).
Einen rührenden Liebestod schildert das Märchen „Adler und Kaninchen“ von Walter Kiesenhofer (S. 120ff.).
Das Ende der Illusion beschreibt das Gedicht „Verlorener Sommer“ (Hans-Werner Neunzig, S. 125).

Damit habe ich nur einige der 44 Texte herausgegriffen - doch interessant sind sie alle. Ich könnte mir vorstellen, das Büchlein zu kaufen - hätte ich's nicht als Rezensionsexemplar erhalten. Vielleicht schenke ich's meiner Tochter - sie hat in ihrem Leben noch mehr Erlebnisse der Sorte „Amour fou“ zu erwarten als ich.

Ich wünsche dem neuen Storia Verlag, dass er sich auf dem kommerziellen Buchmarkt behaupten kann, ohne dabei sein Ziel aus den Augen zu verlieren: Lyrik und Prosa aus dem prallen Leben, gut gemixte Anthologien, Erotica mit Niveau sowie Sachbücher über Genießerthemen und Fotobände herauszugeben.

a.d. - red. / 10. Oktober 2004
ID 00000001274






 

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