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Filmbesprechung


„Hotel Ruanda“

Regie: Terry George

Starttermin: 07.04.05

Wenn man sich Ruanda auf der Landkarte ansieht, dann ist es nur ein ”Fliegenschiss” auf dem riesigen afrikanischen Kontinent. Es ist gerade mal so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Und doch wird es seit den Ereignissen im April 1994 mit Terror, Massenmord und unaussprechlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Verbindung gebracht. In nur 100 Tagen wurde rund eine Million Menschen umgebracht. Die Hutu töteten nicht nur ihre vermeintlichen Feinde, die Tutsi, sie ermordeten auch gemäßigte Hutu, die sich dem Wahnsinn widersetzen wollten. Gibt es etwas Schlimmeres als das? Ja, eine Weltöffentlichkeit, die tatenlos zuschaut!


Don Cheadle und Sophie Okonedo in \"Hotel Ruanda\"


„Hotel Ruanda“ ist ein Spielfilm, der auf wahren Ereignissen basiert. Paul Rusasabagena (Don Cheadle) ist Hotelmanager in der ruandischen Hauptstadt Kigali. Er hört dem Stamme der Hutu an, seine Frau Tatiana (Sophie Okonedo) ist eine geborene Tutsi. Wie soll er reagieren, als sich 1994 sein Volk, die Hutu, gegen die Tutsi auflehnt? Der historische Paul Rusasabagena beherbergt in seinem Hotel belgische UN-Truppen. Als die Massenvernichtung beginnt, gewährt er Hunderten von Tutsi Asyl in seinem Hotel, unter Einsatz seines eigenen Lebens. Einige seiner Gäste sind Ausländer, viele aber sind Flüchtlinge und campieren auf den Fluren des Hotels. Rusasabagena vertraut auf die Präsenz der UN-Blauhelme. Als die jedoch abziehen, ist er auf sich allein gestellt. Während um das Hotel herum der Massenmord eskaliert, gelingt es ihm als Einzelperson, das Leben von mehreren Hundert Tutsi zu retten. Er schmiert Polizeibeamte mit Alkoholvorräten und Geld. Als er und seine Familie die Möglichkeit haben, sich ins sichere europäische Ausland abzusetzen, setzt Rusasabagena zwar seine Familie in den Bus zum Flughafen, bleibt selbst aber zurück. Die Hutu-Milizen aber schlafen nicht. Sie wissen von dem Bus in die Sicherheit und überfallen ihn auf dem Weg zum Flughafen...


Don Cheadle und Sophie Okonedo in \"Hotel Ruanda\"

Don Cheadle in \"Hotel Ruanda\"
Der ehemalige Hotelmanager Rusasabaqgena sagt, dass 90 Prozent der im Film gezeigten Ereignisse sich so abgespielt haben. Regisseur Terry George verzichtet weitgehend darauf, Gewaltszenen zu inszenieren. Das Entsetzen spiegelt sich vielmehr in den Gesichtern der Schauspielern wider. Kein Wunder, dass die beiden Hauptdarsteller des Ehepaars Rusasabagena, Don Cheadle und Sophie Okonedo, eine Oscar-Nominierung einheimsten. Der Film hat eine Art Happy-End, soweit das angesichts des traurigen Themas möglich ist. Völkermord erklären, vermag er nicht. Im Presseheft wurden aber ein paar Länderinformationen und historische Daten abgedruckt.

1918
Ruanda-Burundi wird Völkerbundsprotektorat, die Regierung wird von Belgien gestellt. Die Mehrheit der Bevölkerung besteht zwar aus Hutu, doch die Minderheit der Tutsi wird vorgezogen und genießt Privilegien, wie eine westliche Schulbildung.

1926
Die Belgier führen ethnische Kennkarten ein, um die Hutu von den Tutsi zu trennen.

1961-1962
Die Belgier ziehen sich zurück. Ruanda und Burundi werden getrennt und unabhängig. Seitdem kommt es immer wieder zu Unruhen, die gegenseitig angezettelt werden.

1990-1991
Beginn organisierter Massaker an den Tutsi

1994
Aufstand der Hutu und Völkermord an den Tutsi

Juli 1994
Die Truppen des Tutsi-Widerstands nehmen die Hauptstadt Kigali ein und beenden den Völkermord.

Ruanda heute

Mit fast 8 Millionen Einwohnern ist Ruanda das am dichtesten besiedelte Land Afrikas.

Die Lebenserwartung beträgt durchschnittlich 39 Jahre.

Mehr als die Hälfte der Ruander sind HIV-infiziert, eine viertel Million lebt mit AIDS.

84 % sind Hutu, 15 % Tutsi sind übrig geblieben.

30 % sind Analphabeten.

60 % leben unter der Armutsgrenze.

Im Jahr 2003 kommt es zu Reformen und Bildungsprogrammen. Die Einstufung nach ethnischer Zugehörigkeit ist seitdem verboten. Die Begriffe Hutu und Tutsi dürfen nicht mehr verwendet werden. Insgesamt 80.000 Menschen waren für den Völkermord maßgeblich verantwortlich. Die Vereinten Nationen ziehen im Internationalen Kriminalitätstribunal hochrangige Hutu-Beamte zur Verantwortung.


Helga Fitzner, 7. April 2005
ID 1811

Weitere Infos siehe auch: http://www.mgm.com/ua/hotelrwanda/main.html






 

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