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Rezension


Filmstart: 9. Februar 2012

„Hugo Cabret“ (USA 2011)

Regie: Martin Scorsese


Nach dem Stummfilm The Artist kommt fast zeitgleich ein weiterer Film heraus, in dem es um die Anfänge des Kinos geht. Während The Artist sich der Konventionen und Möglichkeiten des Stummfilms bedient, wartet Martin Scorsese in Hugo Cabret mit allem auf, was die 3D-Technik zu bieten hat. Scorsese hat Effekthascherei nicht nötig, aber hier hat er die neueste Technik voll ausgereizt und zur Meisterschaft gebracht. Sie ist dazu da, das Staunen und die Faszination zu evozieren, die das Kinopublikum vor rund 100 Jahren hatte, als das Kino geboren wurde. Hugo Cabret ist eine Hommage an den französischen Filmpionier Georges Méliès (1861 – 1838), der als Erfinder des Erzählkinos gilt. Sein Film Die Reise zum Mond (1902) nach dem Roman von Jules Verne ist sein bekanntester Film und in Hugo Cabret auch zu sehen.

Scorseses Film basiert auf dem wundervoll illustrierten Kinderbuch von Brian Selznick Die Entdeckung des Hugo Cabret (erschienen 2007), spielt im Jahre 1931 in Paris und entführt uns in die Wunderwelt der Technik. Zu der gehörten nicht nur das Kino, wie der gerade entstandene Tonfilm, sondern auch Uhren, mechanisches Spielzeug und bewegliches Gerät aller Art. Hugo Cabret (Asa Butterfield) ist ein 12-jähriger Halbwaise, dessen Vater (Jude Law) in einem Museum arbeitet und ein sehr talentierter Techniker ist. Als sie auf dem Dachboden des Museums eine defekte Figur finden, die mit Füller und Tintenfass an einem Schreibtisch sitzt, hofft Hugos Vater, sie reparieren zu können. Dann kommt es zu einer Katastrophe: Bei einem Brand kommt Hugos Vater ums Leben und Hugo muss zu seinem Onkel Claude (Ray Winstone) ziehen, einem Trinker, dessen Arbeit es ist, im Bahnhof von Montparnasse die Uhren in Gang zu halten. Von ihm lernt Hugo dieses Handwerk und als sein Onkel eines Tages nicht mehr heimkommt, führt er seine Arbeit fort, um nicht ins Waisenhaus zu müssen. Mit kleinen Lebensmitteldiebstählen hält er sich über Wasser, aber Hugo stiehlt auch in einem kleinen Laden für mechanisches Spielzeug Zubehör, denn er will den mechanischen Schreibapparat reparieren, weil er hofft, dass in ihm ein Vermächtnis seines verstorbenen Vaters enthalten ist. Eines Tages erwischt ihn der Ladenbesitzer (Ben Kingsley), ein mürrischer alter Mann, der Hugo ein Büchlein wegnimmt, das Notizen von seinem Vater über die mechanische Figur enthält. Da dieses Buch alles ist, was dem Jungen geblieben ist, lässt er nichts unversucht, es wieder zu bekommen. Dabei hilft ihm Isabelle (Chloé Grace Moretz), die Nichte des Ladenbesitzers. Hugo kann seine Diebstähle wieder gut machen, indem er für den alten Herrn kaputte Spielzeuge repariert.



Hugo (Asa Butterfield) nimmt Isabelle (Chloé Grace Moretz) ins Kino mit © Paramount



Zwischen Isabelle und Hugo entwickelt sich eine Freundschaft. Hugo war früher mit seinem Vater leidenschaftlich gern ins Kino gegangen. Isabelle wurde das Lichtspielhaus von ihrem Onkel strikt verboten. Zusammen erleben die Kinder Isabelles ersten Kinofilm und sind begeistert. Da Hugo ihr vertraut, zeigt er ihr eines Tages den Schreibroboter, den er fast fertig repariert hat. Es fehlt nur noch ein herzförmiger Schlüssel zum Aufziehen. Seltsamerweise trägt Isabelle genau einen solchen Schlüssel als Anhänger. Als der Schreibroboter in Gang kommt, malt er und schreibt einen Namen: Georges Méliès. In der Bibliothek erfahren die Kinder, dass es sich bei Georges Méliès um einen bahnbrechenden Filmemacher aus der Stummfilmzeit handelt, der fantastische Kinomärchen auf die Leinwand zauberte und für seinen Film Die Reise zum Mond die Einzelbilder mit großem Aufwand per Hand kolorieren ließ. Er war eine Kinolegende, geriet aber durch die wachsende Konkurrenz ins Abseits. Eines Tages machen die Kinder in einer geheimvollen Kiste von Isabelles Onkel eine überraschende Entdeckung. Isabelles Onkel ist niemand anders als der besagte Georges Méliès.



Isabelles Onkel Georges (Ben Kingsley) hat das Talent des Jungen Hugo (Asa Butterfield) erkannt © Paramount


Die Geschichte stimmt insofern mit tatsächlichen Begebenheiten überein, weil Méliès nach vielversprechenden Anfängen in Vergessenheit geraten war und am Bahnhof Montparnasse in Paris einen Süßigkeits- und Spielzeugladen betrieb. Ende der 1920-er Jahre begannen Journalisten das Werk Méliès’ aufzuarbeiten und initiierten 1929 eine Werkschau. 1931 erhielt Méliès die größte Auszeichnung, die Frankreich zu vergeben hat: den Orden „Légion d’honneur“. Er war ein Zauberer und Varieté-Künstler, der es als erster schaffte, diese Fantasiewelt auf die Leinwand zu bringen. Mit dem wahnwitzigen Einsatz der 3D-Technik schafft Scorsese es tatsächlich, ähnliche Effekte zu erzielen, die den Zuschauer staunend und fasziniert in ihren Bann ziehen.

Die fulminanten 3D-Effekte sind dabei aber nie Selbstzweck. Sie passen sich in das kleine Universum des Bahnhofs ein, das von einem Polizisten (Sacha Baron Cohen) bevölkert wird, der mit seiner Dogge Jagd auf Übeltäter und stehlende Kinder macht. Dass die Kinder aus Hunger stehlen, interessiert den kriegsversehrten Ordnungshüter nicht. Sein Herz schlägt aber für das Blumenfräulein Liselle (Emily Mortimer), doch die beiden sind genauso schüchtern, wie der Zeitschriftenhändler (Richard Griffiths), dessen Werben um die Cafébesitzerin (Frances de la Tour) von ihrem bissigen Hündchen verhindert wird. Der Bibliothekar (Christopher Lee) ist eher ein ruhender Pol, der in der Welt der Bücher zu Hause, wie der kleine Hugo in der faszinierenden Welt der Technik und erwachenden Zuneigung zu Isabelle.

Mit ihren Verneigungen vor der Ära des Stummfilms haben The Artist und Hugo Cabret zusammen 21 Nominierungen für den Academy Award eingeheimst. Die diesjährige Oscar-Verleihung steht daher jetzt schon im Zeichen des Beginns der Filmgeschichte.


Helga Fitzner - 11. Februar 2012
ID 5757

Weitere Infos siehe auch: http://www.hugocabret.de/


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