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Ein tierisches Geschenk

Literaturminiatur

Als Leonie eines Tages kurz vor Weihnachten gedankenverloren durch den Park schlendert, hoert sie ein heiseres Jaulen. Unter einer verschneiten Parkbank guckt eine dunkele Schnauze hervor. "Ein Hund!", denkt Leonie und pfeift leise. Da wird die Schnauze weiter nach vorn geschoben und ein huebscher Kopf wird sichtbar. Schliesslich steht ein schoener, kniehoher Hund mit braunem Fell vor dem Maedchen. "Wo kommst du denn her? Was machst du hier?", fluestert die 12-jaehrige. Der Hund sieht sie bettelnd an als wolle er sagen: "Nimm mich mit, oh, bitte nimm mich mit!" "Komm, komm zu mir!", lockt Leonie mit sanfter Stimme. Sie geht ein paar Meter nach vorn. Der Hund folgt ihr. "Ich glaube, ich nenne dich Freudel!", denkt Leonie und nimmt 'Freudel' erst einmal mit nach Hause.
Frau Braun begruesst ihre Tochter an der Tuer und klopft auch dem Hund den Hals. Sie liebt Tiere. "Nimm ihn mit rein. Der arme Kerl hat sicher lange nichts zu Fressen bekommen!", ordnet sie an. In der Kueche stellt sie Freudel eine Schale mit Futter hin. Sie setzt sich auf einen Stuhl und blickt ihre Tochter an. "Leonie", sagt sie ernst, "du weisst, dass du ihn nicht behaltn kannst, oder?" Leonie nickt.
Als Herr Braun von der Arbeit nach Hause kommt und den Hund sieht, fragt er: "Was ist denn das fuer ein Vieh? Ich mag keine Tiere!" Leonie nimmt Freudel mit in ihr Zimmer. Kurz danach kommt ihre Mutter herein. "Leonie, wir muessen ihn in ein Tierheim bringen! Das ist das Beste fuer ihn. Vielleicht hat er sich ja verlaufen, und so findet sein Besitzer ihn wieder! Sei doch vernuenftig." Aber Leonie will nicht vernuenftig sein. Sie will nur 'ihren' Freudel behalten. Trotzdem nickt sie. So nimmt Frau Braun Freudel auf den Arm und geht mit ihm aus dem Zimmer. Bald darauf sieht Leonie das Auto ihrer Eltern wegfahren - mit Freudel.
Das Ehepaar Braun bekommt seine Tochter kaum noch zu Gesicht. Nur zu den Mahlzeiten erscheint Leonie noch. Ansonsten liegt sie auf ihrem Bett und weint. Ihre Eltern machen sich schon Sorgen. Ist das Kind etwa krank? Jetzt, einen Tag vor dem Heiligen Abend? "Du, ich habe eine Idee. Hoer mal zu. Wie waere es, wenn...", fluestert Herr Braun am 23. Dezember seiner Frau zu. Der Rest ist nicht zu verstehen.

Es ist der 24. Dezember: Heilig Abend. Tieftraurig steht Leonie auf und guckt in ihren Andventskalender. Es ist ein Hund aus Schokolade darin. Mit einem Mal denkt sich das Maedchen: "Hm, eigentlich koennte ich Freudel ja im Tierheim besuchen! Bitte, bitte, dass er noch da ist, wenn ich ihn besuche!" Dieser Gedanke troestet sie.
Endlich, endlich ist der Abend. Jetzt kann Leonie sich wieder freuen. Uebergluecklich packt sie tausende von Geschenken aus. Doch das schoenste Geschenk ist es, als es ploetzlich an der WOhnzimmertuere kratzt. Herr Braun oeffnet und herein kommt / "FREUDEL!", ruft Leonie. Ihr Vater hatte es doch tatsaechlich uebers Herz gebracht, seiner Tochter den Hund zu schenken. Und ein paar Tage spaeter stellt sich heraus, dass Herr Braun doch Tiere mag. Und Freudel ganz besonders. Na, wenn das kein HAPPY END ist!

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Elisabeth, 12 Jahre, Dez. 2004
ID 1456


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