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Literatur online
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Tausend Mal
Es geschah vor ungefähr drei Jahren im Sommer. Das genaue Datum merkte ich mir damals nicht, denn es war für mich ein Tag wie jeder andere zuvor. Nichts besonderes, doch der unheimlich best versteckteste Augenblick, von dem ich nicht einmal annahm, dass er einiges in meinem Leben verändern würde. Einiges zum Guten hin, einiges hin und wieder auch zum Schlechten. C'est la vie. Das Leben erwartet von Dir schlechte und gute Erfahrungen einzusammeln, aber ich hätte mir niemals erträumen lassen, dass ich eines Tages einen sehr guten Freund verlieren würde.
Es fühlte sich an wie tausend Messerstiche, die Dich in ein- und derselben Sekunde im Nacken erwischen. Heute wünsche ich selbst meinem größten Feind nicht, dass ihm dieses widerfährt. Die Stiche sind inzwischen nur noch ein Zehntel von dem, was sie vor kurzer Zeit waren, jedoch schmerzen sie noch ungemein. Das Schlimmste ist der Zeitpunkt, der Dich das erste Mal realisieren lässt, dass Du verloren hast. Am Ende hast Du nichts, nur Momente, die Du nie vergisst. Dann und wann kann noch etwas so Großartiges passieren, dass die ganze Welt sich vor Freude entzwei reißt, Dich lässt es völlig kalt. Es gibt nichts mehr, was Dein inneres Lachen zum Vorschein bringt, nichts, was Deine Gefühle auslischt und nichts, was Dir die Fragen beantworten könnte, die Du nicht einmal auszusprechen wagst. Du hoffst auf ewig den Mantel des Vergessens zu tragen, dennoch geschehen tausend Dinge, die Dich immer und immer wieder erinnern lassen.
Erinnerungen über Monate hinweg, von denen Du glaubtest, sie seien längst aus Deinem Kopf verschwunden. Aus Deinem Kopf vielleicht, doch Dein Herz vergisst nicht, was Dir einst wichtig war. So viele Lieder, Bilder und Momente, die Dich erinnern lassen; der Geruch und der Geschmack, sie verlassen Dich nie. Heute muss ich nur aus meinem Fenster sehen und mir fallen Millionen von Dingen ein, die ich damals erlebte. Dir steigen Tränen in die Augen und Du versuchst Dir Momente vorzustellen, wie Du sie gerne hättest und wie sie vielleicht eines Tages passieren könnten. Doch ich schwöre Dir, sie passieren nicht. Mir sind sie noch nicht passiert und die Zeit läuft mir davon. Man hört es nicht gerne, doch die Welt dreht sich weiter und Dein Leben existiert noch. Jedoch ist es nun mal die Hoffnung, die zuletzt stirbt, doch wenn sie stirbt... Was ist dann?
Es ist ungefähr dieselbe Frage wie die nach dem Leben nach dem Tod. Niemand kann sie Dir beantworten. Es ist ein menschlicher Fehler, denn unsere Hoffnung verlieren wir niemals. Diese Naivität macht Dich krank, doch ändern kannst Du in Gottes Namen nichts. Die Hoffnung wird kleiner, oh ja, und das ist das, was schmerzt, aber was noch viel, viel mehr schmerzt, ist die Erkenntnis, dass Du nie abschließen wirst, weil Du hoffst.
Was ich früher nie erkannte, ist der Augenblick, der zählt. Ein einziger Augenblick kann verdammt nochmal Dein ganzes Leben auf den Kopf stellen und Dich noch nach Jahren verrückt machen, weil Du ihn nicht erkannt hast. Es gibt so viele Fragen, die Dich quälen und endlos viele Tage, die einfach nicht vergehen. Du fühlst nicht mehr wie du einmal fühltest und betest nachts, was Du noch nie zuvor getan hast. Du siehst die Dinge auf einmal mit anderen Augen und genießt die kleinen Sachen im Leben und schenkst dem Augenblick mehr Aufmerksamkeit als früher. Du hast Alpträume und wünscht Dir, dass ein Engel Dein Schicksal betrachtet. Ein Engel, der Dich liebt und auf Dich Acht gibt. Schicksal ist schon das richtige Wort, denn der Zufall existiert nicht. Wer verantwortet sich dafür, wenn sich zwei jahrelang gelebte Laufbahnen beider Menschen auf unnatürliche Weise an einem bestimmten Ort durch den kleinsten Moment kreuzen und diese Laufbahnen innerhalb geraumer Zeit zu einer zerschmelzen? Wer verantwortet sich dafür, dieses Wunder als einen Zufall anzuerkennen? Es ist ein Fehler das zu behaupten und ich glaube euch kein Wort, wenn ihr von dem überzeugt seid, nie mehr ein Wort.
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