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Feuilleton
MdM Museum der Moderne Mönchsberg Salzburg, noch bis 07. Februar 2010

FEMALE

Arnulf Rainer
Bericht: Christa Linossi


Arnulf Rainer || Foto: MdM



Arnulf Rainer, geboren am 8. Dezember 1929 in Baden bei Wien, feierte heuer seinen 80. Geburtstag. Baden bei Wien widmete ihm ein eigenes Museum und das MdM Museum der Moderne in Salzburg eine Einzelausstellung zu den Werken „Female“.

Wer ist nun der international anerkannte Künstler Arnulf Rainer?

1940-1944 besuchte er die Nationalpolitische Erziehungsanstalt Traiskirchen in Niederösterreich und verlässt die Schule 1944 weil er gezwungen wird nach der Natur zu zeichnen. Er beschließt von diesem Zeitpunkt an Künstler zu werden. 1945 kommt er aufgrund von Bombenangriffen auf Baden zu Verwandten nach Kärnten, wo er 1947 ein Hochbaustudium an der Staatsgewerbeschule in Villach beginnt. 1949 schließt er mit Matura ab und bewirbt sich um Aufnahme an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, die er aber noch am selben Tag wieder verlässt. Er bemüht sich nun um Aufnahme an der Akademie für Bildenden Künste in Wien, die er ebenfalls nach drei Tagen wieder verlässt.

1950 gründet er zusammen mit Ernst Fuchs, Anton Lehmden, Arik Brauer, Wolfgang Hollegha, Markus Prachensky und Josef Mikl die „Hundsgruppe“, mit denen er 1951 zum ersten und auch zum letzten Mal ausstellt.

1951 fährt er gemeinsam mit Maria Lassnig nach Paris, wo er auch die Künstler Pollock und Riopelle kennenlernt. Deren Stil fließt auch teilweise in seine Bilder ein. Otto Breicha (Kunsthistoriker und Publizist) nennt Arnulf Rainer einen „Möchtegernsurealisten“.

1953 beginnt bereits die Vorstufe für seine Übermalungen von fremden und eigenen Werken. 1961 wird Arnulf Rainer in Wolfsburg wegen der öffentlichen Übermalung eines prämierten Bildes gerichtlich verurteilt (Auszug aus Wikipeda)

Es geschieht Ende der 60iger bzw. Anfang der 70iger Jahre: in Arnulf Rainers Atelier wird eingebrochen, seine Werke komplett zerstört bzw. übermalt. Die Medien befassen sich eine Woche lang mit dem Zwischenfall und auch ORF strahlt einen Bericht darüber aus.

Es stellt sich seither die Frage: war es eine Eigeninszenierung um regional und international bekannt zu werden oder wurde tatsächlich eingebrochen? Als ich Arnulf Rainer heuer bei einer Pressekonferenz auf den damaligen Einbruch ansprach, erklärte er mir, man sollte als Künstler (vor allem als bildender Künstler) vorerst das Max Reinhard Seminar (Universität für Musik und darstellende Kunst) besuchen und sich dann erst der Malerei widmen. Diese Aussage verbirgt sehr viel. Und vielleicht könnte sich auch als ein Hinweis auf seine Inszenierung des Einbruches verstanden werden?

Abgesehen davon, was fasziniert die Galeristen, Sammler und Museen an Rainers Werke?

Bei Rainers starker Bindung an alte und historische Kunst, die er mit Leidenschaft überarbeitet, versucht er auch gleichzeitig dem Bildmaterial mit gekonnten Pinselstrichen und intensiven Farben eine andere Aussagekraft zu geben. Er stellt sozusagen eine Verbindung zwischen seiner Farbe und dem fremden Werk, sowie auch seinem eigenen Œuvre her. Es ist wie eine Verheiratung, von etwas schon vorhandenem, welches wieder mit Neuem zusammengefügt wird.


Vertikale Rückzeichnung 1976 Ölkreide, Öl über Foto/Holzfaserplatte © Arnulf Rainer


Rainer ist ein Serienproduzent. So gibt es von ihm auch die Serie „Die blühende Steiermark“ aus der Sammlung Benediktinerstift Admont 1986. Rainer übermalte alte Pflanzenblätter aus dem 19. Jh. (Graz). Es entstanden hier Blätter die sich mit seiner Übermalung harmonisch an die Pflanzen herantasteten und somit wiederum eine reizvolle Einheit ergeben.

So auch in seinen Arbeiten im MdM „Female“, wie z.B. bei den Blätter aus der Serie „Frauen in der Kunstgeschichte“. Auch hier findet eine harmonische Farbgebung vor dem blassen Frauengesicht statt. Das Portrait der Frau wirkt durch die Überarbeitung betont anmutend und irgendwie auch zerbrechlich, während die dunkle Farbe es zugleich in den Hintergrund rücken lässt.


Ohne Titel 2008 Aus der Serie Frauen in der Kunstgeschichte Leimfarbe über Laserdruck auf Leinwand/Holz © Arnulf Rainer


Rainers Übermalungen in den Werken haben beides - Abschreckendes und Anmutendes. Durch seine Bilder scheint immer die Seele, das Geistliche, das Unheimliche durch. Das ist es, was ihn für mich so auszeichnet.

Zitat von Arnulf Rainer aus seinem Werk „Hirndrang“

„Ich betrachte Kunst als etwas, das den Menschen erweitern soll. Wenn sich der Mensch nicht müht, wenn er sich nicht anstrengt, ist er ein reduziertes Wesen. Das ist zu seinem Schaden, da ein reduzierter Mensch viel weniger Mensch ist und auch viel weniger von sich hat. Kunst ist für mich eine Hilfe für den Menschen und eine Form, sich zu entfalten. Ich glaube, dass es für einen Künstler durchaus wichtig ist, auch das Physische zu zeigen, dass im Leiblichen etwas ist, mit dem sich der Mensch bewußt beschäftigen muss, dass es eine sehr wichtige Kommunikationskategorie ist, eine psychische Kontaktkategorie. Aber nicht nur wie aus der Tradition bekannt, etwa Tanz und Gymnastik, sondern dass die Kunst fähig ist, neue Kategorien und neue Wege für die Körperlichkeit und Körperausdrucksfähigkeit zu entdecken, zu zeigen und vorzuleben.“ [Arnulf Rainer, Hirndrang 1980, Verlag Galerie Welz, Salzburg]
Arnulf Rainer lebt in Wien, Oberösterreich, Bayern und seit Dezember 1996 auch auf Teneriffa.
Die Ausstellung im MdM Mönchsberg Salzburg läuft noch bis 07. Februar 2010. Zu dieser Ausstellung wurde auch ein Katalog im Verlag Bibliothek der Provinz mit 80 Seiten und 60 Abbildungen aufgelegt.


Christa Linossi - red / 31. Dezember 2009
ID 4504
Arnulf Rainer
Female
22.10.2009 - 7.2.2010

Museum der Moderne
Salzburg

Weitere Infos siehe auch: http://www.mdmsalzburg.at





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