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0.99 Euro-Film: Die Formel

The Formula
USA 1980, Regie: John G. Avildsen
Darsteller: George C. Scott, Marthe Keller, Marlon Brando, John Gielgud.



Genau genommen wäre das vorliegende Werk, dessen wesentlicher Inhalt sich um die Grenzen überschreitende Jagd nach einer mysteriösen Formel dreht, mit der Treibstoff aus Kohlevorräten gewonnen werden kann, so dass ein aus nicht näher genannten Öl-Multis bestehendes Kartell deren Verbreitung aus wohl verständlichen Gründen mit allen Mitteln zu unterbinden sucht, nichts anderes als eine im Ergebnis haarsträubend konstruierte Räuberpistole zwar unglaublichen, aber recht kurzweilig inszenierten Ausmaßes.

Für die Anhänger der filmischen Schieflage - die sich auch und gerade im Rahmen dieser Rubrik hier angesprochen fühlen sollen - wird die Geschichte allerdings erst aufgrund der vielen bizarren Geniestreiche am Rande amüsant. Es ist insbesondere als fortschrittlich zu bezeichnen, auf welche Weise die Bundesrepublik Deutschland der Frühen Achtziger Jahre und deren Metropolen West-Berlin und Hamburg durch die staubige Linse eines US-amerikanischen Regisseurs wahrgenommen werden: Als trostlose Zone voller Dubioses im Schilde führender und mit Regenmänteln bekleideter Dunkelmänner, deren Anblick Assoziationen zum Erscheinungsbild der Geheimen Staatspolizei förmlich mit dem blanken Arsch in das Gesicht des Betrachters springen lassen. Von einem derartigen Standpunkt aus gesehen muss natürlich auch der obligatorische Besuch des hanseatischen Rotlichtmilieus in ein wahrhaft grelles Bühnenspektakel münden - halbnackte Tänzerinnen im Zusammenspiel mit Dokumentaraufnahmen des Dritten Reiches, so dass nicht nur jeglicher Anflug an schmieriger Libido bereits im Keime erstickt sein dürfte, sondern auch noch für alpdruckartige Kindheitserinnerungen der Hauptprotagonistin gesorgt ist. Dass eben jene Dame sich recht gut gehalten hat, sei hier nur nebenbei erwähnt: Nach mühsam erfolgter Rekonstruktion der Historie sollte diese nämlich wesentlich betagter sein - und gerade das erscheint als bemerkenswert, da deren Darstellerin Marthe Keller dem Publikum vier Jahre zuvor in John Schlesingers „Der Marathon-Mann“ noch als blutjunge Studentin verkauft worden war.

Ach ja - groteske Schauwerte bieten schließlich auch die Auftritte der Hollywood-Veteranen Marlon Brando und George C. Scott insbesondere in den miteinander absolvierten Szenen. Den beiden ist gemein, dass sie einst die Annahme ihnen zuerkannter Oscar-Statuen verweigerten - der eine, weil er zeigen wollte, dass er nicht nur der mit Abstand begnadetste, sondern auch ein politisch sehr korrekter Künstler gewesen ist, der andere wohl schlichtweg deshalb, weil er keinen Bock auf den ganzen Firlefanz hatte. Hier leeren sie die aus ihren jeweiligen Hochzeiten verbliebene und wegen manch zwischenzeitlich abgedrehten Unfuges beinahe erschöpfte Neige an Ruhm, was in einem Chargieren ohne jegliche Rücksicht auf Verluste zum Ausdruck kommt, ganz so, als hätte man im fortgeschrittenen Alter ohnehin nichts mehr zu verlieren - mit Ausnahme des ehemals guten Rufes selbstverständlich.

Daniel Dohmel - red / 20. April 2007
ID 00000003156


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