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Rezension


Filmstart: 19. Januar 2012

„Die Muppets“ (USA 2011)

Regie: James Bobin



Von Menschen und Muppets

Hurra, die chaotisch-anarchistische Spaßtruppe ist auf die Leinwand zurückgekehrt. Das Licht des Bildschirms erblickten die ersten Puppen, sorry, Muppets, schon in den 50-er Jahren und traten als Ensemble zwischen 1976 und 1981 ihren weltweiten Siegeszug mit „Die Muppet Show“ in den Heimkinos an. Es folgten sechs Kinofilme, die aber an den durchschlagenden Erfolg der Fernsehserie nicht so ganz anschließen konnten. Mit diesem siebten Muppet-Film wird das vermutlich anders werden.

Die Muppets sind Kinder ihrer Zeit und beeinflusst durch die Flower-Power-Bewegung der 60-er und 70-er Jahre. So naiv und fröhlich kommen sie immer noch daher, aber eigentlich sind ziemlich subversiv, damals wie auch jetzt noch.

Es fängt ganz harmlos an. In wundervoller Disney-Seligkeit beginnt die Geschichte im pittoresken Örtchen Smalltown, wo zwei Brüder Gary (Jason Segel) und Walter (ein neuer Muppet) leben. Sie sind unzertrennlich und lieben die alten Muppets, die es aber nicht mehr gibt. Besonders Walter träumt davon, nach Los Angeles zu fahren und das Muppet-Studio zu besichtigen. Obwohl angeblich Brüder ist Gary ein erwachsener Mann geworden und mit Mary (Amy Adams) verlobt, während Walter irgendwann nicht mehr gewachsen ist. Er ist nicht nur ein Muppet im Herzen, wie Gary, sondern ein echter Muppet aus Stoff.

Eines Tages fahren Gary, Mary und Walter tatsächlich nach Los Angeles und nehmen an einer Führung durch das marode Studio teil. Durch einen Zufall bekommt Walter mit, dass der böse Ölbaron Tex Richman (Chris Cooper) das Studio kaufen will, damit er es abreißen und dort nach Öl bohren kann. Die drei Provinzler aus Smalltown sind geschockt und wollen das Studio retten. Doch dazu müssen sie 10 Millionen Dollar auftreiben. Das geht nur, wenn sie die alten Muppets zusammentrommeln und innerhalb von zwei Wochen eine Spendengala im Fernsehen machen.


Tex Richman (Chris Cooper) hat Übles im Sinn © The Walt Disney Company Germany



Kermit ist als erster mit im Boot, auch Fozzie-Bär, der gerade in Reno mit einer drittklassigen Show tingelt, wird geholt. Nach und nach gesellen sich alle bekannten Muppets dazu. Auch Tier, der angekettete Schlagzeuger, wird in Schlepptau genommen. Ihn haben sie in einem Reha-Zentrum für Aggressionsbewältigung aufgetrieben, wo sie ihm die Trommelstöcke weggenommen haben. Er darf nur noch Triangel spielen und ist nicht mehr der alte. (Noch nicht.) Miss Piggy arbeitet in Paris, aber auch sie lässt es sich nach einiger Überredung nicht nehmen, das Studio zu retten.

Das Glück ist den fröhlichen Chaoten hold. Sie erhalten kurzfristig eine Fernsehshow, vorausgesetzt, dass sie einen Stargast haben, wie das in den früheren Shows üblich war. In der Not entführen sie kurzerhand den Schauspieler Jack Black (Jack Black). Doch der böse Ölbaron setzt alles daran, den Muppets einen Strich durch die Rechnung zu machen. Mit einer garstigen Variante der Muppets, den nachgeahmten Moopets, will er Konkurrenz machen und setzt auch sonst alles daran, die Show zu verhindern.

Die Idee zu dem Drehbuch hatte Jason Segel, der auch die menschliche Hauptrolle des Gary spielt, und zusammen mit Nicholas Stoller das Skript verfasste. Den Grundgedanken, einen Muppetfilm mit Disney-Zuckerguss zu drehen, hat es schon bei vergangenen Produktionen gegeben. Der mitunter völlig unbegründete Optimismus und der unerschütterliche Glaube an das Gute sind Markenzeichen der Muppets und von Disney. Bei den Muppets besteht das Problem, dass sie damit nicht mehr in diese Welt passen, denn die Zeiten sind nicht so. Die Zeiten waren eigentlich nie so, aber in der Ära der Flower-Power-Bewegung und der Hippies gab es zumindest eine Art Paralleluniversum, wo das seinen Platz hatte. Segel lässt sich daher auch viel Zeit, diese alte Welt wieder erstehen zu lassen.

Einige der Einfälle sind dabei durchaus genial. Einen Ölmulti mitten in Los Angeles nach Öl bohren lassen zu wollen, ist natürlich absurd, aber um zu folgen, muss man diese Absurdität als gegeben hinnehmen. Da wir viele abstruse Machenschaften der Wirtschaftsbosse akzeptieren, ist das gar nicht so weit hergeholt. Da wundert es auch nicht, wenn sich Kermit an den Präsidenten der Vereinigten Staaten wenden will, nämlich an Jimmy Carter (Präsidentschaft von 1977 – 1981). Doch die Muppets finden sich schnell zurecht in der rasanter und härter gewordenen Welt und ziehen ihr Ding durch. Zum Schluss ist auch Platz für abtrünnige Muppets, die dem Ölbaron mal gedient haben, und kommt Tier vielleicht doch noch zu Trommelstöcken?



Tier ist noch völlig benommen ohne seine Trommelstöcke. Halte durch, Tier! © The Walt Disney Company Germany



Als „Die Muppet Show“ 1981 im Fernsehen endete, war das für viele Fans enttäuschend. Die Welt befand sich in einem Wandel. In den USA leitete US-Präsident Ronald Reagan (von 1981 bis 1989) eine Wirtschaftspolitik ein, die zur Bevorzugung der Reichen, der ungesunden Schrumpfung der Mittelschicht und langfristig zu unserer heutigen Finanzkrise führte. In Großbritannien „herrschte“ die Eiserne Lady, Margaret Thatcher (von 1979 bis 1990) und bekämpfte die verarmte Arbeiterschaft. In Deutschland schuf Helmut Kohl (von 1982 bis 1995) „blühende Landschaften“: Für die Wirtschaft. Eine sozial orientierte Marktwirtschaft rückte in immer weitere Ferne. In diesem entmenschlichten Wirtschaftsklima war kein wirklicher Platz mehr für die weltfremden Muppets. Es ist schon ein seltsamer Zufall, dass mit dem Entstehen der globalen Occupy-Bewegung, bei der sich Menschen gegen den Würgegriff der Banken und Industrien zur Wehr setzen, ausgerechnet wieder ein Muppet-Film entsteht, der letztendlich genau das Gleiche beklagt, in dem sich die Muppets mit einem Ölmagnaten anlegen. Dabei geht es immer fröhlich, friedlich und menschlich zu. - Die Muppets sind halt doch die besseren Menschen.


Helga Fitzner - 21. Januar 2012
ID 00000005697

Weitere Infos siehe auch: http://www.disney.de/muppets/


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