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Filme


Regie: James Bolton, USA 2004, 80 Minuten

bis Februar im Xenon



...Nick (Ruben Bansie-Snellman) zieht durch die Straßen Portlands, um nachts seine kleinen und großen Kunstwerke in den Industrie- und Bahngeländen der Stadt auf ihm geeignet erscheinende Objekte zu sprühen. Als der Einzelgänger auf Jesse (Pepper Fajans) trifft, der wie er Graffitis sprayt, gehen die beiden von nun an kurzerhand gemeinsame Wege. Sie essen, klauen, wohnen zusammen und, das Wichtigste - sie sprayen ihre tags und Graffitis gemeinsam. Nick scheint sich jedoch von Anfang an nicht nur freundschaftlich zu Jesse hingezogen zu fühlen. Es kommt zu einem zärtlichen sexuellen Austausch, der sogar von Jesse begonnen wird, die im Anfang befindliche Freundschaft der beiden jedoch abrupt beendet. Jesse verlässt Portland, aber Nick, der ihm bis nach Seattle folgt, stellt ihn schließlich zur Rede. Dabei zeigt sich, dass die beiden mehr trennt als eine falsch interpretierte Liebesnacht...


Jesse (Pepper Fajans) und Nick (Ruben Bansie-Snellman)

The Graffiti Artist kommt nahezu vollständig mit zwei Darstellern, wenigen Worten und der Musik des französischen TripHop-Musikers KidLoco aus. Regisseur James Bolton zeigt in seiner Independent-Produktion Ausschnitte aus der Welt, die viele junge Sprayer und Graffitikünstler auf der ganzen Welt teilen: Die Leidenschaft für Sprayen, Skaten und Musik, gemischt mit der ständigen Furcht vor der Polizei und den Adrenalinkicks bei der nächtlichen Flucht vor den Beamten auf Güterbahnhöfen und unter Autobahnbrücken.

Die beiden unterschiedlichen Protagonisten spiegeln auch zwei Lager einer Szene wieder: Da gibt es die einen, die nicht nur Graffitis sprühen um ihre Langeweile zu töten oder blind Dinge zu zerstören, sondern um damit einer gewissen Weltanschauung zu folgen. Ihre tags (gesprühte Namenssymbole) und Graffitis sind Ausdruck einer Lebenseinstellung, die sich gegen Restriktionen der Gesellschaft richten und demnach auch politischen Gehalt haben. Der (illegale) Ort, an dem sie platziert werden, ist Teil dieser Aussage, die neben einer anarchistischen Botschaft die Freiheit der Kunst zum Inhalt hat. „Rupture“ lautet das tag von Nick, und er ist es auch, der sich bereits gegen die Gesellschaft entschieden hat und sein Leben ganz dem Sprayen widmen will – mit allen Auswirkungen auf sein Leben, die diese Hingabe mit sich bringt – bis ins Gefängnis.

Jesse hingegen hat ein anderes Ziel. Ihm ist jetzt schon klar: Seine Graffitis werden irgendwann an der Wand einer angesehenen Galerie hängen. Mehr als hin und wieder ein bisschen Aufregung, die wahrscheinlich auf diesen einen Lebensabschnitt beschränkt bleibt, bedeutet das illegale Sprayen für ihn nicht. Er ist es auch immer wieder, der zur Vorsicht mahnt, wenn es ums Klauen im Laden oder um die rechtzeitige Flucht vor der Polizei geht. Geld bekommt er von seiner Mutter zugeschickt, anscheinend genug, um seinen Lebensstil zu finanzieren und um die Notwendigkeit, die Grenzen zur Illegalität zu überschreiten, zu minimieren. Auch dieser Unterschied zwischen den beiden Charaktären ist es, der schließlich zum Bruch zwischen ihnen führt.

Jesse geht andere Wege

„The Graffiti Artist“ erzählt seine Geschichte in Bildern, wie die Hauptdarsteller selbst es mit ihren Graffitis tun. Witzig die Liebe für Alltäglichkeiten: Einen großen Platz nimmt die Ernährungsweise der beiden Jungs ein; wie zum Beispiel Nicks innovative Methode, sich einen Mais zu grillen.

Getragen wird der Film unter anderem von den traurigen Augen des steten Einzelgängers Nick, der für kurze Zeit glaubt, in Jesse einen Gleichgesinnten gefunden zu haben. Man könnte auch glauben, es ist ihm egal, ob dies ein Mann oder eine Frau ist. Hauptsache dieser Mensch empfindet dieselbe Leidenschaft fürs Sprayen.

Homophobie in der Sprayerszene
Da eines der Leitthemen des Filmes auch die Liebesbeziehung zwischen den beiden Hauptdarstellern ist, wollte sich das Berliner Xenon-Kino im Rahmen der Kinovorführungen eines wichtigen Themas annehmen: Der Homophobie in der Sprayer- und Rapperszene.
Aus diesem Grund hatte man für den Kinostart von „The Graffiti Artist“ eine Podiumsdiskussion angekündigt. Wegen diverser Absagen von Seiten der Berliner Rapperszene musste der Termin jedoch kurzfristig abgesagt werden. Laut Pressemitteilung ist es dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, Teilnehmer aus den genannten Szenen zu gewinnen. Es hagelte Absagen, u.a. von den Rappern Bushido, Azad, Kool Savas und Die Firma. Der Rapper Eko Fresh, Sido und sein Label Aggroberlin reagierten erst gar nicht.

Ein erneuter Termin wurde von den Kinobetreiber für April ins Auge gefasst – wann und ob dieser zustande kommt, konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.

Der Film wird noch bis 1. Februar täglich um 20:15 im Xenon-Kino gezeigt.


Friederike Schwabel - Berlin Redaktion, 22. Januar 2006
ID 00000002213
The Graffiti Artist
USA - 2004
Regie: James Bolton
Ruben Bansie-Snellman, Pledgure Duoshun, Zachary S. Smalls, Robert D. Heath Jr., Rich Clemets, Rich Carlton, Pepper Fajans, Daniel Parker, Luke Cook, Dan Stegner
Filmlänge: 80 Minuten

Xenon Kino Berlin
"Das einzige Kino Deutschlands mit schwullesbischem Schwerpunkt"

Kolonnenstraße 7-8
10827 Berlin-Schöneberg
(U7 Kleistpark)
Tel.: 030-7828850


Weitere Infos siehe auch: http://www.xenon-kino.de






 

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