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Literaturempfehlung

Péter Zilahy

„Drei“

Gebundene Ausgabe - 156 Seiten
Edition Solitude
www.akademie-solitude.de

Erscheinungsdatum: 2003
ISBN: 3929085836


Es ist schon manchmal eigenartig und fantastisch zugleich, welche Zufälle einen dazu bringen, einen Titel für ein Buch zu finden. Doch ob Schicksal oder Zufall, eine Herausforderung ist es für einen Autor allemal.

Drei Reiseberichte, Drei Tagebücher, Drei Eröffnungsreden. Die Zahl spricht für sich selbst.

Der Autor Péter Zilahy verfasste Reiseberichte durch die Sahara, wie er sich durch allerlei Abenteuer mit Einheimischen begibt, in China die Unwirklichkeit des Gleichschritts und der Außergewöhnlichkeiten beobachtet und Manhattan als Beispiel der USA mit seinem Protz und Größenwahn verfolgt.

„Europa kam, brachte Afrika, butterte Asien unter. Als es entdeckt wurde, war es eigentlich gar nicht mehr da, war es schon Amerika. Insel zwischen drei Kontinenten. Modernes Kreta. Alles von vorne beginnen. Amerika kann immer nur geboren werden, ist in jedem seiner Momente nichts als ein Geboren-Werden, mal lallt es, mal blickt es genial drein, oder es schweigt, wie nur Neugeborene es können. Oder es zerbricht alles.“(Wie soll ich dich nennen?, S. 54)

Die Tagebücher erfassen seine Gedanken in der Zeit kurz vor der Jahrtausendwende, die terminierten Erzählungen für ein Online-Magazin und seine Prophezeiungen während des Aufenthaltes eines Stipendiums an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart.

„Eine neue Weltordnung ist im Entstehen mit Marionettenregierungen, mit good guys und bad guys und gigantischen Arschkriechereien. Im Wesentlichen wird es eine Ordnung der Stärke sein – wie in einem Film aus Hollywood“ (S. 112)

Die im Buch enthaltenen Eröffnungsreden wurden anlässlich einer Ausstellungseröffnung einer Künstlerin an der Akademie der Künste in Berlin, der Wiedereröffnung einer Bibliothek in Budapest und für eine öffentliche Lesung in einer Straßenbahn verfasst.

„Ein gutes Buch nimmt dich an die Hand, sagt, du bist mein Leser, flüstert, ich will dich, keucht, blättere mich durch, genieße meine Buchstaben, trink meine Zeilen, nimm mich, komm, du niemand, mein unbekannter Leser, öffne mich, blättere in mir, halte meinen harten Einband mit deinen starken Händen fest, wozu im Regal verstauben.“ (Per Aspera, S. 130 ff)

Als Bitte der Zeitschrift „Kafka“ schrieb der Autor über seine Generation in Ungarn und setzte es als Nachwort in sein neues Buch. Erstaunlich, welche Parallelen zu unserer Generation dadurch entstanden sind. Der Text wurde auch als Hörspiel produziert und teilweise stammen die Zitate aus seinem Roman „Die letzte Fenstergiraffe“.

„Meine Generation besteht aus eineiigen Zwillingen...übernahm der eine Zwilling die Macht in den Sphären der Wirtschaft und Politik...Der andere Zwilling kam nicht weit, da er entschied, sich einem uralten Handwerk zu widmen...Es gibt keine Konflikte, nur Sieger und Verlierer, Bettler und Königssohn. Der eine ist selbstsicher und geht ins Fitnessstudio, der andere ist moralisch überlegen und trinkt. Beide Zwillinge sind konservativ...beiden fehlt der Radikalismus, vielleicht ist es das, was am ähnlichsten bei den beiden ist. Meine Generation begehrt nicht auf. Noch nicht einmal in ihren Träumen.“ (Die es nicht gibt, S. 138)

Péter Zilahy hat mit dieser Neuveröffentlichung ein wahres Meisterwerk erschaffen. Es ist in einer Einfachheit geschrieben, die es für jeden Leser zu einem literarischen Genuss macht. Trotz seiner klar geschriebenen Worte steckt praktisch in jedem Satz eine Weisheit, ohne abgehoben zu wirken. Drei ist für jeden geschrieben. Und wenn man ganz tief in seine Sätze blickt, erkennt man die erhabene Ironie und den urschönen Witz dahinter.

Das Buch ist sehr empfehlenswert. Für den Autor wird es höchste Zeit, in die Analen der Literaturgeschichte einzugehen.

s.w. - red / 16. Oktober 03



Über den Autor:

Péter Zilahy, geboren 1970 in Budapest, studierte Philosophie und Anthropologie an der Universität Budapest. Er verwendet in seinen Arbeiten häufig Fotografie, Performance-Kunst und interaktive Medien (www.zilahy.net). 1998 erschien sein Wörterbuchroman „Die letzte Fenstergiraffe", der ihm weltweiten Erfolg bescherte. Seither wurde das Buch in vierzehn Sprachen übersetzt. Im September nahm Péter Zilahy zum zweiten Mal am Berliner Literaturfestival teil. Im Rahmen der Stuttgarter Buchwochen wird am 15. November (um 18 Uhr) sein neuer Text von der Schauspielerin Barbara Stoll gelesen. Péter Zilahy ist seit August 2002 Stipendiat der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart.

Sein Buch können Sie für 15 Euro über den normalen Buchhandel beziehen unter der ISBN 3-929085-83-6 oder direkt über www.akademie-solitude.de. (Tel: 0711-99 619-0)

 
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© 2003 Kultura (alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar.)
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