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Filme


...who killed Brian Jones?

jetzt im Kino

GB, 2005



Einer der größten Gitarristen seiner Zeit, für manche die „Ikone einer Generation“ hat ihren Film: Brian Jones. Durch das Titelwortspiel wird vielleicht von vornherein klar, wie der Gründer der „Rolling Stones“ und ehemals kreativer Kopf der Band in diesem Film gezeigt wird, nämlich: vollkommen neben der Spur.



Musikerlegende Brian Jones (Leo Gregory) in einem Regiedebut von Stephen Woolley


Der Fakt, dass Drogen eine maßgebliche Rolle in Brian Jones kurzem Leben spielten, ist bekannt und auch in seiner Biographie nachzulesen: 1962 gründet Brian „The Rollin` Stones“. Bald nach den ersten Erfolgen der Band zieht er sich zunehmend auf sein Landhaus zurück, wo er sich mehr und mehr seinen Drogenerfahrungen statt dem Musizieren widmet. 1969 scheidet er auf Wunsch der anderen aus der Band aus. Zuvor hatte er schon seine Freundin und große Liebe, Anita Pallenberg, an Keith Richard verloren, weil er sie unter Drogeneinfluss geschlagen hatte. Einen Monat, nachdem er aus der Band geworfen wird, ertrinkt der Rockstar 27-jährig in seinem Swimming Pool. Sein Tod ist bis heute ungeklärt.

„Stoned“ erzählt hauptsächlich von den letzten Monaten des Musikers in Cotchcort Farm (East Sussex). In Rückblicken mit drei Handlungssträngen wird aus Brian Jones´ Leben berichtet. Dass diese Vorgehensweise zunächst ein bisschen verwirrend ist, passt gut zur Darstellung des Protagonisten selbst. Brian Jones stolpert durch sein Leben, das er weitaus weniger im Griff zu haben scheint, als die anderen Mitglieder der Band.


Rock´n Roll oder Kostümball?
Als Zuschauer wartet man natürlich gespannt auf die Szenen, in denen die legendären „Rolling Stones“ (bzw. ihre Darsteller) auf der Leinwand erscheinen. Diese bleiben jedoch recht konsequent im Hintergrund. Wenn die Jungs mal auftauchen, geht ein Kichern und kaum verhaltenes Lachen durch die Sitzreihen: Soooo sollen die ausgesehen haben? Wahrscheinlich ist man nahe dran, aber eben nur fast. Die Perücken wirken wie solche, das Styling übertrieben. Genau dieses Unecht-Montierte zieht sich durch die verschiedenen Bestandteile des Filmes. Auch die Drogenexzesse von Brian wirken aufgesetzt. Da ein Busen, dort ein Chillum - eine minutenlange Sequenz unterlegt mit dem Drogenklassiker der Sechziger, „White Rabbit“ von Jefferson Airplane, erschlägt den Zuschauer mit Klischees. Allein der Song ist gut, aber noch besser in „Fear and Loathing in Las Vegas“, als Höhepunkt eines Acid-Trips von Dr. Gonzo alias Benicio del Toro. Und dort hätte er filmhistorisch gesehen wohl auch endgültig bleiben sollen.

Trotz Platituden zeigt sich der Film an manchen Stellen durchaus durchdacht: Regiedebutant Stephen Woolley gibt an, zehn Jahre lang an den Vorbereitungen gearbeitet zu haben. Wolley hatte sich zuvor u. a. als Produzent von „Interview mit einem Vampir" einen Namen gemacht (ob "Stoned" auch deswegen im Styling untergeht?)
Seine umfassende Recherche macht sich jedenfalls vor allem dann bemerkbar, wenn es um die Hintergrundgeschichte von Brians Ableben geht.




Einer der jungen Stones in ausgefallener Garderobe


Die Mordgeschichte oder "who killed Brian Jones?"

In Wolleys Film bleibt Brian Jones Ende nicht ungeklärt, sondern man macht einen Mörder fest. Besonders spannend daher die letzten Momente des Musikers, die Mr. Jones anscheinend mit Menschen verbringt, mit denen er nichts mehr teilt, außer sein Gras. Wie der Regent über ein längst verlorenes Königreich lebt er abgeschottet in seiner Burg und scheint jeden Bezug zur Realität verloren zu haben. Seine gegenwärtige Freundin nennt er unter Drogeneinfluss „Anita“, die zu diesem Zeitpunkt schon lange mit Keith Richard zusammen ist. Sein „bester Freund“ ist plötzlich der spießige Bauunternehmer Frank Thorogood (Paddy Considine), der einfach nicht die Power hat, Brian Jones ausschweifendem Leben zu entsagen und ihm dadurch vielleicht den notwendigen Halt zu geben. So sieht man ihn in der Endphase seines Lebens umgeben von Menschen, die ihm lieber beim Dahinvegetieren zusehen, als seinen Verfall aufzuhalten.


Tom Keylock (David Morrissey), Frank Thorogood (Paddy Considine) und Brian Jones (Leo Gregory) v.l.n.r.


Die Darstellung der Beziehung zwischen Frank und Brian konzentriert sich auf einen Konflikt, der durch das Zusammenprallen zweier völlig verschiedenen Welten entsteht. Frank, der eigentlich ein normales im Sinne von bürgerlichem Leben führt und, angewiesen von Bandmanager Tom Keylock (David Morrissey), ein bisschen auf Brian achtgeben soll, ist vielmehr wie hypnotisiert von Brian´s Lebensstil. Die Welt der freien Liebe, der Drogen und der sexuellen Revolution wecken in ihm den Wunsch, es dem anderen gleichzutun. Er erweist sich als geeignetes Ziel für Brians Demütigungen, der Franks Lebenshunger und seine Naivität zum Teil verachtet. Die Katastrophe zeichnet sich also ab...

Trotz eines mutigen Endes fehlt dem Film jedoch in der Darstellung der einzelnen Charaktere der Tiefgang. Es gibt hier keine Brücke zwischen Exzess und Musikalität eines genialen Menschen. Was bleibt, ist ein verwirrter Paranoiker, der zwischen zuviel Styling, Make-up und Perücken durch ein Pseudo-Lusthaus gaukelt.
Die Rolling-Stones schienen sich jedenfalls mit der Darstellung des Zeitgeistes sowie ihrer Lebensweise in diesem Film nicht wirklich identifizieren zu können: In "Stoned" gibt es keinen einzigen eingespielten Original-Stones-Song, der Soundtrack besteht fast ausschließlich aus Cover-Versions. Fazit: Die Doors hatten mit der Oliver-Stones-Verfilmung von 1991 mehr Glück gehabt.


friederike schwabel - berl. red. / 15. Juni 2006
ID 00000002452
Stoned - who killed Brian Jones?

GB 2005, 102 Minuten

Darsteller: Leo Gregory, Paddy Considine, David Morrissey, Ben Whishaw, Tuva Nowotny, Amelia Warner, Monet Mazur, Luke de Woolfson uvm.

im Verleih von 3Rosen / VCL im Vertrieb von Warner Bros

Weitere Infos siehe auch: http//www.stoned-film.de






 

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