Hinweis


KUNSTHALLE FRIDERICIANUM

Neuer Künstlerischer Leiter und Eröffnungsausstellung


Neuer Künstlerischer Leiter

Am 5. September startet die Kunsthalle Fridericianum ihr Programm unter der neuen Künstlerischen Leitung von Rein Wolfs, dem ehemaligen Ausstellungsdirektor des Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam und Gründungsdirektor des Migros Museum in Zürich.

Mit seinem Team plant Wolfs ein pointiertes Programm, in dem künstlerische Haltungen und eine neue „Humanität“ stark im Vordergrund stehen: „Menschlich, human soll die Kunst sein, mit hier und da einem Funken Erhabenheit, ein Plädoyer für die noch zu formulierenden Voraussetzungen einer Menschlichkeit des 21. Jahrhunderts.“ In der Kunsthallen Kolumne auf www.fridericianum-kassel.de vertieft Rein Wolfs das programmatische Credo: „Gute Kunst ist schön und auch nicht schön, aber immer wirksam. Gute Kunst hat nicht selten provokative und revolutionäre Qualitäten. Kunst ist wichtiger als man meint, weil sie wesentlich weiter greift als auf Anhieb sichtbar ist. Und Kunst ist weniger wichtig als man meint, weil sie auch nur menschlich und deshalb nicht unbedingt außergewöhnlich ist.“



5. September bis 16. November 2008
CHRISTOPH BÜCHEL
Deutsche Grammatik


Mit seinen wahrhaft spektakulären und äußerst komplexen Rauminstallationen fordert Christoph Büchel den Besucher heraus - sie berühren alle Sinne, kitzeln an den Nerven, provozieren und könnten sogar versteckte Phobien wecken. Das kontemplative Rezipieren von Kunst verneinen sie. Vielmehr ist die aktive Integration, das Teilwerden des Besuchers mit den Raumkonstruktionen das Ziel - und nur so werden Christoph Büchels Arbeiten schließlich vollendet.

Der Raum und die sehr sorgfältig ausgesuchten Materialien spielen eine entscheidende Rolle im Konzept des Künstlers. Bei vergangenen Ausstellungen führte Christoph Büchel die Besucher durch verengte Rohrsysteme, ließ sie Leitern auf und ab klettern, neue Raumebenen durch grobe Öffnungen im Boden oder auch einmal durch eine Gefriertruhe hinabsteigend erkunden. Der Besucher beschritt Hallen voller Zivilisationsschrott, wandte sich zwischen Bergen abgelegter Computer und allerlei Elektrogeräten hindurch, wurde mit einem zerbombten Reisebus konfrontiert und drang in beengte, Notunterkünften ähnliche und von Gerümpel völlig überladene Wohnwagen oder Container – immer auf der Reise der Entdeckung menschlicher Lebenswelten und sozialer Schicksale.

Schnell wird deutlich, dass die bevorzugt verwendeten Materialien aus unserer Alltagswelt entstammen, durch die Einbettung in die Rauminstallation einen neuen Kontext erhalten, dabei aber ihre schillernde Vergangenheit als Bedeutungsträger sowohl individueller als auch kollektiver Erfahrung nie verlieren.

Auch für die große Eröffnungsausstellung in der Kunsthalle Fridericianum setzt sich Christoph Büchel mit politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen auseinandersetzen und stellt einen engen lokalen Bezug her. Unter dem Arbeitstitel Deutsche Grammatik, der sich auf das Wirken der Brüder Grimm in Kassel bezieht, beschäftigen sich die zentralen Themen der Kasseler Rauminstallationen mit der deutschen Geschichte sowie mit der gesellschaftlichen Struktur des Landes.

Von besonderem Interesse ist das Aufeinanderprallen von den thematisch lokal orientierten Rauminstallationen, der Materialwahl aus der Welt unseres Alltags mit dem klassischen Museumsbau der Kunsthalle Fridericianum. Und so fordert Christoph Büchel auch in Kassel die Besucher nicht nur heraus, sondern fordert sie auf, zum Teil seiner Installationen zu werden. Das Erfahren, das Wahrnehmen und Empfinden der konstruierten Räume sind die Besonderheit seiner Arbeit – und wenn es sein muss auch mit Haut und Haar.


Mitteilung, 09. Juni 2008
ID 3875
Kunsthalle Fridericianum
Friedrichsplatz 18
D-34117 Kassel
Tel. +49 561 707 27 20

Weitere Infos siehe auch: http://www.fridericianum-kassel.de