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Freddies Wunsch (Teil 2


Ein Ordner, stinknormal und schwarz! Vorsichtig nahm Freddie ihn heraus. Als sie ihn hochnahm, rutschte ein Brief aus den Seiten des Ordners. Frederike beachtete ihn nicht.
Neugierig schlug sie den Ordner auf und fing an zu blättern. Es waren allesamt lauter Artikel über ihre Familie! Ob von einem Klatschblatt oder einer seriösen Zeitung, der Sammler schien jedes kleinste Fitzelchen und Blättchen aufgehoben zu haben!
Nachdem sie sich eine Weile diese ganzen Seiten angesehen hatte, hob sie den Brief auf. Ein weißer Umschlag ohne Name. Freddie öffnete ihn. Es war ein Brief. Freddie las:
"Liebe Frederike, oder soll ich dich lieber "Freddie" nennen ;-)?! Wie du siehst, kenne ich dich und deine Familie ziemlich genau. Du hast deine Bestimmung noch nicht gefunden, deine Familie schon. Mit der Zeit wird das kommen. Du solltest jedoch versuchen, nicht alles sofort abzulehnen! Probier so viel aus, wie möglich und irgendwann wirst du deine Begabung entdecken, das verspreche ich dir!
Viele Grüße,
dein E.

Wer war E.? Und was sollte das Ganze überhaupt? Die Ratschläge und alles.. Er schien wirklich zu wissen, was in ihr vorging! Aber wie war das möglich? In keinem Interview oder Sonstigen hatte sie jemals etwas davon erwähnt. "Seltsam", dachte sich Frederike, aber ihr gingen die Wörter nicht mehr aus dem Kopf. "Probier so viel aus, wie möglich!" Sie überlegte. Wenn sie das wirklich tat, was würde dann passieren. "Womöglich habe ich Angst davor, meine Begabung zu entdecken", sagte sie sich, "ich muss mutiger werden! Mich einfach in etwas hineinstürzen."
Frederike griff nach dem Telefon und wählte. "Ja, hier Frederike", sagte sie, "ist Mag, äh, ich meine Magdalena zu Hause?" "Hi Mag", meinte sie, "du glaubst nicht, was heute passiert ist: Da hat doch so ein Typ ein Päckchen für mich und was ist da drin? Ein Ordner mit tausenden von Artikeln über uns und ein Brief! Sag mal, willst du immer noch in diesen Chor gehen?" "Natürlich, was glaubst du denn", erklang es von der anderen Seite der Leitung her. "Wieso? Hast du deine Meinung geändert?" "Ja, ich glaube ich komme mit! Wann ist denn die 1. Probe?", fragte Freddie mit klopfendem Herzen. "Morgen, gleich nach der Schule um halb zwei. Komm einfach mit mir, zusammen macht das sicher Spaß", erklärte Mag. "Okay, dann sehen wir uns morgen?!" "Yep, bis dann!" Freddie wollte schon auflegen, als Mag noch etwas rief. "Was hast du gesagt?" "Ich fragte, ob du an unsere Erdkundereferat gedacht hast, für morgen!" "Ähm", Freddie fiel es siedend heiß ein, "Es muss irgendwo in meinem Zimmer liegen. Ich such es, versprochen!" "Gut, dann: Tschüß!" Mag legte auf.
Frederike sah sich verzweifelt in ihrem Zimmer um: Überall lagen Klamotten, auf dem Bett, dem Sofa. Auf dem Schreibtisch war das reinste Chaos. Überall flogen Blätter, Schulbücher und Hefte herum. Außerdem waren hier und da Chipskrümel und -Tüten, Apfelreste und Kaugummis zu finden. "Oje!", stöhnte Freddie, "das kann ja heiter werden! Hätte ich nur mein Zimmer gestern aufgeräumt, wie Mama gesagt hat!"
Und wie aufs Stichwort, stürzte ihre Mutter herein. "Freddie", fing sie an, unterbrach sich jedoch: "Wie sieht es denn hier aus??? Ich hatte dir doch gesagt, du sollst dein Zimmer aufräumen!!! Zur Strafe heißt es nach dem Abendessen sofort ins Bett, kein Fernsehen, kein Lesen, kein Computer! Und keine Diskussionen, das hast du dir selbst zuzuschreiben!" Damit wollte sie aus dem Zimmer rauschen, drehte sich auf dem Absatz jedoch nochmals um: "Was ich sagen wollte: In einer halben Stunde gibt es Essen!" Dann ging sie hinaus und zog die Tür hinter sich zu.
Verzweifelt ließ sich Frederike auf das Bett sinken. In einer halben Stunde war das doch niemals zu schaffen! Sie blickte aus dem Fenster und entschloss sich, es dann doch zu versuchen. Wenn es nicht klappte, konnte sie sich morgen immer noch krank stellen.
In rasender Geschwindigkeit sammelte sie die Kleidungsstücke auf, schüttelte sie kurz und warf sie dann in einem Knäuel in den Schrank. Dann warf die Chipstüten, die Apfelreste und die Kaugummis in den Müll. Die Schulbücher kamen mit verknickten Seiten auf ein Regal auf einen Stapel. Genauso machte sie es mit den Heften. Schließlich holte sie alle Blätter, die im ganzen Zimmer verstreut waren, aus allen (staubigen) Ecken hervor und sah sie sich nacheinander durch.
Schließlich fand sie auch das Erdkundereferat (2 Seiten lang), doch es war nicht mehr zu gebrauchen. Es war verknickt und bekleckert (höchstwahrscheinlich Kakao). Sie musste es also neu schreiben, am besten am PC.
Da rief ihre Mutter zum Abendbrot. "Mist", dachte sie, "dann muss ich es eben nachher heimlich tun, auch auf die Gefahr hin, dass ich dann noch eine Strafe aufgehalst bekomme!"

Nach dem Essen tat sie brav so, als würde sie sofort ins Bett gehen, was sie natürlich nicht tat. Sie schlüpfte in ihren Schlafanzug, ging ins Bad zum Waschen und Zähne putzen, räumte ihre Schulsachen in den Ranzen, legte sich die Anziehsachen für den morgigen Tag heraus und kroch unter ihre Daunendecke.
Ihre Mutter sah sich leicht verwundert im Zimmer um, sagte jedoch nichts. Sie küsste sie auf die Stirn, wünschte ihr "Gute Nacht" und schlich auf Zehenspitzen aus dem Zimmer.
Freddie wartete so lange, bis sie ihre Mutter und ihren Vater schlafend glaubte. Dann knipste sie das Licht an, fuhr den Computer hoch und fing an zu schreiben.

Müde rieb sie sich die Augen und schaute auf die Uhr. Waaaaas? Schon 01:32 zeigte ihr Wecker an! "Oh, Gott bin ich müde", dachte Frederike und gähnte. Schnell druckte sie das Erdkundereferat aus und rollte sich in ihre Decke ein. 5 Minuten später war sie auch schon eingeschlafen.

Am nächsten Morgen trat sie, immer noch nicht ganz fit, aus dem Haus. An der Ecke wartete Mag.
"Und, hast du es gefunden?", fragte sie nervös. "Nein", entgegnete Freddie ihr und als sie Mag's entsetztes Gesicht sah, musste sie doch lachen. "Ich hab es noch mal alles auf PC geschrieben, der Zettel war etwas unleserlich geworden!", brummte sie. "Cool! Das sieht sowieso viel besser aus", freute sich Magdalena und fiel ihrer Freundin um den Hals.
Auf dem Weg meinte sie: "Ich bin so froh, dass du dich entschlossen hast, doch in den Chor zu gehen. Weil alleine, du weißt schon, das ist auch wieder blöd!" Sie strahlte schon wieder. "Aber jetzt kommst du ja mit, das find ich einfach klasse von dir!" "Schon gut, schon gut", wehrte Freddie ab und dachte an das geheimnisvolle "E." unter ihrem Brief. Zu gerne würde sie wissen, wer das ist.

In der 1. Schulstunde (Englisch) schrieben sie sogleich einen unangekündigten Vokabeltest. Natürlich hatte Freddie keine gelernt, nur Mag hatte die Vokabeln mal kurz überflogen und so half sie ihr, wobei Mag immer darauf achtete, dass die Lehrerin sie nicht erwischte. Trotzdem, so schätzte Frederike, hatte sie nicht einmal die Hälfte richtig gehabt. Seufzend gab sie ihr Blatt ab.
Die anderen Stunden verliefen ereignislos, bis auf die Bio-Stunde, worin Freddie den Kopf auf den Tisch legte und langsam, aber sicher, einschlief, bis sie sich einen Rippenstoß von Magdalena einfing und sich schnell wieder aufrappelte.
Das Referat gaben sie zusammen in der Erdkunde, der letzten Stunde ab.
Danach machten sie sich auf den Weg zum Musikzimmer.
Sehnsüchtig starrte Freddie aus dem Fenster und sah den Schülern nach, die nun lachend und schwatzend nach Hause gingen.
Mag sah ihren Blick. "Du kannst dich immer noch um entscheiden. Jetzt geht es noch! Wenn wir drinnen sind, geht eine Liste rum und man muss sich eintragen." "Nein, nein", sagte Freddie, "ich stehe zu meinen Versprechen, ich komme mit."
An der Tür angekommen, lauschten sie erst einmal. Frederike presste ihr Ohr an die Tür und wich gerade noch rechtzeitig zurück, bevor diese aufgerissen wurde.
Schüchtern starrten beide die junge Lehrerin an. "Ach, ihr wollt auch noch zum Chor hinzutreten", meinte die Lehrerin freundlich, "dann kommt doch rein. Ich bin übrigens Frau Biernach."
Zögernd traten sie über die Schwelle. Freddie sah sich um. Ein paar Jungs und Mädchen, ca. 15 Stück, saßen auf Stühlen und unterhielten sich leise.
"Na, toll", dachte sie, steuerte aber auf einen freien Platz zu und setzte sich. Magdalena ließ sich auf dem Stuhl neben ihr nieder.

FORTSETZUNG FOLGT

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Sabine Lotz, 15 Jahre, 14. Juli 2006
ID 2578




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