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Besprechung


Kinostart: 27. Oktober 2005

Frozen Angels

Dokumentarfilm


Eizellenspenderinnen, Samenbank und Leihmütter - künstliche Kindererzeugung in Kaliforniens Wunschkindfabriken

Amerika. Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In Südkalifornien herrscht besonders „große Freiheit“, dort ist die größte Pornoindustrie und die perfekteste Reproduktionstechnologie zu Hause, Einsatzort der „Frozen Angels“. Zu Forschungszwecken lagern in amerikanischen Tiefkühltruhen eine halbe Million gefrorener Embryonen.

Bei den ersten frostigen Bildern beginnt das Unbehagen, das 90 Minuten lang nicht mehr weichen will. Riesige Windparks, gigantische Hubschrauberplätze, weitläufige Baggerparcours, kalte Lagerhallen in milchiges, sattes Rot getaucht.
Der neue Film von Frauke Sandig und Eric Black beleuchtet exakt den aktuellen Stand der Forschung in Gentechnik und Biotechnologie. Er taxiert den freien Markt der
Wunschkinder-Produktion durch In-Vitro-Befruchtung, Samenspende und Leihmutterschaft. Er dokumentiert deutlich geäußerte Wünsche nach perfekten, maßgeschneiderten Kindern. Alle ProtagonistInnen kommen freiwillig zu Wort und geben unbeschwert ihre ehrliche Meinung preis.


In-Vitro-Befruchtung: Ein Weg zum maßgeschneiderten Wunschkind

„Es ist leichter, in Kalifornien eine Samenbank zu eröffnen, als eine Pizzeria“, meint der Talk-Radio-Moderator Bill Handel und Eigentümer der weltweit größten Leihmütter-Agentur Los Angeles. Er ist einer der Hauptakteure in Frozen Angels. 40 Prozent seiner Kunden kommen aus dem Ausland – "Fortpflanzungs-Tourismus" nennt man das in Los Angeles. Über Online-Samenbanken beschert der US-Imperialismus die Welt mit Samenspenden: Von überall kann man in Amerika Eier und Samen für blonde, blauäugige Kinder bestellen, oder Samen für indisch-, chinesisch- oder afrikanischaussehende, je nach Gusto.
„Lassen Sie uns eine Minute über Samenbanken reden. Was ist das Beste daran, Samen online zu kaufen? Die Bequemlichkeit. Es ist so praktisch. Cappy Rothman, der medizinische Leiter der Cryobank und ein guter Freund von mir, schätzt, dass letztes Jahr 45 Millionen Dollar von Amerikanern via Internet für gefrorenes Sperma ausgegeben wurden... Man kann nach Kriterien wie Haarfarbe, Haarstruktur, Hautfarbe, Rasse, Gewicht und Größe auswählen. Man kann Athleten wählen, für sämtliche Sportarten, bis hin zur Couch-Potato.“, moderiert Bill Halden morgens munter am Radio-Mikro. Über die In-Vitro-Befruchtung spricht er wie über das Zähneputzen. Gerne läßt er in seiner Sendung kritische Menschen zu Wort kommen, wie zum Beispiel die Juristin Lori Andrews, eine weitere Protagonistin des Films.

Frozen Angels läßt alle Alles aussprechen. Der Wissenschaftler Gregory Stock träumt von Gen-Modulen, die sich an- und ausschalten und problemlos zur nächsthöheren Version upgraden lassen. Samenbank-Direktor Cappy Rothman forscht an der Post-Mortem-Samenentnahme und hält den Aufbau eines Sperma-Archivs für US-Truppen im Kriegseinsatz für unverzichtbar.


Cappy Rothman, Samenbank-Direktor

In nicht allzu ferner Zukunft wird es durch künstliche Produktionsformen soweit sein, dass Kinder eine Ware sind, die man reklamieren kann, wenn sie nicht in Ordnung ist.

Frozen Angels ist Dokumentation der Realität, keine Science Fiction-Story. Ob der Kauf von Samen und fremden Eizellen nach Ethnie, Bildung und Schichtzugehörigkeit oder Leihmutterschaft, alles ist möglich. Unverfroren offen, unglaublich naiv und unheimlich freundlich erzählen intelligente Menschen vom Aussehen ihres Wunschkindes und bestellen es dann.
Shelley Smith arbeitet bei Egg Donor Ing., einer erfolgreichen Eizellenspenderinnen-Agentur. Sie kennt die Wünsche ihrer KundInnen genau. Die 27jährige Kari Ciechoski ist eine der begehrtesten Eizellenspenderinnnen der Branche. Sie entspricht hundertprozentig dem amerikanischen College-Girl-Typ, sportlich, sexy, blond, intelligent, gesund. Für ihre Eizellen erhält sie auf dem Markt 80.000 Dollar und kann damit ihre Ausbildung finanzieren. Der "blonde Engel“ fühlt sich gut bei seiner Arbeit. „Ich dachte mir, was kann ich jemandem Besseres geben als ein Kind? Ich glaube nicht, dass ich Gott spiele, wenn ich das für andere tue. Es ist eher, als sei ich so etwas wie ihr Engel, wenn ich ihnen ein Geschenk mache, dass sie sich selbst nicht geben können“.
Amy und Steve Jurewicz, beide erfolgreiche NASA-Wissenschaftler, bezahlen für ihr bestelltes Baby nur 15.000 Dollar an Kim Brewer, denn sie ist brünett und nicht ganz so gutaussehend wie Kari Ciechoski.

begehrte Eizellenspenderin: Kari Ciechoski

Der zweite Film von Frauke Sandig und Eric Black wurde in Sundance uraufgeführt und in Nyon mit dem „Prix de public de la ville de Nyon“ ausgezeichnet. Frozen Angels ist eine Produktion von Umbrella Films in Koproduktion mit ZDF - Das kleine Fernsehspiel und Independent Television Service, in Verbindung mit France 2 und YLE co-productions; die Produktion förderte das Medienboard Berlin-Brandenburg, den Verleih die FFA und das Medienboard Berlin-Brandenburg. Der Film nahm beim DokFilmFest in Leipzig am Wettbewerb teil.

In Frozen Angels plaudern die Wissenschaftler über eingefrorene Eier von Menschen wie über banalen Eiersalat, sprechen Frauen, die sich in durchaus gefährlichen Eingriffen Eizellen entnehmen lassen von ihrer Barmherzigkeit, Samenbank-Unternehmer über florierende Geschäfte und Wissenschaftler mit leuchtenden Augen über Perfektionsarbeit am Kind.
Zum guten Schluß philosophiert Bill Handel, selbst Vater zweier Kinder, über das Kinderkriegen an sich, findet es fast schon ein bisschen lustig und ein wenig pervers, Kinder einfach durch Sex entstehen zu lassen.
Danach fällt einem nichts mehr ein, schlecht bei einem guten Film zu einem Thema, das uns alle brennend interessieren sollte und zu dem es viel zu diskutieren gäbe.


Hilde Meier, 31. Oktober 2005
ID 00000002092
(Frozen Angels) Dokumentarfilm, Deutschland/USA 2005
Buch und Regie: Eric Black, Frauke Sandig
Mit Bill Handel, Lori Andrews, Cappy Rothman, Kari Ciechoski, Kim Brewer, Amy und Steve Jurewicz, Gregory Stock, Shelley Smith, Doron Blake
D/USA 2005, 90 min., 35 mm, Dolby
Im Verleih der Piffl-Medien

Weitere Infos siehe auch: http://frozen-angels-der-film.de






 

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