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Filmbesprechung


„Der ewige Gärtner“

(Großbritannien 2005)
Regie: Fernando Meirelles
Drehbuch: Jeffrey Caine
nach dem gleichnamigen Roman von John Le Carré

List-Verlag, Berlin ISBN 3-548-60586-9

Starttermin: 12. Januar 2006

Zu Risiken und Nebenwirkungen hat die englische Juristin Tessa (Rachel Weisz) einen afrikanischen Arzt befragt: Dr. Arnold Bluhm (Hubert Koundé). Arnold ist seitdem verschwunden, und Tessa wurde tot an einem See geborgen. Beide waren auf einer Landstraße in Kenia unterwegs, um dubiose Machenschaften der Pharmaindustrie in Afrika aufzuspüren.


Tessa (Rachel Weisz) und Justin Quayle (Ralph Fiennes)


Tessas Ehemann, der englische Diplomat Justin Quayle (Ralph Fiennes), hat seiner jungen Frau immer viel Freiraum für ihr soziales Engagement gelassen. Er ist Hobbygärtner und widmet sich mit Hingabe seinen Pflanzen, die ihm eine gewisse Weltflucht erlauben. Nach dem Tod seiner Frau kommen ihm seltsame Gerüchte zu Ohren. Sie hätte ein Verhältnis mit Arnold gehabt. Arnold wird auch als möglicher Mörder seiner Frau gehandelt. Justin muss feststellen, dass er seine Frau zwar sehr geliebt, aber kaum gekannt hat. In Rückblenden erzählt der Film die Liebesgeschichte der beiden, Justins diplomatischen Einsatz in Kenia und Tessas Einmischung in medizinische Angelegenheiten des Landes. Erst im Nachhinein werden Justin einige Zusammenhänge klar, der sich auf Spurensuche macht, um den Tod seiner Frau aufzuklären.


Filmstill


Vieles hat Justin nicht bewusst mitbekommen: Tessa empfindet eine innige Zuneigung zu ihrem Mitstreiter Arnold Bluhm. Der ist homosexuell, was in Kenia strafbar ist und deshalb verschwiegen wird. Er setzt sich sehr für die AIDS-Prävention in Kenia ein. Da Tessa hochschwanger ist, will sie ihren Mann nicht beunruhigen und pflegt mit Arnolds Hilfe heimlichen Kontakt zu unabhängigen Gruppen, die gegen die Praktiken der Pharmakonzerne kämpfen. Sie findet Beweise, dass neu entwickelte Arzneimittel vorzeitig an afrikanischen Patienten getestet werden, um die hohen Entwicklungskosten zu senken. Diese illegalen Menschenversuche kosten vielen nichtsahnenden Probanten das Leben. Justin verfolgt den Weg der abenteuerlichen Recherche seiner Frau, und strandet eines Tages an der selben Landstraße, am selben See, an dem seine Frau den Tod gefunden hat...
Dem britischen Drehbuchautor Jeffrey Caine ist eine der bemerkenswertesten Adaptionen eines Romanstoffes gelungen. Er hat Nebenfiguren und Nebenschauplätze gestrichen und sich weitgehend auf die beiden Protagonisten, die zentrale Handlung und vorzügliche Dialoge beschränkt. Somit ist die detailreiche Vorlage textlich entschlackt, zugunsten einer ziemlich wuchtigen Bilderflut. Die oft schnellen Schnitte, verrissene Handkamera, Unschärfen, Farbfilter ähneln der Montage- und Filmtechnik von Musikclips und werden so häufig eingesetzt, dass beim Betrachter keine Ruhe einkehren kann; passend zur verstörenden Thematik. Das ist fast schade, weil dabei das intensive Spiel der Schauspieler beinahe zu kurz kommt. Ralph Fiennes („Der englische Patient“) haucht dem im Buch etwas leidenschaftslosen Diplomaten Intensität und Leidensfähigkeit ein. Rachel Weisz („Die Mumie“) spielt kraftvoll die junge Aktivistin, die sich idealistisch und kompromisslos für die unwissenden „Versuchskaninchen“ einsetzt. Sie will helfen, wo die Politik versagt, scheitert aber an der Skrupellosigkeit der Industrie und der Korruption der Politiker. Eine dritte „Hauptfigur“ ist das Land Kenia selbst. Nach einigen Schwierigkeiten erhielt die Crew dort die Dreherlaubnis. Die Filmemacher werfen einen ungeschönten, aber liebevollen Blick auf das Land und seine Menschen.
Regisseur Fernando Meirelles stammt aus Brasilien und heimste mit „City of God“ 2002 eine Oscar-Nominierung ein. Seinem Heimatland Brasilien ist vor Jahren ein ziemlich großer Erfolg gelungen. Sie haben die Pharmaindustrie so lange bekniet, bis die auf ihren Patentschutz verzichteten und erlaubten, dass Generika, Nachahmerpräparate mit identischen Wirkstoffen, auf den Markt kommen durften. Dies ist eine von mehreren Möglichkeiten, die ansteckenden Krankheiten in der sogenannten „Dritten Welt“ einzudämmen. Als Meirelles Kenia verlässt, fragt er sich: „Wie sieht es mit der Zukunft aus? Wenn ich daran denke, dass jeder sechste Kenianer HIV-positiv ist und nicht nur AIDS, sondern auch an Hepatitis, Tuberkulose und alle möglichen anderen Krankheiten Afrika in die Knie zwingen, dann hat man einfach nur Angst. Es ist schwer, Hoffnung für die Zukunft zu haben. Und doch dürfen wir sie niemals aufgeben“.

John Le Carré, der Autor der Romanvorlage, schreibt in seinen Nachbemerkungen: „Aber eins kann ich mit Bestimmtheit sagen. Je tiefer ich in den pharmazeutischen Dschungel eindrang, desto klarer wurde mir, dass mein Roman, verglichen mit der Wirklichkeit, ungefähr so harmlos ist, wie eine Urlaubspostkarte.“ Er lobt aber die Kampagnen von BUKO. Diese ist eine „finanziell unabhängige, personell unterbesetzte Vereinigung vernünftiger, hoch qualifizierter Menschen, deren Ziel es ist, die Missetaten der pharmazeutischen Industrie, insbesondere deren Geschäfte mit der Dritten Welt, ans Licht zu zerren.“
www.bukopharma.de


Helga Fitzner - red. / 9. Januar 2006
ID 00000002197
„Der ewige Gärtner“
(Großbritannien 2005)
Regie: Fernando Meirelles
Drehbuch: Jeffrey Caine
nach dem gleichnamigen Roman von John Le Carré
List-Verlag, Berlin ISBN 3-548-60586-9

Starttermin: 12. Januar 2006

Weitere Infos siehe auch: http://www.theconstantgardener.com






 

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