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„Troja“

(USA 2004)
Regie: Wolfgang Petersen
Starttermin: 13.05.2004



„The Day After Tomorrow“

(USA 2004)
Regie: Roland Emmerich
Starttermin: 27.05.2004



Auf den ersten Blick sind es „nur“ zwei amerikanische Mainstream-Movies mehr, die im Mai ihren bundesdeutschen Starttermin haben: ein Kriegsfilm der eine („Troja“) und ein Katastrophenfilm der andere („The Day After Tomorrow“). Im Prinzip alles schon mal da gewesen. Auch dass die beiden deutschen Regisseure Wolfgang Petersen und Roland Emmerich fast zeitgleich mit ihren Blockbustern gegeneinander antreten, hat es mit „Der Sturm“ und „Der Patriot“ in der Vergangenheit schon gegeben. Beide hatten sich damals durch einen vorauseilenden Patriotismus ausgezeichnet. „Amerikanischer als die Amerikaner“, unkten viele Kritiker. Heute geben sich beide Filmemacher wesentlich differenzierter, wollen sich aber der mittlerweile zur Mode gewordenen Amerikabeschimpfung nicht anschließen.

Wolfgang Petersen verpackt seine kritischen Ansichten leiser und subtiler als Emmerich. Mit „Troja“ hat er ein Schlachtenepos beachtenswerten Ausmaßes geschaffen. Ein Muss für jeden Fan von Brad Pitt, „the sexiest man alive“, der als Achilles seine frisch antrainierten Muskelpakete spielen lässt. Auch Orlando Bloom („Lord of the Rings“) stellt als Paris seinen Sexappeal gekonnt zur Schau.

Brad Pitt als Achilles / Orlando Bloom als Paris

Der Film verwendet Motive aus der „Ilias“ von Homer, die Wolfgang Petersen als Pennäler im griechischen Original lesen musste. (Hat aber keinen größeren Schaden hinterlassen). Er lässt sich natürlich auch nicht die Geschichte mit dem trojanischen Pferd nehmen, die aus der „Aeneis“ von Virgil stammt. Auf die physische Präsenz der Götter, die in den Originalepen fleißig mitmischen, verzichtet er, „Das hätte nicht zu der realistischen Atmosphäre gepasst, die uns vorschwebte“. Der Realismus ging soweit, dass er die Kulissen, Kleidung und Waffen so originalgetreu wie möglich anfertigen ließ. Die Schauspieler mussten konsequenterweise lernen, sich auch ohne Sattel auf ihrem Pferd zu halten und dabei auch noch eine elegante Figur zu machen. Die Götter werden aber trotzdem fleißig angerufen, und zwar von beiden Seiten. Das hat sich schon damals gut gemacht und wird in abgewandelter Form auch heute noch praktiziert.

Szenenbild

Alles fängt damit an, dass sich der junge Paris (Orlando Bloom) in Helena (Diana Kruger) verliebt, ihres Zeichens die schönste Frau der Welt. Helena ist aber mit Menelaos, dem König von Sparta verheiratet. Also fliehen die beiden kurzerhand nach Paris’ Heimat Troja. Der gehörnte König klagt sein Leid seinem Bruder Agammemnon (Brian Cox), dem König von Mykene, der alle starken Griechenstämme zusammentrommelt und mit einer Riesenflotte nach Troja segelt, um die geklaute Braut zurück zu holen. Da Troja von einer uneinnehmbaren Stadtmauer umgeben ist, folgt Gemetzel auf Gemetzel, ohne dass es zur Entscheidungsschlacht käme. Es stört Agammemnon auch recht wenig, dass sein Bruder Menelaos inzwischen getötet wurde und Helena keinen Mann mehr hat, zu dem sie zurückkehren könnte. Es ist Agammemnon nie um die Familienehre gegangen, gibt er zu, ihm geht es allein um die Macht, und deshalb scheut er keine Opfer, um das als unbesiegbare geltende Stadt Troja in die Knie zu zwingen und sich deren Schätze und der Vorherrschaft in der Ägäis zu bemächtigen. Wir haben es hier also mit einem Krieg zu tun, der mittlerweile der Berechtigung und seines ursprünglichen Kriegsgrundes entbehrt. Parallelen zur amerikanischen Gegenwart sind da kein Zufall. Petersen drückt sich da vorsichtiger aus: „... für alle Beteiligten führt der Krieg in eine Katastrophe. Unser Film zeigt zwar das Schlachtengetümmel mit Zehntausenden von Soldaten, wie das Publikum es noch nie erleben konnte, aber im Grunde geht es in unserer Geschichte um die zeitlos menschlichen Aspekte von Sieg und Niederlage, wie Homer sie niedergeschrieben hat.“ Die Dialoge sind aber gespickt mit kritischen Gedanken über die Rechtfertigung von Krieg und die schrecklichen Auswirkungen, die er auf die Menschen hat. Die Kampfszenen sind entsprechend explizit und brutal inszeniert. Zum Schluss bauen die Griechen ein gigantisches hölzernes Pferd, das sich die Trojaner leichtsinnigerweise in ihre Stadt holen. Im Pferd sind griechische Krieger versteckt, die heimlich die Stadttore von innen öffnen. Die griechische Armee stürmt die Stadt und brennt Troja bis auf die Grundmauern nieder. Es wird geplündert und massakriert. Nur wenige Trojaner können sich durch einen geheimen Gang in die Freiheit retten. Hier endet der Film zwar, doch das trojanische Wunder-Schwert wird an den jungen Trojaner Aeneas übergeben. Es ist also klar, dass die Historie des Krieges noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

Diane Kruger als Helena




Während es Petersens erklärte Absicht ist, die ewige Geschichte von Sieg und Niederlage zu erzählen, geht es Roland Emmerich in „The Day After Tomorrow“ um das „ewige Kräftemessen zwischen Mensch und Natur“. Dennis Quaid spielt darin den Klimaforscher Jack Hall, der in der Antarktis das Entstehen der Eiszeit entschlüsseln kann. Um sich vor der globalen Erwärmung zu schützen, hatte die Erde die überschüssige Hitze durch das Schmelzen von ewigem Eis ausbalanciert, was zur extremen Abkühlung und schließlich zur Vereisung des Planeten führte. Jack Hall wendet diese Erkenntnisse auf die gegenwärtigen Klimaveränderungen an und kommt zu dem Schluss, dass in Zukunft ähnliche Umstände zu einer neuzeitlichen Eiszeit führen könnten. Durch die ungezügelte globale Erwärmung wird bereits heute der Golfstrom abgedrängt, was zur allmählichen Vereisung der nördlichen Hemisphäre der Erde führt. Nordeuropa und Nordamerika werden bald zu diesen vereisten Zonen gehören. Mit Hilfe eines schottischen Klimaforschers (Ian Holm) kann Jack Hall Daten erstellen, die belegen, dass die Klimakatastrophe doch nicht in der Zukunft liegt. Wir sind bereits mitten drin...



Die restlichen Zutaten des Films sind von „Independence Day“ und „Godzilla“ her ausreichend bekannt. Doch diesmal meint Roland Emmerich, der für Regie, Produktion, Drehbuch und Story verantwortlich ist, es ernst. Die Vereinigten Staaten sind Hauptverursacher des CO2-Ausstoßes in der Welt, weigern sich aber das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen, das eine freiwillige Einschränkung dieser Umweltschädigung vorsieht. Der störrische amtierende Präsident der Vereinigten Staaten kommt im Film als Folge der Klimakatastrophe ums Leben. Der Vize-Präsident hält eine peinlich-bewegende Rede, in der er die Umweltsünden vorheriger Regierungen anerkennt – leider erst nachdem die Katastrophe eingetreten ist.



Roland Emmerich geht so weit, in seinem Presseheft für die Organisation www.futureforests.com zu werben. Diese Londoner Organisation geht von einer simplen Rechnung aus. Bäume sind –wissenschaftlich belegt - in der Lage den CO2-Ausstoß zu neutralisieren. Future Forests bieten daher einen Calculator an, mit dessen Hilfe man messen kann, wie viel CO2 man selbst im Jahr verursacht. Wenn jeder Mensch als Ausgleich für den von ihm verursachten Umweltschaden eine entsprechende Anzahl von Bäumen pflanzt, (respektive pflanzen lässt), kann er in entsprechendem Maße zur Gesundung der Erde und damit zur Verhinderung einer Klimakatastrophe beitragen. Beispiel: Ein Flug von Deutschland nach London „kostet“ als Hin- und Rückflug laut Tabelle von www.futureforests.com 1 Baum im Wert von 8,5 englischen Pfund, also knapp 15 Euro. Die Organisation hat schon einige große Firmen und eine Reihe von Prominenten als Mitglieder.

Auch wenn die beiden deutschen Hollywood-Regisseure diesmal eine Botschaft transportieren wollen, tut das dem cineastischen Genuss keinen Abbruch. Im Gegenteil kann ein bisschen Aktualität dem Schaudern im weichen Kinositz durchaus zuträglich sein.

h.f. - red / 17. März 2004
siehe auch:
http://www.dertrojanischekrieg.de/
http://www.thedayaftertomorrowmovie.com/




 

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