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Feuilleton


19. Juli 2008 – 2. November 2008

MANIFESTA7

Die Europäische Biennale für zeitgenössische Kunst
TRENTINO – SÜDTIROL – ITALIEN


© Foto Christa Linossi



Manifesta ist eine der wichtigsten Biennalen für zeitgenössische Kunst in Europa.

Manifesta7 findet diesmal nicht in einer Stadt, sondern in einer ganzen Region statt. Vier Standorte, die auf einer der wichtigsten Nord-Südroute Europas liegen sind; Franzensfeste, Bozen, Trient und Rovereto.

Die Besichtigung der Festung Franzensfeste war für mich mit der Erwartung verbunden, hier einen Schwerpunkt, eine Auseinandersetzung der Sprache, des Textes, anzutreffen. Ich wurde jedoch eines anderen belehrt.

Zur Geschichte dieser Festung: Die Franzensfeste wurde 1833 bis 1838 unter Kaiser Ferdinand I. erbaut und nach Kaiser Franz I. von Österreich, dem Monarch der Planungsphase benannt. Sie sollte die wichtige Verkehrsverbindung durch das Eisacktal über den Brenner nach Norden sichern. 1840 wurde die Festung in das Verteidigungssystem des „Deutschen Bundes“ eingefügt: Franzensfeste: für einen Feind, der nie kam.
Infolge neuer Verteidigungstheorien und der fortschrittlichen Entwicklung von Schusswaffen verlor die Anlage jedoch bald an strategischer Bedeutung und diente mehr und mehr als Waffenlager und Pulverkammer. Die deutsche SS soll die Festung noch als Depot für Raubgüter genutzt haben. Die Festung war bis zum Jahr 2003 militärisches Sperrgebiet und wurde im Mai 2005 der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Gemeinde Franzensfeste übergeben.


© Foto Christa Linossi


Die Franzensfeste wird derzeit (seid 2007) in ein Museum umgebaut und beherbergt seit 19. Juli 2008.
Im Ausstellungsprojekt „Scenarios“ dieser Biennale wird die Festung als Sprachraum genutzt.. Es ist sozusagen die Kulisse für einen Schriftraum mit Sprachaufnahmen. Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus aller Welt hatten die Texte für „Scenarios“, die eigens für diesen Kontext verfasst wurden, bereitgestellt. Jedoch sind keinen einzigen Text in Schriftform in den Räumlichkeiten vorzufinden. Es gibt nur Hörstationen.
Betritt man den Innenhof dieser Franzensfeste ist man bereits umgeben von der Festung und einer Ehrfurcht einflössenden Kapelle, so dominierend steht sie da. Vielleicht kam deswegen auch nie der Feind.
Begibt man sich in die Festung hinein, wird der Besucher – der sich vermutlich unter einer Ausstellung was anderes vorstellt – von den imposanten leeren Räumen auf die Sprachtexte, die aus Hörstationen klingen, aufmerksam. Die Text, in italienischer, deutscher und englischer Sprache verfasst, sind schwer zu verstehen, wenn man sich nicht voll konzentriert.
Von einem Möbeldesigner stammen die spärlichen Sitzgelegenheiten. In den verschiedenen Räumen befindet sich jeweils einen Stuhl. Ein Raum zeigt zudem eine Auswahl an Stummfilmen.


© Foto Christa Linossi
„Scenarios“ ist nichts Sichtbares und doch Sichtbares durch die alte Architektur der Festung. „Scenarios“ gibt der Stimme in den alten Gemäuern etwas mystisches, jedoch wird sich der Besucher kaum die Zeit nehmen, sich in den Raum zu setzen, um der Sprache, dem gesprochenen Text zu lauschen, dem Rätsel der Festung, den Erinnerungen, dem Flüstern vom Krieg, die Geschichte von verlorenen Goldschätzen nachzugehen. Der Besucher flüchtet eher schnell durch die Räumlichkeiten und verlässt unverstanden und kopfschüttelnd die „Scenarios“.



© Foto Christa Linossi “Zeit aufzubrechen”


Zu Fragen wäre auch, was beim Betreten dieser Räumen in einem Gehörlosen vorgeht, der NICHTS außer leere Wände vorfindet vor? Er wird sich fragen, was soll der Stuhl mitten im Raum, was bedeuten die Schnüre die von der Decke baumeln? Kein Text weißt daraufhin.

Vielleicht sollte man in Zukunft bei Biennalen die Kuratoren ausklammern und die Künstler wieder sich selbst ins Szene setzen lassen.


Christa Linoss - red / 16. Oktober 2008
ID 00000004057

Weitere Infos siehe auch: http://www.manifesta7.it/





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