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Berlin, Martin-Gropius Bau

Monat der Fotografie: Bilder von Wienern – Fotografien. Eine Hommage im Geiste Nestroys

28. Oktober – 5. Dezember 2004


„Monat der Fotografie 2004“ in Paris, Berlin und Wien: Die ursprünglich in Paris ihren Anfang nehmende jährliche Veranstaltungsreihe wurde heuer zu einem städteübergreifenden Projekt: Zahlreiche Ausstellungen werden dem Publikum in den Partnerstädten geboten.

Die vom österreichischen Fotografen Franz Hubmann getragene Ausstellung „Bilder von Wienern – Eine Hommage im Geiste Nestroys“ ist ein Schaubeispiel dafür, wie das Projekt funktionieren kann. Ausstellungsort ist Berlin, präsentiert wird sie gemeinsam mit Fotografien des New Yorker Fotografen William Klein (Ausstellungstitel: „Paris+Klein“). Kleins Bilder erlauben dem Betrachter einen Blick auf Menschen aus Paris, ohne Bildklischees und Reiseführerromantik hervorzuzerren.
Dies ist auch der Punkt, an dem diese beiden Ausstellungen korrespondieren - in beiden werden Menschen in ihrer Heimatstadt gezeigt, die dem Betrachter das Gefühl geben, mehr Anteil am sozialen Leben der beiden Städte zu haben, als es der Blick aus dem Fenster eines Reisebusses gestattet.

Doch was hat in Hinblick auf die „Bilder von Wienern“ der satirische Wiener Bühnenautor Johann Nestroy (1801-1862) damit zu tun? Gibt es einen gemeinsamen „kritisch-ironischen“ Blick, eine von satirischem Humor getragene Offenbarung der Wiener Volkseele und deren Mentalität, die sich in verschiedenen Kunstformen, wie zum Beispiel in der Wiener Volkskomödie, also auch in Nestroys Stücken, ebenso widerspiegelt wie in den Bildern mancher Wiener Dokumentationsfotografen?

Franz Hubmanns Arbeiten sind jedenfalls nicht unbeeinflusst vom Wiener Fotografen und Rechtsanwalt Dr. Emil Mayer, der als Pionier der sogenannten „Life-Fotografie“ in Wien gilt. Mayer begann um 1908, ungestellte Aufnahmen von großteils sich unbeobachtet fühlenden Menschen zu machen und stand damit in Wien am Beginn einer völlig neuen Art des fotografischen Sehens. Die Zuhilfenahme von Prismenspiegeln ermöglichten es Mayer, ein Motiv in einem Winkel von 90 Grad zu fotografieren, er erreichte damit einen hohen Grad an Realitätsnähe und vermied die „Befangenheit“ der Menschen, die er fotografieren wollte.

Franz Hubmann entdeckte die Arbeiten von Mayer in den fünfziger Jahren für sich wieder. Hubmann prägte folgende Generationen von Wiener Dokumentarfotografen, die sich mit distanziertem Blick ihren meist anonymen Mitbewohnern zuwandten und Situationen aus dem gesellschaftlichen Leben einfingen. Hierbei ergaben sich Fotoserien, die Straßenszenen aus dem Wien der Nachkriegszeit einfangen (fotografiert von Erich Lessing), die Wiener in ihrer gesellschaftlichen Realität zeigen (z. B. bei Barbara Krobath – Espresso Madelaine 1982) ebenso wie Bilder, die den „Wiener Typen“ auf der Spur sind (z. B. bei Franz Hubmann oder Harry Weber); also die den „Ur-Wiener“ beispielsweise als Fiakerfahrer, als Gast im Schweitzerhaus oder am Brunnenmarkt in Ottakring, abbilden. Und hier schließt sich wiederum der Kreis und führt zurück zu Nestroy: Sein sarkastischer Witz, oft von Derbheiten durchzogen, deckte die menschlichen Schwächen seiner Bühnenfiguren auf, die, oft als Stereotype dargestellt, dem Publikum einen Spiegel ihrer gesellschaftlichen Realität vorhielten. Auch die im Berliner Martin-Gropius Bau ausgestellten Fotografien tragen einen gewissen Sarkasmus in sich, oder, anders gesagt, einen ironischen, distanzierten Blick auf die Menschen dieser Stadt. Ob es sich hierbei um einen die Jahrhunderte und kunstübergreifenden „Wiener“ Zugang zu bestimmten Motiven handelt, bleibt dahingestellt. Und ob dieser Zugang nicht auch eine demütigende Komponente in sich trägt, auch. Bei manchen Bildern wird man sich das Schmunzeln jedoch sicher nicht verkneifen können, bei anderen hingegen mag die soziale Realität, die diese Bilder aufdecken, auch nachdenklich stimmen.

In der Ausstellung „Bilder von Wienern“ sind mit Fotografien vertreten: Andreas Baumann, Heinz Cibulka, Sepp Dreissinger, Marianne Greber, Franz Hubmann, Leo Kandl, Nikolaus Korab, Barbara Krobath, Erich Lessing, Ernst Logar, Reinhard Mandl, Emil Mayer, Marcelo Perocco, Josef Polleross, Cora Pongracz, Didi Sattmann, Curt Stenvert, Christian Wachter, Harry Weber und Flora Zimmeter.


Friederike Schwabel, 27. November 2004
ID 1467
Ort: Martin-Gropius Bau
Niederkirchnerstr. 7
10963 Berlin
Dauer: 28. Oktober – 5. Dezember 2004
Eintritt: EUR 4,-/ermässigt EUR 3,-
(zusammen mit der Ausstellung „Paris+Klein“)

Der „Monat der Fotografie“(November 2004) wird in Berlin vom Museumspädagogischen Dienst Berlin organisiert und bietet über 100 Ausstellungen und begleitende Veranstaltungen in mehr als 90 Museen, Sammlungen, Archiven, Kulturinstituten und privaten Galerien Berlins. Viele der Ausstellungen werden länger als bis Monatsende gezeigt, manche sogar bis Anfang 2005. Weitere Informationen sowie das Programm finden Sie unter: www.mdberlin.de

Weitere Infos siehe auch: http://www.mdberlin.de






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