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Rezension

Michael Krupp. Spätfolgen.

Roman

ca. 160 Seiten
Paperback, 14,80 EUR
ISBN 978-3-937101-92-7,
Wiesenburg Verlag Januar 2007


Nennt sich der Titel eines Romans Spätfolgen, fragt man sich natürlich sofort wovon. Und so öffnet man das Buch und liest mit der Erwartung auf eine Antwort - etwa im Stile: weit zurückliegendes tragisches Ereignis begegnet Gegenwart.
Michael Krupp, Autor des Romans Spätfolgen, erfüllt diese Erwartungshaltung oberflächlich betrachtet durchaus. ABER: mit der Zeit wird immer deutlicher, dass Ursachen und Folgen in diesem nicht nur wortwitzigen Roman so zufällig miteinander verbunden sind wie im Leben selbst.

Ausgehend von einer recht seltsamen nächtlichen Autofahrt, die schließlich in einem Acker endet, erfahren wir von einem Mann mit einem Stock und seiner momentan stocksteifen Frau.
Er: frühpensionierter Lehrer mit leichtem Realitätsverlust, der gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte, eigentlich ohnehin nicht Autofahren sollte und von der notgedrungenen Position hinterm Lenkrad völlig überfordert ist.
Sie: seine etwa 10 Jahre jüngere Frau, ebenfalls ehemalige Lehrerin, die eben einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte und verkrampft und regungslos auf dem Beifahrersitz verharrt.
Während ihres nächtlichen Aufenthaltes im PKW treiben die Gedanken der Personen ab. In zahlreichen verschachtelten Rückblenden wird erzählt, was der jetzigen Situation voraus ging. Wie z.B. ein pensionierter Mann mit Stock, angetan von einer Herde Wiederkäuer, diesen versucht, Latein nahe zu bringe. Oder wie eine Frau versucht, Haltung zu bewahren und sich davon überzeugt, dass alles anders wäre, hätte sie nur ein Nachtsichtgerät.

Angereichert mit skurrilen Details und amüsanten Dialogen und Monologen, tauchen wir tiefer und tiefer in das Seelenleben der Protagonisten ein und übernehmen im Wechsel jeweils ihre subjektive Wahrnehmung der Außenwelt. Die Erinnerungsfetzen ergeben nur langsam einen Zusammenhang. Zunächst wirken sie wie eine lose Aneinanderreihung, die einen - manchmal witzigen, manchmal melancholischen - Einblick gibt in die kleineren und größeren Katastrophen der Vergangenheit und in das anscheinende Nebeneinanderherleben der Protagonisten. Doch mit der Zeit zeigt sich eine enge Verflochtenheit der beiden Figuren. Zuerst schimmert in den alltäglichen Handlungen eine Vertrautheit nur durch und erweist sich beim Happy End als wahre Liebesgeschichte.

Fast erscheint der kurze Roman wie eine moderne Parabel (mit Augenzwinkern) über das Leben, das Älterwerden und das Erinnern - und dessen unabdingbare Bedeutung für das Jetzt. – Absolut liebens- und lesenswert!

s.p. - red / 24. Februar 2007
ID 3019


„Docere – delectare – movere! Hörte er eine innere Stimme raunen. Es war seiner nicht würdig, einfach feige zu schweigen. Hier stünde er nun mal und könne nicht anders. Unter allen Umständen musste er weitersprechen, ungeachtet der Gefahr, dass er sich noch um Kopf und Kragen redete.
Also ein Museum beispielsweise, in dem alles kreuz und quer auf einen Haufen geworfen würde, das solle man sich mal vorstellen, setzte er wieder an und lachte hoch auf. Das wäre doch ein Witz, wenngleich ein schlechter. Unsere Nachwelt wüsste dann bald schon nicht mehr zwischen Römern und Franken, zwischen Antike und Mittelalter zu unterscheiden... Keiner könne sich mehr ein Bild machen, wann die eine Kultur aufhörte und die andere anfing oder wie etwa unsere Vorfahren gelebt haben.
Das solle man sich mal vorstellen... Unsere Enkel, unsere Kindeskinder würden dann irgendwann denken, die Römer hätten Felle getragen oder ihr Weltreich mit Panzern und Bomben erobert...
Was für eine traurige Vorstellung! Nein, wer sich nicht mehr an die Vergangenheit erinnere, würde auch bald schon keine Zukunft mehr haben. Schnitte man Bäumen ihre Wurzeln ab, so würden sie auch im Folgenden keine Früchte mehr tragen.
Er lehnte sich an einen mittelhohen Kistenturm, auf dem etwas krabbelte, das er angestrengt zu ignorieren versuchte. Dann kramte er eine runde Dose aus der Manteltasche und bot dem Bauern daraus an. Was für eine furchtbare Vorstellung das wäre, das müsse doch wirklich jeder zugeben, nicht wahr?! sagte er in versöhnlicher Tonlage“ (aus: Michael Krupp. Spätfolgen.)



Michael Krupp
Geboren 1966 in Mendig. Studium der Germanistik, Psychologie und Niederlandistik. Preisträger Wiener Werkstattpreis für Prosa 2002. Stipendium Stiftung Künstlerdorf Schöppingen 2004. Beiträge in verschiedenen literarischen Zeitschriften und Anthologien. Schreibt Erzählungen (2002), erster Roman 2004. Lebt und arbeitet in Köln.





Siehe auch:
http://www.wiesenburg-verlag.de/





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