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1. Leo schreibt den 12.04.2007

"Vorsicht", zischte ich, als er viel zu laut die Tür hinter uns zu zog.
"Sorry."
Ich verdrehte die Augen und griff nach dem Kickboard, das neben der Hauswand stand. Er hatte sich sein Skateboard unter den Arm geklemmt. Ich konnte nicht skaten.
"Los geht's."
Er bewegte sich wie ein grauer Schatten auf dem Skateboard durch die Dunkelheit.
Es war nicht unheimlich, aber zweifellos war es aufregend, die Schanzen und Parcours für die Inline-Skater mal im Dunkeln zu sehen. Er kannte die Bahn in- und auswendig, genau so wie ich, deswegen war es ein Leichtes für uns, zwischen den Schanzen hindurch oder auf sie hinauf zu fahren, obwohl man nur Schemen erkennen konnte.

"Irgendwie auch gruselig. Guck mal, die Schaukeln dahinten. Wie in ,nem Horrorfilm oder so."
Er lachte.
"Hast du Angst ?"
"Nein."
"Musst du auch nicht."
Ich zuckte zusammen, als er mir scheinbar beruhigend über den Arm strich.
Dabei hatte ich wirklich keine Angst.

"Na, ich bin mal wieder weg", meinte er, ich hörte das Skateboard erschreckend laut in der Stille wieder losfahren.

"Ah, scheiße."
Er fluchte laut.
Ich fuhr auf seine Stimme und die Geräusche zu.
Ein Handy leuchtete schließlich auf.
"Shit, ich bin in ne Scherbe gefallen, glaub ich. Das blutet total."
"Was ?"
Ich sprang von dem Kickboard und lief auf ihn zu, ging neben ihm in die Knie.
"Zeig mal."
"Keine Panik, ist nicht schlimm."
Er hielt seine Handfläche ins Licht vom Handydisplay und ich verzog angewidert das Gesicht, als ich die Blutspuren darauf erkannte. Ich konnte nicht gut Blut sehen.

"Machen wir kurz Pause, hm ?", fragte ich und griff nach dem Skateboard neben ihm, stand auf und streckte ihm die Hand entgegen.
Er griff mit der unverletzten Hand danach und ließ sich von mir auf die Füße ziehen.
Wir setzten uns auf die Tischtennisplatte an den Rand der Bahn. Er besah sich seine Hand, seufzte schließlich halblaut und ließ sich nach hinten fallen, legte sich auf die Steinplatte.
"Das nächste Mal nehmen wir ne Taschenlampe mit, dann sehen wir die Scherben", meinte er und tupfte das Blut mit seinem T-Shirt ab.
Ich legte mich neben ihn.

Wir schwiegen lange. Es war schön, so neben ihm zu liegen, in vollkommener Stille. Nur ab und zu zwitscherte ein Vogel, der wohl noch nicht mitbekommen hatte, dass die Dämmerung lange vorbei war.
"Leo ?"
"Hm."
"Stimmt das eigentlich, dass du letztens mit Alex - ? Also, dass ihr rumgemacht habt ?"

"Nein."
Ein Rascheln. Ich sah zur Seite und merkte, dass er sich aufgesetzt hatte, erstaunt auf mich herab sah.
"Nicht ?"
"Nein."
"Aber du hast gesagt -"
"Ich hab gelogen."
"Warum ?"
Ich hob die Schultern, obwohl ich es wusste.
"Du lügst mich sonst nie an."
Schweigen.


2. Er schreibt den 13.04.2007

"Mit dem Verband ist das scheiße."
"Ja, deine Schuld, wenn du ihr auch erzählen musst, dass du hingefallen bist. War doch klar, dass sowas kommt."
Genervt stieg ich vom Skateboard, ging zur Tischtennisplatte, auf die wir die Taschenlampe gelegt hatten. Seufzend ließ ich mich auf der Steinplatte nach hinten fallen und verschränkte die Arme im Nacken.
Es war schön. Die Platte an meinem Rücken war warm, so warm, dass ich die Jacke, die ich über das Shirt gezogen hatte, nach kurzer Zeit auszog und neben mich legte.
"Danke."
"Hä ?"
Ich hob den Kopf. Leo hatte sich auf die Jacke gesetzt.

"Ich hab dich angelogen."
Ich zuckte zusammen. Leo lag neben mir.
"Schon wieder ?"
"Nein. Also, doch."
"Was denn ?"
"Vor ein paar Monaten, da haben doch alle gesagt, wie toll es ist, mit Zunge zu küssen, weißt du noch ?"
"Nee."
Ich wusste es wirklich nicht mehr.
"Ist ja auch egal. Aber da hab ich auf jeden Fall erzählt, dass ich auch schon -. Also, und dass das auch so toll wäre und so."
Ich richtete mich auf dem Ellbogen gestützt ein Stück auf.

"Heißt das, du hast noch nie geknutscht ?"
Ich hörte selbst, wie entsetzt ich klang.
"Siehst du ? Und da fragst du dich, warum ich dir nicht die Wahrheit sage. Wenn du so reagierst."
Leo kam auf die Füße, ging zu dem Kickboard.
"Jetzt warte doch mal."
Ich lief ein paar Schritte hinterher.
"Das war nicht so gemeint. Ich war nur so überrascht, wirklich."
Leo hielt inne.

Zusammen gingen wir zurück zur Tischtennisplatte.
"Ich will nicht mehr so uncool sein."
"Du bist nicht uncool."
"Doch."
Ich schwieg.
"Es ist total bescheuert, wenn die Jungs mich fragen und ich mir was ausdenken muss. Wie es sich anfühlt, zu küssen und sowas, meine ich."
Ich lachte wieder.
"Les doch Dr. Sommer und klau dir da ein paar Floskeln. >Ich hab mich gefühlt, wie im siebten Himmel.<"
Ich lachte und streckte die Hand aus. Zum Einschlagen. Leo stieß die Hand weg.
"Hör auf damit."
"Okay, Leo Rührmichnichtan."
"Das ist nicht lustig."
"Doch."
"Boah, lass mich einfach, ja ?"

Leo stand wieder auf. Genervt und zu faul, um wieder hinterher zu rennen, setzte ich mich bloß so hin, dass meine Beine über dem Boden baumelten.
"Leo", rief ich und verdrehte die Augen.
"Du verstehst überhaupt nicht, was mein Problem ist."
Ich seufzte.
"Doch. Du hast noch nie geknutscht, das ist dein Problem. Mein Gott, wenn's dir so wichtig ist, dann knutsch mich halt."
"Echt ?"
"Von mir aus."
Leo lachte. Und verunsichert stimmte ich kurze Zeit später mit ein.

"Du bist echt verrückt.".
"Ja", meinte ich langsam.
"Vielleicht komm ich irgendwann mal darauf zurück."
Leo kicherte immer noch.


3. Leo schreibt den 14.04.2007

Wir saßen auf der Tischtennisplatte. Ich holte tief Luft.
"Gilt das Angebot noch ?"
"Was ?", fragte er, verwirrt über meine zusammenhangslose Frage.
"Du hast gesagt, ich dürfte dich küssen. Hast du das wirklich ernst gemeint ?"
"Ja."
"Okay. Dann würd ich das gern machen."
Ich schluckte nervös.
"Dann komm mal her."

Ich leckte mir unsicher über die Lippen, tat aber, was er sagte und rutschte mit dem Po ein Stück nach links, in seine Richtung. So nah an ihn heran, dass unsere Beine sich berührten.
"Du zitterst", stellte er fest.
Ich nickte.
"Hast du Angst ?"
Ich schüttelte den Kopf.
"Ich bin nur aufgeregt."
"Ich auch."
Überrascht zog ich die Augenbrauen hoch. Er lächelte. Jetzt, wo ich ihm so nah war, konnte ich sein Gesicht trotz der Dunkelheit erkennen.

"Mach die Augen zu."
"Warum ?"
Ich wollte ihn gerne sehen, wenn er mich küsste.
Er lachte leise.
"Dann fühlt es sich schöner an."
"Okay."
Ich tat, wie geheißen und ließ die Augenlider zu fallen.
"So ist gut", flüsterte er und ich zuckte kurz zusammen, weil ich seinen Atem bereits an meinem Gesicht spüren konnte.

Nur hauchzart streiften seine Lippen meine, die leicht geöffnet waren. Entspannt geöffnet, trotz der Nervosität. Ich widerstand dem Drang, sie zusammenzupressen, als er seinen Mund fester, bestimmter auf meinen legte.

Meine Hand, die bisher reglos in meinem Schoß gelegen hatte, suchte nach Halt irgendwo, nach einer Sicherheit, die mich auf der Erde hielt und fand sie an seinem Oberschenkel. Ich krallte die Finger in den Stoff seiner Baggy.

Unfähig, mich zu regen oder gar den Kuss zu erwidern, ließ ich zu, dass er seine Lippen immer wieder gegen meine bewegte, mit jedem Mal ein bisschen fester, so lange, bis ich seine Zungenspitze an meiner Unterlippe spüren konnte. Und wieder zuckte ich zusammen. Nicht wegen seinem zarten Stupsen an meinen Lippen, sondern wegen seinen Händen, die sich plötzlich leicht an mein Gesicht legten, über meine Wangen strichen, nach hinten zum Nacken.

Vorsichtig drang seine Zunge in meine Mundhöhle ein, ich verstärkte den Griff an seinem Oberschenkel, als er meinen Gaumen kitzelte und riss die Augen vor Erstaunen auf, als seine Zunge an meine stupste. Nur, um sie sofort wieder zu schließen und endlich seine zärtlichen Lippenbewegungen nachzuahmen. Ich fühlte, dass er in den Kuss lächelte, während er meine Zungenspitze langsam umkreiste. Ich löste meine Zunge von seiner und fuhr über sein Lippenpiercing, zog daran. Er lächelte eine Spur breiter und ich löste mich von ihm.

"Du sollst nicht über mich lachen."
"Tu ich nicht", sagte er.
Eine peinliche Stille entstand.
"War es sehr schlimm ?", fragte ich schließlich leise und sein Blick schnellte hoch, beinahe ertappt.
"Nein", flüsterte er dann und seine Stimme klang seltsam belegt.
Ich drückte ihm erleichtert einen Kuss auf die Wange.
"Danke."
"Kein Problem. Wir sollten langsam wieder heim, oder ?"
Er stand auf, klemmte sein Skateboard unter den Arm und versteckte die Hände in den Hosentaschen.


4. Er schreibt den 14.04.2007

Wir saßen hier, auf der Tischtennisplatte, das Skateboard war vergessen darunter gerollt. Leos Lippen lagen auf meinen. Ich wusste nicht, wie es gekommen war, wusste nicht warum, wusste wohl aber, dass ich es war, der angefangen hatte.

Leo schien nicht bewusst, was wir hier taten. Wir waren Geschwister, Zwillinge sogar. Zwillinge durften doch mit Dreizehn das Knutschen miteinander üben, oder ?


5. Leo schreibt den 15.04.2007

Die Funkuhr an meinem Handgelenk piepste, in dem Moment, als wir die Skatebahn betraten.
"Geisterstunde", meinten er und ich wie aus einem Munde, sahen uns dann überrascht an und die Stimmung schlug um.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen lag eine Spannung zwischen uns, wie ich sie noch nie gespürt hatte. Ich wollte ihn küssen.
"Komm her."
Nur ein Hauch, schwach, fast flehend verließ meinen Mund. Und er schlang die Arme um mich, haltend, beschützend und presste gleichzeitig besitzergreifend seine Lippen auf meine. Küsste mich genau so, wie ich es gewollt hatte. Das Skateboard, was er irgendwie noch festgehalten hatte, fiel hinter mir mit einem lauten Geräusch zu Boden.

Und erst, als sein Bein plötzlich zwischen meinen stand, wusste ich, was dieses neue, fremde Gefühl war. Lust. Ein Keuchen verließ meine Lippen, seine Finger glitten leicht meine Seiten entlang. Aber das war zu viel.

"Nicht", sagte ich gegen seine Lippen und löste mich dann von ihm. Seine Hände rutschten auf meine Hüften, blieben da liegen, während er einen kleinen Schritt zurück machte.
"Tut mir Leid", sagte er und spielte unsicher mit seinem Piercing, nicht nur unsicher, offensichtlich sogar verlegen.
"Ist nicht schlimm, aber -."
"Ist schon gut, musst du nicht erklären. Wir hätten nicht damit anfangen sollen, ich weiß."

Und dabei blieb es an diesem Abend.


6. Er schreibt den 18.04.2007

"Das war nicht so gemeint, letztes Mal", sagte Leo ohne Umschweife, sobald wir auf der Tischtennisplatte saßen.
"Was ?"
"Wir sind Geschwister, Zwillinge, wir dürfen sowas doch ausprobieren, oder ?"
Ich nickte.
"Gut", flüsterte Leo, griff mit der Hand nach der Taschenlampe auf der Tischtennisplatte und knipste sie aus.
"Komm."

Leo streckte die Hand nach mir aus. Ich griff danach. Wie von selbst verflochten sich unsere Finger ineinander.
"Ich hab das vermisst. Du hast mir nicht gesagt, dass Küssen süchtig macht."
"Das wusste ich bisher auch nicht", brachte ich hervor, überwand hastig den Abstand zwischen uns und fand blind die verlockenden Lippen.

Ich stand zwischen Leos Beinen. Leos Hände legten sich um meinen Rücken. Meine freie Hand schlich sich unter das T-Shirt. Leo hielt kurz inne, der Kuss stockte, ich wartete und entspannte mich erleichtert, als die warmen Lippen wieder auf meinen lagen.
Ich unterbrach den Kuss, um nach Luft zu schnappen.
"Das fühlt sich schön an", hauchte Leo fast andächtig, als ich mich los machte, und legte den Kopf auf meine Schulter.

Leo saß so weit vorn auf der Tischtennisplatte, dass unsere Becken sich berührten.

Es war genug. Wir waren Zwillinge. Meine Beule drückte gegen die Boxershorts. Aber gewisse Grenzen sollten nicht überschritten werden.


7. Leo schreibt den 19.04.2007

Schweigend fuhr ich langsam neben ihm her die Straße entlang. Kämpfte mit mir und wagte es schließlich doch eine Frage zu stellen.
"Kannst du mich heute wieder so streicheln ?"
"Wenn du willst."
Seine Stimme klang rauer als sonst. Und sie ließ mich erschauern. Angenehm erschauern.
"Ja."

Skateboard und Kickboard schob ich mit der Fußspitze unter die Tischtennisplatte, während ich die Arme um seinen Nacken schlang.
Fest erwiderte er die Umarmung, während unsere Lippen sich begierig begrüßten. Er schob mich rückwärts, bis ich mit dem Po an die Platte stieß. Er hob mich darauf und ließ mich kurz stocken. Aber es war nicht schlimm, dass seine Zunge immer wilder mit meiner spielte, immer ungezügelter. Ich gab mich den aufregenden Gefühlen hin, wollte mehr davon, verzehrte mich nach seinen warmen Händen auf meiner Haut.
Er ließ mich nicht lange warten. Fast schon hektisch schoben sich seine Finger unter mein Shirt, ich drängte mich ihm entgegen.

Ich war Dreizehn. Ich hätte damals Stopp sagen sollen, aber ich tat es nicht. Viel zu schön waren die Gefühle, das Prickeln. Viel zu schön war das neue Gefühl der Erregung. An diesem Abend hätte er alles mit mir machen können. Ich war wie im Rausch.

Vorsichtig schob er meinen Oberkörper nach hinten, so lange, bis ich mich von selbst fallen ließ. Er kletterte über mich, kniete zwischen meinen Beinen. Unwillkürlich, von meinem Körper gesteuert, hatte ich sie gespreizt.
Er senkte das Becken ein Stück und erstaunt, überrascht keuchte ich auf. Drängte mich ihm gleichzeitig beinahe ungestüm entgegen.

Doch er wusste damals, dass es falsch war. Er lächelte, kniete sich dann anders hin, so, dass er neben mir war. Sanft schob er meine Beine zusammen und küsste mich völlig unschuldig, beinahe entschuldigend auf die Lippen, kam neben mir zum Liegen und schloss die Arme um mich. Wir schliefen ein.


8. Er schreibt den 22.04.2007

Schweigend gingen wir nebeneinander her. Leo schob das Kickboard. Ein orangefarbener Streifen war noch am westlichen Horizont zu erkennen.
Die Straße war menschenleer.
Am Straßenende angekommen kam Leo näher an mich heran, schob das Kickboard mit einer Hand weiter und schlang den rechten Arm um meine Hüfte, legte den Kopf auf meine Schulter und küsste mich in die Halsbeuge.

Immer noch schweigend kamen wir an der Skatebahn an. Leo holte Kondome aus dem Rucksack.
Ich schüttelte fassungslos den Kopf.
"Bist du wahnsinnig, was soll das ?"

"Ich will, dass du mit mir schläfst."
Ich tippte mir gegen die Stirn.
"Das mach ich nicht."
"Bitte. Ich will auch wissen, wie sich das anfühlt."
"Du bist Dreizehn, Leo. Dreizehn, mein Gott. Das ist sogar verboten."
Ich schüttelte fassungslos den Kopf.

"Ein bisschen Rumprobieren ist ja okay. Du wolltest Knutschen ausprobieren. Und nicht Sex."
"Aber kuscheln ?", fragte Leo leise und ich nickte, kletterte mit auf die Decke, legte die Arme um den zitternden Körper und strich durch das weiche Haar.

"Wir machen das nur hier, ja ? Ich will nicht, dass uns jemand sieht. Und es gehört auch nur hier her."
Leo lächelte. Ich spürte warme Lippen an meinem Hals.
"Okay. Ja, wir machen es nur hier."


9. Leo schreibt den 26.04.2007

Zum letzten Mal. Die Schule fing wieder an. Wir durften abends nicht mehr raus.

"Schht, nicht weinen", flüsterte er und wiegte mich hin und her.
Ich hatte das T-Shirt ausgezogen und hatte ihm seines energisch abgestreift, weil ich einmal seine nackte Haut direkt an meiner fühlen wollte. Er hatte uns in die Wolldecke eingewickelt.
Sanfte Küsse gab er mir auf die Schläfe, wanderte runter zur Wange, über das Nasenbein zu den Lippen und ich seufzte sehnsüchtig auf, als seine Zunge zärtlich um Einlass bat.
Meine Tränen versiegten.

Lange lagen wir still da, tauschten Küsse und zärtliches Streicheln, er flüsterte mir liebevolle Worte ins Ohr. Ich hatte ihn so noch nie kennen gelernt. Dabei sollte ich ihn besser kennen, als er sich selbst kannte. Zwillinge.

"Wir müssen heim, Leo."
Er sprach so leise, dass ich die Worte mehr erahnte, als dass ich sie wirklich hörte.
Er schob mich ganz behutsam von sich, zog die Decke beiseite und griff nach unseren T-Shirts.
Schweigend zogen wir uns an, ich verpackte die Decke im Rucksack.

Dann standen wir uns gegenüber. Fast wie ein Liebespaar, das sich am Flughafen voneinander verabschiedete. Wir waren ebenso traurig. Vielleicht kindlich traurig, aber traurig.
Ich trat näher an ihn heran.
"Du willst doch mal Skateboarder werden, oder ?", sagte ich, leicht lächelnd und strich ihm flüchtig über die Wange.
Er nickte.
"Ich kann nicht skaten. Aber ich weiß was anderes."
Ich beugte mich zu ihm vor, damit ich ihm ins Ohr flüstern konnte.
"Ich werd mal Kickboarder. Und dann kommen wir hier hin zurück. Zum Trainieren. Irgendwann."

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Lisa, 17 Jahre, 9. März 2009
ID 4229




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