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Kunst-Feuilleton

Das Schöne und die Bestien
Il Bello e le bestie

Rovereto (Trento), MART
Bis 8. Mai 2005
Matthew Barnes - CREWMASTER 4. The Loughton Candidate - 1994


Eine „bestialisch“ schöne Ausstellung macht zur Zeit einen Abstecher nach Rovereto zum MART (museo di arte moderna e contemporanea di trento e rovereto) zu einem lohnenden Ausflugsziel.
Schon seit mehreren Jahren profiliert sich dieses Museum durch Ausstellungen, die nicht nur sehr attraktiv sind, sondern auch gleichzeitig die gewählte Thematik in all ihren Aspekten weit über den Kunstbereich hinausgehend ausloten und somit einen interdisziplinären Sammelpunkt für verschiedene Wissensbereiche darstellen.
„Il Bello e le bestie“ (Das Schöne und die Bestien) lässt nun spätestens im Untertitel die Weitläufigkeit der Thematik erahnen: „Metamorfosi, artifici e ibridi, dal mito all’ immaginario scientifico“ (Metamorphosen, Unnatur und Hybride, vom Mythos bis hin zur Bilderwelt der Wissenschaft).


Francis Bacon - Sfinge. Ritratto di Murile Belcher - 1979


Mensch und Tier – in ihrer konfliktvollen Verwobenheit. Das Tierhafte als das Fremde, aber gleichzeitig auch die Nähe des Menschen zum Tier, die Ähnlichkeit der Andersartigkeit und somit das Faszinierende und zugleich das Bedrohliche - dies ist die Thematik, die dieser Ausstellung zu Grunde liegt. Für Lea Vergine, Kuratorin in Zusammenarbeit mit Gabriella Belli und Giorgio Verzotti, sind die Anzeichen des Tierischen schon seit Anbeginn mit dem Menschlichen vermischt und es gilt, sie sichtbar zu machen und bis hin zu unseren Tagen zu verfolgen. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen war Francis Bacon wie ihn Gilles Deleuze in seiner „Logik der Sensation“ empfindet: als Maler des Fleisches, als Fleischer-Maler, der Fleischerei in Kirche verwandelt.

Und so gelang es auch den Kuratoren, drei bedeutende Werke Bacons für diese Ausstellung zu erhalten. Das Menschliche, das langsam im Sphinxenhaften erstarrt („Sphinx. Bildnis von Muriel Belcher“) wird dem ungebändigten Tiersein des „Schimpansen“ entgegengesetzt. Als Kernstück der Ausstellung stellt Bacon somit auch deren Angelpunkt dar, indem er die beiden Hauptaspekte vereint: einerseits die Andersartigkeit des Tieres, die Hybridisierung Mensch-Tier in der Mythologie, andererseits die psychologische Nähe, das Animalische im Menschen.


Jeff Koons - Sirena Gnomo - 1985


Im ersten Teil der Ausstellung erwartet uns nun diese wunderbar-dämonische Welt der Verwandlungen: Zentauren, Faune, Sirenen, Minotaurus, Sphinx und Medusa, die mythologischen Archetypen in ihren vergangenen und aktuellen Spiegelungen. Gewalt und Erotik, Arkadien und Tod vom Symbolismus (Arnold Böcklin, Max Klinger, Franz von Stuck) bis Heute (Pablo Picasso, Luigi Ontani, Joel Peter Witkin, Jeff Koons…).


Alberto Savinio - I genitori - 1931


Im zweiten Teil wird die Nähe des Tierischen zum Menschen in seinen verschiedensten Abwandlungen beleuchtet. Unter dem Aspekt des Physischen spannt sich der Bogen von Deformationen in Renaissancedarstellungen (Lavinia Fontana: „Ritratto di Antonietta Gonzalvus“) bis hin zu artifiziellen Mutationen, die die aktuelle Polemik um die Genmanipulation anklingen lassen (Matthew Barnes: „Crewmaster 4: The Loughton Candidate“). Unter dem Aspekt des Psychischen als das Fremdartige, das in uns wohnt, nehmen surrealistische Maler wie Renè Magritte, Francis Picabia, Alberto Savinio, Frida Kalho mit ihren Träumen und Visionen breiten Raum ein. In der Sektion „Antropomorph-zoomorph“ findet sich Louise Bourgeois „Spinne IV“ neben Giuseppe Arcimboldos „Vogelfänger“ und Maurizio Cattelans Selbstmord begehendes Eichhörnchen wieder. Ausführlich untersucht wird auch das Menschlich-Tierische als Metapher, sei es als Sozialkritik wie bei Francisco Goya y Lucientes, sei es als moralischer Apolog.


Marc Chagall - Sogno di una notte d'estate - 1939


Entdrammatisiert wird am Ende der Ausstellung wenn Fantastisches, Fabelhaftes und Komisches mit Marc Chagall, Keith Haring, Leo Putz, uns nach dieser Reise in die Abgründe der Tier- und Menschwerdung erlösen.


Sylvia Schiechtl, 07. März 2005


Il Bello e le bestie.
Metamorfosi, artifici e ibridi, dal mito all’immaginario scientifico
MartRovereto
Corso Bettini, 43
Rovereto (Trento)
Auf der Strecke Brenner-Verona
www.ilbelloelebestie.it
www.mart.trento.it
Infoline: 800.397760 - 0464.438887

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag , Samstag, Sonntag von 10.00 – 18.00
Freitag von 10.00 – 21.00
Montag geschlossen





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