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Night Eyes

(Night Eyes/Deadly Eyes)
USA 1982, Regie: Robert Clouse
Pacific Video

Wie bitte, schon wieder eine neu eingerichtete Rubrik, obgleich andere, bereits existente mangels zielgerichteten Schaffens des dafür im wesentlichen zuständigen Redakteurs mehr oder minder brachliegend sind? Auch auf die Gefahr hin, mich künftig in thematisch wirren Untersparten oder allmonatlich flugs zurechtgezimmerten Seitenleisten zu verlieren, will ich hierzu laut und enthusiastisch ausrufen: Aber ja! Zugegeben, die namensstiftende Grundidee für "0.99 EURO FILME" ist recht schamlos dem geistigen Fundus des Projektes "99 EURO FILMS" entliehen, welches erst unlängst mit dem lobenswerten Ansinnen ins Leben gerufen wurde, das Filmemachen in hiesigen Gefilden neu zu definieren - bislang entstanden sind dann im Ergebnis durchaus ambitionierte, aber eben nur mit äußerst schmalem Budget inszenierte Werke.

Insbesondere letzteres Merkmal trifft auch auf die Mehrzahl der hier in loser Folge zu präsentierenden Kleinode einer längst vergessen geglaubten Videothekenära zu, wobei ich mir an dieser Stelle einmal erlauben darf, dem möglicherweise nichtsahnenden Leser die desolate Funktion eines mit zumeist antiquierter filmischer Ware von vermeintlich minderer Güte bespielten Magnetbandes in Zeiten digitaler Sehgewohnheiten vor Augen zu führen. Schwer gezeichnet von diversen, wenn auch bereits Jahre zurückliegenden Mietvorgängen fristet es in den einschlägigen Ladenlokalen regelmäßig ein erbärmliches Dasein im Schatten seiner aktuelleren und weitaus bombastischer produzierten Kollegen, bis es von staubigen Schichten bedeckt immer tiefer in den unteren Regalreihen versinkt, nur um dann eines Tages mit "0.99 EURO"-Etiketten ausgezeichnet vom Grabbeltisch neben der Erwachsenenabteilung direkt in die schwitzenden Finger irgendeines sozialauffälligen fetten Glatzkopfes zu wandern, welcher ob des günstigen Erwerbs hocherfreut den mitleidigen, mit einem Anflug von Verachtung gepaarten Blick des Feilbietenden schon gar nicht mehr wahrnimmt. So schockierend das Aufzeigen jener skandalösen Vorgänge für den einen oder anderen auch sein mag - es ist schön, bei dieser Gelegenheit mal wieder massive Sozialkritik an den inhumanen Handlungsmustern unserer angeblich zivilisierten Gesellschaft geübt zu haben.

In ein ähnliches, obwohl doch etwas anders gestimmtes Horn bläst im übrigen auch der ansonsten lieber dem Martial-Arts-Genre frönende Regisseur Robert Clouse, wenn er gleich zu Beginn von "Night Eyes" wissenschaftlich äußerst fundiert die fortwährende Schändung von Muttern Erde durch die Hand des Menschen anprangern lässt. Alleine dieser Kreatur ist' s nämlich zu verdanken, dass mit steroidverseuchtem Getreide genährte und deshalb um ein Mehrfaches herangewachsene Ratten nach behördlich angeordneter Vernichtung desselben ihren mörderischen Hunger zunächst mal bevorzugt an denen stillen, die wie sie selbst eher am Rande des Gemeinwesens stehen, nämlich Katzen, Kleinkindern und Kanaken. Aber auch die politische Oberschicht der Stadt hat anlässlich der Einweihungsfeier eines U-Bahn-Tunnelabschnitts, den sich besagte Nager als artgerechtes Rückzugsgebiet auserkoren haben, herzlich wenig zu lachen. Prinzipiell ähnlich ergeht' s dem Großteil der Besucher einer "Bruce Lee-Retrospektive" im nahegelegenen Lichtspielhaus, der während des Betrachtens von "Game Of Death" - für dessen Realisation, ein Witz am Rande, der Urheber dieses Werkes hier ebenfalls verantwortlich zeichnete - ungefragt als üppige Futterquelle herhalten muss. Der Held des Streifens ist ein angesichts der Widrigkeiten des Alltags zumeist maskenhaft grinsender, sich den penetranten Annäherungsversuchen einer seltsamerweise sowohl Britney Spears als auch Rod Stewart ähnelnden Schülerin erwehrender Lehrkörper in den besten Jahren, welcher sein persönliches Glück buchstäblich in einer vermeintlich kühlen Beamtin findet, die vor Gier förmlich zu brodeln scheint, wenn ihr nur mit reichlich Schmackes an den Möpsen gesaugt wird.

Die zahlenmäßig vermutlich relativ geringe Anhängerschaft cineastischer Vollständigkeit wird' s hoffentlich freuen, wenn ich ihr verrate, dass hier unter anderem auch Scatman Crothers angeknabbert wird, der in Stanley Kubrick' s "The Shining" mittels eines hinterhältigen Axthiebs niedergestreckt wurde; bereits in einem früheren Opus des Robert Clouse, "Freie Fahrt ins Jenseits", ist er einem handfesten Totschlag zum Opfer gefallen, was immerhin zu denken geben sollte. Die weibliche Hauptrolle hat eine recht herbe rothaarige Schönheit namens Sara Botsford inne, die noch im Entstehungsjahr dieses Filmchens anderweitig, nämlich in Robert Bentons dreistem Hitchcock-Plagiat "In der Stille der Nacht", dank ihrer ansehnlichen Darstellung als Psychopathin erfreute. Bevor ich mich allerdings weiterhin in derartigen Nebensächlichkeiten ergehe, will ich abschließend lediglich zur Vermeidung etwaiger Missverständnisse noch einmal beherzt darauf hinweisen, dass "Night Eyes" gerade wegen der stellenweise unfreiwillig komischen Dialoge und einer denkwürdigen Häufung unausgereifter Spezialeffekte annehmbares Amüsement für all jene sonderlichen Gesellen zu bieten hat, die sich von eben Berichtetem ohnehin noch nie haben abschrecken lassen, weil sie dieses eher als ein groteskes Gütesiegel begreifen.


d - red / 16. November 2002



 

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