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Kinematographische Kuriositäten (I):
Eine nach der Anderen (Pretty Maids All In A Row)
USA 1970, Regie: Roger Vadim
MGM/UA Home Video
Betrachtet man die Hülle nur oberflächlich, so drängt sich selbst dem diesbezüglich durchaus geschulten Rezipienten die Vermutung auf, er habe zum wiederholten Male einen der typischen Vertreter jenes vor allem in den siebziger Jahren enorm populären, mit reichlich nackter und bisweilen blutiger Haut geschmückten Subgenres des Horror- oder auch Kriminalfilms vor sich, welches sich im wesentlichen darauf beschränkte, das minuziöse Meucheln meist minderjähriger Mädchen zu zeigen und so manchem gewissenlosen, oftmals leider nur bedingt talentierten Unterhaltungskünstler die Taschen bei ansonsten vermutlich gleichbleibend geringen Produktionskosten mit reichlich Schotter anschwellen ließ - doch weit gefehlt, stattdessen ist hier ein seitens der Gesetzmäßigkeiten des alltäglichen Daseins weitgehend unbelastetes, vom gesunden Menschenverstand hermetisch abgeriegeltes, aber auf irgendeine Weise doch schon sehenswertes Kuriosum entstanden.
Da wäre zum einen der sich später zu seiner Homosexualität bekennende Rock Hudson als schnauzbärtiger Collegestudienberater mit Magister in Psychologie, der für revolutionäre pädagogische Lernkonzepte eintritt und deshalb die ihm anvertrauten, sich allesamt ziemlich lasziv gebärdenden jungen Dinger erst gar nicht mit drögem Schulbuchinhalt, sondern stattdessen lieber gleich mit Penis füttert, was für diese hinsichtlich der persönlichen Entwicklung im Ergebnis auch bei weitem wertvoller zu sein scheint. Fordern die geilen Luder allerdings mehr von ihm ein, so legt er sie ebenfalls flach - dann aber gleich für immer, denn er ist ja schließlich verheiratet, der Mann, und möchte die durchaus vorhandene heimische Harmonie nur ungern gefährden lassen, womit ich auch schon den Übeltäter nebst Motiv verraten hätte. Der von Telly Savalas verkörperte, angesichts der diffusen Ausgangssituation zeitweilig recht ungelenk ermittelnde Inspektor ist Kettenraucher, im übrigen degradiert er gerne unfähige Provinzpolizisten zur Regelung des fließenden Verkehrs, wenn er nicht gerade im Zuge informatorischer Befragungen mit seinem Wissensdurst nach den bevorzugt ausgeübten Sexualpraktiken der Jugend nervt, während ein von Dauererektionen gepeinigter Schüler zum Ausgleich hormonellen Überdrucks mathematische Kopfrechnungen durchführt und trotzdem phasenweise nur noch gebückt durch die Handlung huschen kann, insbesondere nachdem er mit der aparten Angie Dickinson, die ihn auf Geheiß in die "Liebe" einführen sollte, physisch kollidierte. Als Gratisbeigabe gibt' s einen bisweilen angenehm öligen Soundtrack aus der Feder Lalo Schifrins, der ausnahmslos jeden Streifen dieser Epoche musikalisch untermalt zu haben scheint, so möchte man bisweilen jedenfalls meinen.
Ein Mitglied der katholischen "filmdienst"-Redaktion war seinerzeit redlich bemüht, in dem ganzen Chaos aus hippiesk angehauchter Lebensphilosophie, umhertapsenden Ordnungshütern und sich bei jeder Gelegenheit entblößenden Teenagern einen zaghaft komödiantischen Einschlag zu erkennen - und tatsächlich, in dieser Richtung könnte durchaus weitergedacht werden, zumal als Urheber dieses Werkes Roger Vadim verantwortlich zeichnet, der ein paar Jahre zuvor die an satirischen Momenten nicht eben arme Comic-Strip-Verfilmung "Barbarella" erfolgreich auf die Leinwand brachte. Indes will sich meines Erachtens das hier Gesehene dieser Ansicht keineswegs so ohne weiteres anschließen, woran natürlich auch mal wieder der deutsche Verleih nicht gänzlich unschuldig sein dürfte, brachte der das Teil doch immerhin damals unter dem aussagekräftigen Titel "Sex-Lehrer-Report" in die Lichtspielhäuser. Was letztlich bleibt, ist mal wieder die Erkenntnis, dass da draußen, in der großen weiten Welt des Glamourösen, zum Teil bemerkenswerte Bizarrerien existieren, welche hier, in dieser eigens dafür eingerichteten Rubrik, künftig nicht nur eine Bleibe finden, sondern geradezu herzliche Gastfreundschaft erfahren sollen.
dd - red / 05. Oktober 2002
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