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Besprechung


Ein Film von Malte Ludin

"2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß"

DVD-Besprechung

ARTE EDITION bei absolut MEDIEN

DVD-Cover

Die Akten sprechen gegen Hanns Ludin, den zum Tode verurteilten Nationalsozialisten. Doch seine Familie verschließt die Augen vor der schlimmen Wahrheit. Mit den Worten der Schwester Barbel: „Ich sehe meinen Vater, wie ich ihn sehen will“ eröffnet Malte Ludin seinen Film „2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß“. Ein durchaus mutiger Einstieg, der aber auch als Frage verstanden werden kann. Wird das Aufzeigen der Tatsachen an der Meinung der Schwester und dem Rest der Familie wirklich rütteln können?

Malte Ludin erzählt in kurzen Sequenzen die Biografie seines Vaters. Kernstück der Dokumentation sind jedoch nicht die biografischen Elemente, sondern die Interviews, die der Regisseur mit seiner Mutter, seinen Schwestern, nahen Verwandten und auch mit den Opfern seines Vaters führt. Der Regisseur selbst hielt seinen Vater in der Nachkriegszeit für einen Helden und Märtyrer. Erst der Schriftsteller Christian Geissler gab ihm Mitte der 70er Jahre den Anstoß, einen Film über Hanns Ludin zu drehen. Seitdem setzte sich der Politologe intensiv mit der nationalsozialistischen Vergangenheit seines Vaters auseinander, bat seine Familie, den geplanten Film mit Interviews zu unterstützen. Viele Jahre später konnte mit der Produktion begonnen werden.

Nach dem Abitur trat Hanns Ludin in die Reichswehr ein. Schon früh nahm er Kontakt zu Adolf Hitler auf und wurde SA-Mitglied. 1941 ernannte Hitler ihn zum Gesandten und Bevollmächtigten Minister des Großdeutschen Reiches in der Slowakei. Nach Kriegsende wurde er 1947 als Mitverantwortlicher für die Deportation von Juden zum Tode verurteilt.

Aus den Akten geht deutlich hervor, dass Hanns Ludin um das schreckliche Schicksal der Juden wusste und nach einer totalen Lösung der Judenfrage strebte. Dennoch wollen sich weder seiner Frau noch seine Kinder der Wahrheit stellen. „Kinder finden ihre Eltern immer schön“, konstatiert eine Schwester des Regisseurs. Zudem gehen die Geschwister trotz der schweren Beweislast davon aus, dass ihr Vater nichts von den Gräueltaten der Nazis wusste. Als Täterkinder wollen sich die Schwestern nicht bezeichnen, sondern ebenfalls als Opferkinder. Wer in der Zeit lebte, hatte eben nicht anders handeln können und fiel dadurch dem Regime zum Opfer. Außerdem passierten im Krieg nun mal schlimme Dinge.

Eine Diskussion, wie sie in „2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß“ gezeigt wird, dürfte in vielen deutschen Familien stattgefunden haben oder immer noch stattfinden. Die Familien halten in der Regel zu den Personen, die im Zweiten Weltkrieg Schuld auf sich geladen haben. Dabei wird versucht, das Verhalten dadurch zu entschuldigen, wenn nicht gar zu rechtfertigen, dass es ja schließlich keinen anderen Ausweg gegeben hätte. Die Vergangenheit der Deutschen wird noch immer beschönigt und verharmlost. In mutigen Interviews arbeitet Malte Ludin diesen Aspekt stark heraus. Interessant ist, dass er sich für Interviews nicht hinter die Kamera setzt, sondern als Gesprächspartner im Bild zu sehen ist. Dadurch wirkt er nicht wie die moralische Instanz, die die Haltung der Familie verurteilt, sondern wie der kleine, fragende Bruder, der nach der Wahrheit sucht.


Informationen zum Film:
Ein Film von Malte Ludin
Die Gegenwart der Vergangenheit in einer deutschen Familie
2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß
ISBN: 978-3-89848-831-0 Best. Nr.: 831 Preis: € 17,90

Prädikat: besonders wertvoll

DVD-Ausstattung:
DVD 5 PAL - codefree / Bild: 16:9
Ton: Dolby Digital / Sprachen: Deutsche O-Fassung, französische Fassung, englische Untertitel
Extras: Trailer, Fotogalerie, historische Tondokumente, Interviews mit Regisseur Malte Ludin, Tuvia Rübner, Dan Bar On, den Kameramännern Franz Lustig und Martin Gressmann, Hörbeispiele: Musik von Werner Pirchner.
Mit Booklet.


Wencke Nottmeyer - red. / 16. April 2007
ID 00000003135

Weitere Infos siehe auch: http://www.2oder3dinge.de/





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