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Der Unbekannte


Es herrschte Stille. Die Nacht zog sich über das kleine Dorf Detenburg. Es war so dunkel, als hätte jemand in einem fensterlosen Raum das Licht ausgemacht. Nur ein paar Sterne leuchteten, aber nur schwach. Ein dicker, feuchter Nebel hing in der Luft und verdeckte den halbrunden Mond. Einsame Schritte hallten durch das Dorf. Diese Schritte gehörten Karl. Karl war ein Detektiv, ein sehr guter sogar. Für einen Detektiv ist es nichts Ungewöhnliches, Nachts umher zu schleichen, aber Karl war diesmal nicht dienstlich unterwegs. Selbst ein Detektiv braucht mal eine Auszeit und Karl nahm sich oft eine große Auszeit. Er kam gerade vom "Sauf viel!", einem kleinen Stehkaffee, wo man sich abends an der Bar bedienen konnte. Heute hatte Karl einen leichten Schwips, was ja auch verständlich war, denn heute war Donnerstag und Donnerstag bedeutete gewöhnlich "Sonderangebote". Vom "Sauf viel" bis nach Hause war es eine ganze Weile Fußmarsch. Er summte leise vor sich hin und trottete den steinigen Weg weiter, immer weiter. Die Straßenlaternen glühten und ließen ihren blassen kleinen Lichtkegel auf die sonst so dunklen Straßen scheinen. Da vorne an der Hauswand huschte ein Schatten vorbei, aber Karl bemerkte es nicht. Der Schatten schlich weiter und wurde immer größer. Es raschelte. Das Laub hatte den Schatten verraten. Ertappt rannte der Schatten weg zur nächsten Hauswand. Mittlerweile hatte Karl den Schatten bemerkt und rannte ihm hinterher. Der Schatten wurde langsamer. Karl folgte ihm bis in eine kleine Gasse. Dort gab es keine Straßenlaternen, aber der Besitzer des Schattens kannte sich hier aus wie in seiner eigenen Westentasche. Karl hatte Schwierigkeiten die Augen auf zu behalten; Alkohol machte eben müde. Obwohl es keinen Unterschied gemacht hätte, denn es war stockdunkel. Schleichen war seine Spezialität, auch mit Alkohol. So schaffte Karl es, dem Unbekannten zu folgen bis zu einem alten, braun angestrichenen Haus. Der Unbekannte schaute sich beunruhigt um und klingelte. Karl versteckte sich hinter dem nächsten Busch. Von drinnen hörte er eine hohe Stimme rufen: " Ich komme! Einen Augenblick noch." Die Tür wurde geöffnet und eine alte Frau mit geblümten Rock und knallrotem Lippenstift trat vor die Tür. "Ach du Schreck!", schrie sie. Der Unbekannte griff in seine Jackentasche und zog eine Pistole heraus. "Rein gehen!", brummte er. Die alte Frau fing an, um Hilfe zu rufen, doch das erschütterte den Mann nicht. Die beiden gingen rein. Karl hielt die Luft an und huschte zum nächstbesten erleuchteten Fenster. Was er dort sah, war sehr ungewöhnlich. Der Mann hatte einen Tee in der Hand und plauderte mit der Frau. Die Pistole lag auf dem Tisch. Jetzt hielt es Karl nicht mehr aus. Er klingelte. Diesmal dauerte es länger, bis die Frau aufmachte. Sie lugte nach draußen. Karl ergriff schnell das Wort: "Ich habe gerade jemanden gesehen, der Sie mit einer Pistole bedroht hat!" Jetzt erst begriff die Dame, um was es ging. "Ohhh, ja!", jammerte sie, "er hat mich gezwungen, den Tresor zu öffnen, vorhin als er geklingelt hat, habe ich voll den Schrecken bekommen! Ich bin quasi aus dem Bett gefallen!" Karl überlegte, schließlich kam er zu einem Entschluss. "Das kann nicht ganz stimmen! Sie waren schon wach, als Herr Unbekannt hier geklingelt hat!"


Weißt du, woher Karl das weiß (es gibt zwei Gründe)?



Lösung:


Die Frau trug einen Rock und hatte Lippenstift, normaler Weise trägt man sowas nicht im Bett, sie war schnell an der Tür.


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Anja Gurres, 27. Februar 2007
ID 00000003022


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