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Aktuelle Filme

Ein Film von Anthony Payne
"About Schmidt"
Ab 27. Februar 2003 in den Kinos


© www.us.imdb.com

In "About Schmidt" spielt Jack Nicholson einen Mann, der alles verliert, was seinem Leben bislang Halt und Sicherheit gegeben hat. Er ist gezwungen, sich völlig neu zu orientieren. Es ist bezeichnend, dass ein solcher Film gerade in einer so aktuellen politischen Umbruchzeit herauskommt. Warren Schmidt hat jahrzehntelang brav für eine Versicherungsgesellschaft in Omaha gearbeitet, und wird zu Beginn des Films gerade pensioniert. Genauso mittelmäßig und trist wie sein Job ist auch seine Ehe. Er hat immer gut funktioniert, aber im Laufe der Jahrzehnte ist er sich irgendwie selbst abhanden gekommen. Das trifft ihn nun als frisch gebackenen Pensionär besonders hart. Er weiß nichts mit sich anzufangen. Beim Fernsehen lässt er sich von einer Reklamesendung beeindrucken, die für die Annahme von Patenschaften in der Dritten Welt wirbt. Er ruft an und wird Pate des kleinen Jungen Ndugu in Tansania. Die Organisation Childreach ermutigt den Kontakt zwischen Sponsor und Kind. Und da Schmidt immer den Erwartungen anderer an ihn entsprochen hat, schreibt er auch getreulich lange Briefe an den Knirps. Während wir im Off den Text seiner Briefe hören, sehen wir im Bild die Ereignisse und Menschen, über die er berichtet. Da ergeben sich merkwürdige und sehr skurrile Diskrepanzen. Manchmal sind seine Interpretationen wunderbar glatt und geschönt, manchmal von bewundernswerter Einsicht und Offenheit. Diese Briefe geraten für Schmidt zur Lebensbeichte. Dabei sind meist die Dinge, die er auslässt, am ehrlichsten, wenn er zum Beispiel erkennt, dass seine Frau und er sich im Grunde genommen fremd geblieben sind.


© www.us.imdb.com

Der Regisseur und Drehbuchautor Anthony Payne ist einer der wenigen sozialkritischen Filmemacher in den USA. Er nahm schon in den Filmen "Baby Business" und "Election" seine Landsleute sehr treffsicher und ironisch aufs Korn, und zeigt recht bissig, wie schal und hohl die gesellschaftlichen Normen sind. Trotzdem schildert er irgendwie liebevoll Schmidts Eskapaden. Denn der wird völlig aus der Bahn geworfen, als seine Frau nach 42 Ehejahren plötzlich stirbt. Als seine einzige Tochter aber einen Mann heiraten will, den er für einen Versager hält, erwacht er aus seiner Erstarrung und will die Hochzeit mit allen Mitteln verhindern...


© www.us.imdb.com

Jack Nicholson lässt Schmidt immer wieder an seine Grenzen stoßen und exponiert ihn in seiner Ohnmacht und Hilflosigkeit. Er verleiht ihm eine Tiefe und einen Facettenreichtum, die ihresgleichen suchen. So schmerzlich dieser Prozess der allmählichen Selbstfindung für Schmidt auch sein mag, für den Zuschauer ist es recht vergnüglich, da das Menschsein mit all seinen Freuden und Widrigkeiten im Vordergrund steht. Nicholson stehen vorzügliche Kollegen zur Seite. Allen voran die Oscar-Preisträgerin Kathy Bates als die schräge Mutter des Bräutigams und Dermot Mulroney ("Die Hochzeit meines besten Freundes") als der ungeliebte Schwiegersohn. Zum Schluss ist Schmidt ein Mensch, der vor den Trümmern seines Lebens steht, und glaubt, das alles vertan ist. Er fragt sich, ob er irgendetwas von bleibendem Wert zustande gebracht habe, und ob es irgendjemand kümmern würde, ob er lebe oder sterbe.


© www.us.imdb.com

Im folgenden Absatz wird das Ende des Films vorweg genommen. Wer sich die Spannung erhalten will, sollte vorerst nicht weiterlesen. Es handelt sich weitestgehend um außerfilmische Zusatzinformationen. Schmidt kommt von der Hochzeit seiner Tochter nach Hause und findet den ersten Brief von seinem Patenkind aus Tansania vor. Da der 6jährige Ndugu, der im wirklichen Leben Abdala heißt, noch nicht selber schreiben kann, hat seine Betreuerin für ihn geschrieben. Ndugu lebt in einem Waisenhaus und hat niemanden mehr. Da geht es ihm ähnlich wie Schmidt. Doch Ndugu hat ein Bild gemalt, in dem ein Mann einem Kind die Hand reicht. Schmidt ist erschüttert und gerührt. Hat er am Ende doch etwas bewirkt? Hat er mit 22 Dollar im Monat und ein paar Briefen einen Unterschied im Leben eines Menschen machen können?


© www.us.imdb.com

Die Organisation Childreach arbeitet im übrigen nicht ganz so, wie im Film gezeigt. Das Geld der Paten geht nicht an die Familien oder Kinder selbst, sondern fließt in die Projektarbeit ein. Es wird für sauberes Trinkwasser, Gesundheitsstationen, Schulen, sanitäre Einrichtungen und vieles mehr gesorgt. Alle Familien (so es sich nicht um Waisenkinder wie beim Filmkind "Ndugu" handelt) sind aktiv am Aufbau beteiligt. Mit der Aufnahme in ein solches Projekt werden sie angehalten, an Aktionen wie Gesundheitsaufklärung (über HIV, Beschneidung von Mädchen, Malariaprophylaxe) teilzunehmen. Mit eingehenden landwirtschaftlichen Schulungen und Maßnahmen sollen weitere Bodenerosionen und Umweltschäden vermieden und höhere Ernteerträge erzielt werden. Deine kleine Abdala ist mittlerweile 7 Jahre alt und stammt in der Tat aus Tansania, hat aber noch beide Eltern. Die Patenschaft für ihn wurde vom Drehteam übernommen. Weltweit betreut die Organisation 1,3 Millionen Patenkinder in 45 Ländern. In Deutschland heißt sie Plan International Deutschland e. V: und bietet rund 150.000 Patenfamilien Hilfe zur Selbsthilfe an.
Mehr Info unter: www.plan-international.de

Helga Fitzner / März 2003



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