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Feuilleton


KUNSTHAUS GRAZ - Volksgarten

Die Politik der Zugehörigkeit

KuratorInnen: Adam Budak, Peter Pakesch, Katia Schurl


Pierre Huyghe - Courtesy des Künstlers u. Marian Goodman Gallery

Der steirische Herbst feierte heuer sein 40-jähriges Jubiläum und ist ein fixer Bestandteil in der steirischen sowie internationalen Kunstszene geworden. Das Thema lautete dieses Jahr „nahe genug“.

Das Kunsthaus Graz befasste sich mit dem Thema, verband es mit seiner unmittelbaren Umgebung zum Kunsthaus und nannte die Ausstellung „Volksgarten“. Außenstehende werden damit vermutlich nicht viel anfangen können. Gehen wir zurück ins Jahr 2003.

Graz wurde 2003 zur Kulturhauptstadt ernannt. Man wollte Graz - in den 60iger und 70iger Jahren war diese Stadt bereits die Advantgarde der Kunstszene – wieder zurück in die Avantgarde führen. Es entstanden architektonische Werke, mitunter auch das Kunsthaus, genannt „Friendly Alien“. Als erster Standort für dieses Kunsthaus wäre der Eingang am Schlossberg vorgesehen gewesen, was wiederum auch eine interessante Perspektive ergeben hätte, da man 1891 bereits ein Projekt für einen Galerienbau am obersten Plateau des Schlossberges geplant hatte. Die Stadtväter von Graz entschieden sich jedoch für den Platz am Lendkai.

In den 70iger Jahren waren die Uferseiten der Mur die Grenze zwischen der bürgerlichen und der Rotlicht- und Vernügungsszene (Lend/Gries. Seit 2003 ist das Kunsthaus Graz die Schnittstelle und unmittelbarer Nachbar der beiden Bezirke Lend und Gries. Wodurch sich das Stadtbild der Bezirke Lend und Gries aufgrund ihres interkulturellen Gepräges über Einrichtungen wie Callcenter und diverse AusländerInnenvereine, aber auch Ansiedlung der Kreativindustrie (Grafikbüros, Kunstinstitutionen, Designläden usw.) zu gehobenen Bezirken sehr gut entwickelt hat. Die Häuser sind neu renoviert, die Straßen und Gassen sauber gehalten und der nahe „Volksgarten“ eine Einrichtung, die im 19. Jahrhundert für die Bewohnerinnen und Bewohner der so genannten Murvorstadt als Äquivalent zum innerstädtischen Stadtpark angelegt wurde, hat eine neue, vielfältige Indentität angenommen.

Die Ausstellung "Volksgarten" (als Titelkonzept) schließt einen abstrakten und konkreten Ort eines offenen demokratischen Raumes in sich ein. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler gehen auf die speziellen Gegebenheiten der Bezirke ein und vermitteln ihre Wahrnehmungen entweder als generelle Statements im Space02 des Kunsthaus Graz bzw. präsentierten ihre Projekte direkt in den Stadtvierteln.

Die Ausstellung wurde so konzipiert, dass sie sich in Dreiecksformen präsentiert, die architektonische Sichtweise in Räumlichkeiten geordnet, und somit wurde eine Plattform für ein gemeinsames Arbeiten geschaffen.


Courtesy des Künstlers Willmann

Eine interessante Installation ist die von dem Grazer Fotokünstler Manfred Willmann. Er schuf eine Skulptur in Form eines Kartenhauses. Damit stellt er Studien über
die Wahrnehmung an und konzentriert sich auf scheinbar bedeutungslose und banale soziale und kommunale Phänomene. Seine Spielkarten zeigen Menschen und Naturdarstellungen aus den Stadtbezirken Lend und Gries. Zusätzlich zur Skulptur „Kartenhaus“ kreierte er auch Spielkarten, die im Kunstshop erhältlich sind.
Manfred Willmann ist freischaffender Fotograf und lebt in Graz. Er ist auch der Herausgeber der Zeitschrift CAMERA AUSTRIA.


Pawel Althamer geb. 1967 in Warschau schuf eine Videodokumentation „Bròdno 2000“ 2000. Worum geht es in dieser Dokumentation?
Pawel Althamer lebt in einem Plattenbau. Seine Idee war, das Jahr 2000 in Form von Lichtern in den jeweiligen Fenstern des Plattenbaues erleuchten zu lassen, damit das
Jahr 2000 sichtbar wurde. Es ist die eigene Inszenierung sowie die Einbindung der Bewohner des Plattenbaus als Realität der Kunst mit der Realität der Gesellschaft.


Helmut & Johanna Kandl - Courtesy Christine König Galerie, Wien

Helmut & Johanna Kandl installierten bunte Luftballone mit der Aufschrift „Wir werden hier leben und glücklich sein“, die in 15 Sprachen wiedergegeben wurden. Eine Arbeit, die eng mit aktuellen Themen der Politik, der Wirtschaft und der kulturellen Wahrnehmung verbunden ist.
Die in Kuba geborenen Künstler Los Carpinteros ziehen primäre Strukturen des Alltags, des Lebens und der Architektur heran und bearbeiten sie neu. Im Kunsthaus installierten sie 10 Häuser aus Wellpappe und symbolisieren somit die sozialen Kontakte und Umfelder von Stadtvierteln. Es sind Spielwiesen für gesellschaftliche, politische und persönliche Betrachtungen. Man kann es auch als humoristische Auseinandersetzung am Schnittpunkt von Kunst und Gesellschaft, Funktionalem und Nicht-funktionalem betrachten.

Weitere Künstler, die sich an der Ausstellung beteiligt haben:
Absalon (IL), airline (CH), Bik Van der Pol (NL, Thomas Hirschhorn (CH), Pierre Hughe (FR), Martin Kern und Georg Kettele (AT), Sharon Lockhart (US), Gordon Matta-Clark (US), Jean-Luc Moulène (FR), Los Carpinteros (CU), Maria Papadimitriou (GR), resanita (AT), Daniel Roth (DE), Özlem Sulak (TR), Stephen Willats (UK), Manfred Willmann (AT)

Die Ausstellung VOLKSGARTEN läuft noch bis 13. Januar 2008, dazu ist auch ein umfangreicher Katalog erschienen mit Texten von Christian Kravagna, Helmut Konrad, Suzana Milevska, Thomas Hirschhorn, Stephen Willats, Sissi Tax, Nira Yuval-Davis, Adam Budak und Katia Schurl.



Am 7. Dezember 2007 fand ein Symposium zum Lend/ Gries Geschichten – Räume - Identitäten im Zusammenhang zu dieser Ausstellung im Kunsthaus Graz statt. Hier diskutierten VertreterInnen aus Geschichte, Architektur, Kulturwissenschaft,
Medientheorie, Stadtpolitik und Kunst. Veranstaltet wurde dieses Symposium in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum Joanneum und mit der Karl-Franzens-Universität und der TU Graz. Einen ausführlichen Bericht wird in es dazu noch in absehbarer Zeit geben.


Christa Linossi - red. / 17. Dezember 2007
ID 00000003621

Weitere Infos siehe auch: http://www.kunsthausgraz.at





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