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Besprechung


Kinostart: 06. Sept. 2007

St. Jacques

Pilgern auf Französisch

Der Jacobsweg

Auf die Frage, wo der Jakobsweg beginne, erhält man in Spanien die Antwort: „El camino comienza en su casa“ (Der Weg beginnt in Ihrem Haus).
Nach dieser Devise startet auch der neue Film der französischen Filmemacherin Coline Serreau „Pilgern auf Französisch“: Ein Brief geht auf die Reise. Briefkasten, Postamt, Förderband, Briefträger. Er kommt an: Bei der einsamen Ehefrau des geschäftstüchtigen Pierre mit Eheproblemen. Bei der Lehrerin Clara, dem fleissigen Lieschen, Alleinversorgerin einer vierköpfigen Familie. Bei dem armen Schlucker Claude, arbeits – und mittellos, mit fast erwachsener Tochter mit Ansprüchen.
Die Botschaft des Briefes lautet: Zu dritt nach Santiago de Compostella zu pilgen, oder nichts vom Erbe der verstorbenen Mutter zu erhalten.

Seit einiger Zeit, schwer unterstützt von Hape Kerkelings „weg sein“ ist Pilgern zum Grab des Apostel Jacobus nach Santiago de Compostella Volksbewegung geworden. Deshalb muss der Hintergrund der Angelegenheit, „Büßen für eigene Sünden“, oder stellvertretend für die von anderen - früher eine häufig praktizierte Angelegenheit - nicht mehr eingehend erklärt werden. Das Pilgerabzeichen, die Jacobsmuschel, wird nach Ankunft am Ende des Wegs sichtbar an das Mantelrevers geheftet. Gelbe Pfeile zeigen den Pilgern unterwegs den Weg: 600 – 800 km, je nachdem.



Vehement lehnen die Geschwister ab. In Stakato trägt jede/r seine Gründe vor. Viele kommen zusammen. Sie hassen sich gegenseitig. Sie hassen wandern. Sie haben keine Zeit. Sie haben aber auch keine andere Wahl. Widerwillig schließen sie sich einer geführten Gruppe an. Guy, der Reiseleiter hat von Anfang an seine liebe Not mit ihnen.
Außer Clara, Claude gehen zwei junge Frauen mit, die stille kranke Mathilde sowie Said und sein Neffe, arabischer Abstammung. Alle haben ein Anliegen: Derjenigen nahe sein, in die man verliebt ist, lesen lernen, nach Mekka pilgern, der kranken Mutter einen Gefallen tun, von einer Krankheit geheilt werden, Geld.
Die Wandertruppe eine echte Herausforderung für den erprobten Guy. Er hat auch sein Päckchen zu tragen. Seine Frau betrügt ihn und er kann nicht nach Hause, als sein Kind krank ist. Mit viel zu viel Gepäck – oder ganz ohne - geht es los.
Eingebettet in berauschende Landschaften und endlose Weiten geht es bergauf und bergab. Sie erleben Abenteuer – Freiluft-WC und Freiluft-Telefonzelle, Pyrenäen-Pässe und Kuhscheiße, Gruppendynamik und – wie sollte es anders sein, die Liebe.
Coline Serreau, geboren 1947 in Paris wurde Ende der 70er Jahre mit der Komödie „Warum nicht?“ bekannt, für die sie das Buch schrieb und Regie führte. Auch „Drei Männer und ein Baby“ war einer der großen Erfolge der Schriftstellerin und Theatermacherin. Mit „Pilgern auf französisch“ ist sie zum Kino zurückgekehrt.


Bunel, Darroussin


Leicht, und feinsinnig wie eine französiche Komödie sein soll, kommt „Pilgern auf Französisch“ daher, doch Caroline Serrau gelingt auch darin das ganz großes Theater.
Traumhaft schön sind die Sequenzen der Träume einer krebskranken Frau inszeniert. Man merkt, dass die 59-jährige Caroline Serrau, die vom Theater kommt, nie aufgehört hat, für das Theater zu arbeiten.
Kurz vor dem Kollaps von Guy, Said, Claude und Clara kommt die Erleuchtung: Der Weg ist das Ziel. Wandern läutert, Egoismus ist scheiße und gemeinsames Leid ist geteiltes Leid. Es menschelt in „Pilgern auf französisch“.
Natürlich vertragen sich die Geschwister zum Schluss – halbwegs und das Geld winkt. Das Friede, Freude, Eierkuchen-Ende ist nicht schlimm. Der Zuschauer und die Zuschauerin bekommen den Bauchmuskelkater vom Lachen nach einem eineinhalbstündigen Fußmarsch im Kinosessel. Und Lachen ist auch Medizin.
20 Jahre nach den Publikumshits DREI MÄNNER UND EIN BABY und WARUM NICHT? kehrt Regisseurin Coline Serreau mit SAINT JACQUES... PILGERN AUF FRANZÖSISCH mit einer herrlich vergnügten Komödie auf die Leinwand zurück.
Und: Irgendwie wäre man auch gerne direkt dabei gewesen.


Hilde Meier - red / 26. September 2007
ID 00000003454
Pilgern auf Französisch
Original: Saint-Jacques ... La mecque

SCHWARZ WEISS Filmverleih

Frankreich 2005, 103 Min. • 35mm

Regie : Coline Serreau

Darsteller: Muriel Robin, Artus De Penguern, Jean-Pierre Darroussin, Pascal Legitimus, Marie Bunel, Marie Kremer, Flore Vannier-Moreau, Aymen Saidi, Nicolas Cazalé

Weitere Infos siehe auch: http://www.schwarzweiss-filmverleih.de





 

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