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Rezension

Lesen im Urlaub >>> William Boyd





Ferienzeit ist Lesezeit! Zeit an die großen literarischen Unterhalter zu erinnern. Schriftsteller wie der wunderbare William Boyd! Faszinierend an diesem Romancier ist nicht nur die Tatsache, dass dieser Mann so spannend und hinreißend amüsant erzählen kann wie kaum ein anderer Autor. Man prüfe ganz einfach diese These, indem man mehr als fünf Seiten eines seiner Bücher liest – kein ernstzunehmender Leser wird einen Roman dieses Autors gelangweilt zur Seite legen. Zum Niederknien ist Boyds erzählerische und stilistische Meisterschaft, eine eigene Dimension der Erzählkunst, deren nahezu klassische Anmutung Zeile um Zeile nachprüfbar ist.

Boyd kennt das menschliche Herz. Und er seziert dieses Zentralorgan des Humanen bis hinein in seine feinsten Kapillare - etwa in seinem großartigen Buch Eines Menschen Herz. Ein Roman, der es leicht mit den postmodernen Klassikern etwa eines Thomas Pynchon aufnehmen kann – mit dem Unterschied, dass man sich bei Boyd keine Sekunde langweilt!

Ein Thema indessen durchzieht alle Romane dieses Autors: Die Frage nach der Identität des Einzelnen. Nehmen wir den 2009 in Deutschland veröffentlichten Roman Einfache Gewitter. Der Klimatologe Adam Kindred wird in einer Weise, die selbst Kafka hätte erröten lassen, in einen Mordfall hineingezogen. Kindred flieht, alle Indizien sprechen gegen den Unschuldigen, der sich fortan im Londoner Untergrund bewegt. Heroisch fasst der junge Mann den Entschluss, seine Unschuld zu beweisen. Doch im Laufe des Romans muss Boyds Protagonist erkennen, wie fragil und obskur unsere Identität ist und wie rasch sich das vertraute Gefüge unseres Lebens und unserer Überzeugungen in Nichts auflösen kann.

Von besonderem Interesse ist bei diesem Schriftsteller aber die Art und Weise, wie er das Problem der Identität mit der anderen Frage zu verbinden weiß, wie es sich anfühlt, in unterschiedlichen Realitäten zu leben. Boyd verfügt diesbezüglich über ein unerschöpfliches Instrumentarium, immer neue Bewussteinswelten sprachlich darzustellen. Dabei führt er den Leser auf intelligente und kurzweilige Weise durch die vielschichtigen Maschen unserer sogenannten Wirklichkeit. Ob er dabei zufälligerweise einen Krimi oder eine Agentengeschichte erzählt - früher oder später überzeugt Boyd jeden Leser. Das Spektrum seiner Realitäten und Stile ist einfach zu breit gefächert.

Diejenigen aber, die er mit seiner Literatur nicht zu fesseln vermag, gehen dem Autor bisweilen in der sogenannten Realität auf den Leim: Dies mussten die Besucher einer Party am eigenen Leib erfahren, die anlässlich des Erscheinens einer von Boyd verfassten „Biografie“ über den Maler Nat Tate den Worten des berühmten Sängers David Bowie lauschten, der aus dem Buch vorlas. Am Ende der Party, so erzählt man sich, waren sich die Gäste sicher, Tate persönlich gekannt zu haben. Doch dieser Maler war in Wirklichkeit eine Erfindung des Schriftstellers William Boyd und sein Name Nat Tate nichts anderes als ein Kunstwort aus den Begriffen „National Gallery“ und „Tate Gallery“.


Jo Balle - red. 28. Juli 2011
ID 00000005301


Siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/William_Boyd_(Schriftsteller)


http://www.williamboyd.co.uk



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