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Dokumentarfilm


Auf der Berlinale sind aufwühlende Innenansichten der Arabischen Massenproteste zu sehen



The Reluctant Revolutionary; Panorama; GBR 2011; REGIE: Sean McAllister - (c) Berlinale


Revolution hautnah

„Wir können die Herkunft dieser Aufnahmen leider nicht überprüfen“ – so wurden und werden Bilder von dem Massenprotesten in arabischen Ländern oft in Fernsehnachrichten kommentiert. Denn oft sind Korrespondenten und Moderatoren auf unprofessionelles Material zur Illustrierung der Situation angewiesen, weil den Profireportern der Zugang zum Geschehen von den Behörden dieser Länder verweigert wird. Auf den Filmfestspielen Berlin sind mehrere Dokumentarfilme zu sehen, die authentische Innenansichten der arabischen Revolutionen zeigen – auch aus dem Golfstaat Jemen, der in der westlichen Berichterstattung eine vergleichsweise kleine Rolle gespielt hat.

Die britische Dokumentation The Reluctant Revolutionary (Der widerspenstige Revolutionär), die in der Sektion „Panorama“ läuft, ist unter ebenso kuriosen wie gefährlichen Umständen in der jeminitischen Hauptstadt Sanaa entstanden, kurz bevor es zu den ersten Demonstrationen gegen die 32-jährige Herrschaft von Präsident Saleh und seiner korrupten Clique kam. Der BBC-Reporter Sean McAllister erlebte die Massenproteste bei einem eigentlich aus harmloseren Gründen geplanten Besuch in Sanaa. Zusammen mit seinem Übersetzer, dem Reiseveranstalter Kais, erlebte McAllister wie die Euphorie der Proteste in Tunesien, Ägypten und Libyen auf die jemenitischen Demonstranten übersprang, die sich vor einem Jahr zu Tausenden im Zentrum Sanaas versammelten. Da McAllister offiziell nicht als Korrespondent eingereist war, wurde er im Verlauf der sich zuspitzenden Revolution nicht einfach des Landes verwiesen werden und konnte eindringliche, in dieser Schonungslosigkeit nie gesehene Bilder von den Aufständen und den gewalttätigen Exzessen durch Polizei, Geheimdienst und Armee im Jemen drehen. McAllister zeigt die Entwicklung der Ereignisse vermittels der Person seines Gastgeber Kais, der durch die Streiks und Proteste die wirtschaftliche Existenz seiner Familie bedroht sah und ihnen daher zunächst ablehnend gegenüberstand. Doch zu sehen ist, wie Kais im Verlauf der Ereignisse vom Enthusiasmus der friedlichen Protestierer zunehmend infiziert wurde, bis er selbst auch den nötigen Mut fasste und sich stolz den Protestierern anschloss.

Anders als bei professionellen TV-Reportagen ist der Zuschauer in diesem Film nicht auf Distanz, sondern Teil einer Schicksalsgemeinschaft von Filmemacher und Protagonist und erlebt die Fragilität des historischen Moments mit authentischer Rohheit aus der Perspektive unmittelbar Betroffener. Negativer ‚Höhepunkt‘ des Films sind Bilder, die McAllister unmittelbar vor, während und nach einer Offensive jemenitischer Polizei und Staatssicherheit gegen die Demonstranten aufgenommen hat: Die vielen verschleierten Frauen versuchen, sich in Sicherheit zu bringen, Menschen rennen in Häuser, während Schüsse und Granateinschläge zu hören sind. Mit Knüppeln bewehrte Männer machen Jagd auf Demonstranten. Kurz danach ist zu sehen, wie blutende Jugendliche und Männer, die von offenbar gezielt auf sie abgegebenen Schüssen schwerverletzt sind, in eine Moschee getragen werden, die von Ärzten notdürftig in ein Lazarett umgewandelt wurde. McAllister hat sogar einige Bilder von Sterbenden, die noch mit letzter Kraft das Victory-Zeichen mit ihren Fingern formen, im fertigen Film belassen, um die brutale Hemmungslosigkeit der Sicherheitskräfte des Tyrannen Saleh deutlich zu machen. Eine grenzwertige, aber in diesem Falle wohl richtige Entscheidung.




The Reluctant Revolutionary; Panorama; GBR 2011; REGIE: Sean McAllister - (c) Berlinale


Max-Peter Heyne - 15. Februar 2012
ID 5768

Weitere Infos siehe auch: http://www.berlinale.de


Post an Max-Peter Heyne



 

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