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La Triennale di Milano, viale Alemagna 6, Mailand.

The Andy Warhol Show

Bis 9. Januar 2005, 10,30 – 20,30 täglich (außer Montag)


The Andy Warhol Show

Die Andy Warhol Show ist eröffnet. Ein Bombardement aus Farben, Formen, Zeichen, Stars und Mythen. Seine Welt liegt vor uns ausgebreitet da. Alles was für Andy wichtig war, ist dort. Alles was für ihn wichtig war, hat er in seinen Bildern dargestellt. Seine Dosensuppen, die er täglich aß. Geld, von dem er nie genug bekommen konnte. Und seine Träume: die „icon images“, die Ikonen Amerikas: Marilyn, Liz Taylor, Elvis, Jaqueline Kennedy. All seine Stars sind dort, durch das Siebdrucksystem in seinen ästhetischen Pantheon einverleibt. Der zurückgezogene Junge von Pittsburgh, der während der langen im Haus verbrachten Tage von der glitzernden Welt Hollywoods träumte, hat sich seinen Traum erfüllt: durch seine Stars wurde auch er zum Star.

Keinem Künstler ist es gelungen, den American dream so konsequent umzusetzen: reich sein, berühmt sein – Andy hat es geschafft. Die vielen Fotos der Ausstellung bezeugen seine Präsenz in der New Yorker Underground- und Jet Set Szene der 60er, 70er und 80er Jahre. Seine Zeitschrift „Interview“ wurde zum Trendsetter für Film, Kunst, Mode und Lifestyle (die vielen ausgestellten Titelblätter verschaffen einen guten Überblick über die verschiedenen Thematiken). Seine Factory, ein Anziehungspunkt für Artisten, Musiker, Schauspieler, Fotographen, war Partyraum und Arbeitsstätte zugleich. Fieberhaft hielt Andy alles fest, was geschah. Auf Kassettenrecorder, Polaroidkamera, Filmkamera. Alles interessierte ihn. Nichts durfte ihm entgehen. Er war immer bei der Arbeit. Das ist seine Philosophie.

„Making money is art and working is art and good business ist the best art.” Niemand zuvor hat so freimütig Kunst als Business zu deklarieren gewagt. Die hohe Kunst tritt ein in die Welt des Business, in die Welt des Konsums. Sie wird zum Massenkonsum. Die Einmaligkeit wird durch die Vervielfältigung zerstört. Stand zu Beginn die Anzahl der Vervielfältigungen noch in Beziehung zum Objekt (32 Campbell Suppen Bilder für 32 Campbell Suppen Sorten), wird sie schnell beliebig: 4 Marilyns, 20 Jackies, unzählige Bilder, in ihren grellen Farben aneinandergereiht. Viel, viel und noch mehr – Emblem einer Konsumgesellschaft, die in ihrer Obsession der Quantität, keinen Unterschied mehr macht zwischen Dingen und Menschen. Kunstwerke wie die „Mona Lisa“, Galleristen, Modedesigner, Dollarzeichen, Künstler, Flugzeugabsturz werden alle auf die selbe mechanische Weise verarbeitet und nur noch die gewollte Unregelmäßigkeit in der Verteilung der Farbe ist ein letzter Hinweis auf einen handwerklichen Prozess.

Gegenüber einer Rezeption, die eine tiefer greifende Interpretation seiner Werke anstrebt, verharrte Andy Warhol stets in einer ostentativen Oberflächlichkeit. „If you want to know all about Andy Warhol, just look at the surface of my paintings and films and me, and there I am. There’s nothing behind it.” Und doch gelingt es nicht, sich mit dieser Aussage zufrieden zu geben. Die Schönheit von Marilyn, Liz Taylor und Jaqueline Kennedy laden zwar zu einem Verweilen an dieser Oberfläche ein, doch hinter dem verführerischen Schein liegt eine völlig andere Realität: Selbstmord, Gesundheitsprobleme und ein tödliches Attentat.

Dieses morbide Interesse für Tod und Vernichtung tritt in einer anderen Reihe von Werken noch krasser in der Vordergrund, sodass ein Abschnitt der Ausstellung diesem Thema gewidmet ist. Es ist Warhol selbst, der betont, dass er neben dem American dream auch den „American death“ darstellen wollte: „129 Die“, die Zeitungschronik eines Flugzeugdisasters, die Serienabbildung des elektrischen Stuhls und die Totenköpfe, die für ihn ein Portrait der ganzen Menschheit darstellen.

Diese Ausstellung versucht, Andy Warhol in all seiner ist all seiner rastlosen Vielseitigkeit darzustellen: als Maler, Grafiker, Bildhauer, Videokünstler, Filmproduzenten, Regisseur, Schauspieler, Fotografen, Musikproduzenten, Philosophen, Manager. Eine interessante Ausstellung über seine Kunstwerke aber auch über den Künstler selbst.


Sylvia Schiechtl, November 2004
ID 1411
Anmerkungen:
1
Geld ist Kunst und Arbeiten ist Kunst, aber ein gutes Geschäft ist die beste Kunst.
2 Wenn ihr alles über Andy Warhol wissen wollt, dann schaut die Oberfläche meiner Bilder, meiner Filme und mich an und dort bin ich. Dahinter ist nichts.



The Andy Warhol Show.
Bis 9. Januar 2005, 10,30 – 20,30 täglich (außer Montag).
La Triennale di Milano, viale Alemagna 6, Mailand.
Tel. +39 02.724341.
www.triennale.it
Weitere Infos siehe auch: http://www.triennale.it/triennale/sito_html/andy/index_eng.html






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