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Berlinale


Berlinale – Ein Blick in die Runde



Le sommeil d or (Golden Slumbers); Forum; FRA/KHM 2011; REGIE: Davy Chou - Foto (C) Berlinale




Da der Wettbewerb nach einem schwachen Auftakt sogar immer schlechter wird, werden die Nebensektionen aufgewertet – obwohl auch dort Herausragendes eher die Ausnahme ist.


[DOK: Dokumentarfilm - Sektion FORUM / FORUM EXPANDED]:


Al Juma Al Akheira (The Last Friday)
FORUM, Regie: Yahya Alabdallah, Jordanien/Vereinigte Arabische Emirate, 88 min.
Mit: Ali Suliman, Fadi Arida, Yasmine Elmasri.
Ein Taxifahrer in der jordanischen Hauptstadt Amman erkrankt und sorgt sich um seinen heranwachsenden Sohn. Arabisch-untypisch unterkühltes, gedehntes, nahezu dialogfreies Drama, das mit seiner prätentiösen Art, Unwesentliches zu betonen und Wesentliches nur anzudeuten, das kopflastige, reinrassig-europäische Autorenkino nachahmt. Der zweifelhafte Erfolg: Imitation gelungen, Patient tot. (MPH)

Fazit: Nicht empfehlenswert!


All Divided Selves DOK
FORUM EXPANDED, Regie: Luke Fowler, Großbritannien, 93 min.
Vom Regisseur mit eigenen Filmaufnahmen angestrengt bebilderte Collage mit hochinteressantem Archivmaterial über den legendären schottischen Psychiater R.D. Laing. In seinem inzwischen zum Klassiker gewordenen Text „Phänomenologie der Erfahrung“ (1967) argumentierte Laing, dass Normalität bedeute, sich an die Mystifizierungen einer entfremdenden und entpersonalisierenden Welt anzupassen. Trotz der verkünstlerischten Gesamtkonzeption aufschlussreich für jene Zuschauer, die mehr über die Person Laing und seine Zeit erfahren wollen. (GL)

Fazit: Bedingt empfehlenswert!


Avalon
FORUM, Regie: Axel Petersén, Schweden, 79 min.
Mit Johannes Brost, Peter Carlberg, Léonore Ekstrand.
Einige Alt-68er und Bohemiens versuchen, durch die Etablierung eines Discoclubs in der schwedischen Provinz ihren Alterungsprozess noch einmal zu entschleunigen und an die guten alten Zeiten (der siebziger Jahre) anzuknüpfen. Bisweilen verkrampft um Skurrilität bemüht, stellt der im elegisch-ruhigen Rhythmus erzählte Film eines unmissverständlich klar: Die Generation, die mit Bryan Ferry und „Roxy Music“ aufgewachsen ist, hat der von House- und Techno-Musik geprägten Jugend etwas voraus… (MPH)

Fazit: Bedingt empfehlenswert!


Bagrut Lochamim (Soldier/Citizen) DOK
FORUM, Regie: Silvina Landsmann, Israel, 68 min.
Beobachtungen während eines dreiwöchigen Kursus in Staatsbürgerkunde für Soldaten der israelischen Armee. Schnörkellos und ohne Kommentar werden die zum Teil hitzigen Debatten der Schüler mit ihrem liberalen Lehrer über Menschanrechte, das komplexe Selbstverständnis des jüdischen Staates und politische Konflikte dokumentiert. Die Offenheit, mit der die Militärangehörigen auch krudeste Auffassungen diskutierten, verweist auf den hohen Wert zivilgesellschaftlicher Regelungen, die außerhalb der Kaserne liegen. (MPH)

Fazit: Empfehlenswert!


La Demora (The Wait)
FORUM, Regie: Rodrigo Plá, Uruguay/Mexiko, 80 min.
Mit Carlos Vallarino, Roxana Blanco.
Eine alleinerziehende, berufstätige Mutter von drei Kindern muss sich in den beengten Wohnverhältnissen auch noch um ihren hilfsbedürftigen Vater kümmern, dessen geistige Kräfte nachlassen. Um ihrer Dauer-Überforderung zu wenigstens zeitweise zu entkommen, setzt die Verzweifelte eines Tages ihren Vater in einem Wohnviertel aus – was ihre psychologische Not natürlich nur noch vergrößert. Der Film vermeidet die üblichen Klischees eines Sozialdramas und bemüht weder laute Töne noch aufdringliche Bilder, um das Bedrängnis seiner Protagonistin aufzuzeigen. Stattdessen lässt die ruhig und nüchtern erzählte Geschichte, die von zwei herausragenden Hauptdarstellern getragen wird, dem Zuschauer Freiräume, um über Begriffe wie Würde, Hilfsbereitschaft und individuelle Verantwortung in einer alternden, ökonomisch instabilen Gesellschaft nachzudenken. (MPH)

Fazit: Sehr empfehlenswert!


Espoir voyage DOK
FORUM, Regie: Michel K. Zongo, Frankreich/Burkino Faso, 81 min.
Auf den Spuren seines verschollenen Bruders begibt sich der burkinische Filmemacher Michel Zongo an die Elfenbeinküste. In das reichere Nachbarland war Joanny wie so viele andere Landsleute vor Jahren aufgebrochen, aber nie zurückgekehrt. Sehr langsam erzählte Suche, die vor allem für diejenigen von Interesse ist, die den afrikanischen Alltag nicht kennen. (GL)

Fazit: Bedingt empfehlenswert!


Formentera
FORUM, Regie: Ann-Kristin Reyels, Deutschland 2012, 93 min.
Mit Sabine Timoteo, Thure Lindhardt.
Nach Reyels großartigem Debüt nun das: Die wenig erregende Suche nach Gemeinsamkeiten eines Mittelschicht-Ehepaares im Urlaub. Warum nicht auch mal bezahlten Urlaub auf den Balearen machen? Ein paar Dialoge und Förderungsanträge schreiben – und schon geht’s los! Ist ja unwichtig, was dabei raus kommt, wie dies Beispiel lehrt... (MPH)

Fazit: Nicht empfehlenswert!


Francine
FORUM, Regie: Brian M. Cassidy, Melanie Shatzky, USA/Kanada, 74 min.
Mit Melissa Leo, Victoria Charkut.
Eine aus der Haft entlassene Mitvierzigerin findet auf dem Land zwar neue Jobs und Kontakte, aber aufgrund ihrer labilen Psyche nicht zurück zu einem geregelten Alltagsleben. Eine in ihrem Pessimismus leider zu vorhersehbare Studie über die Folgen, wenn ein Mensch seine Selbstdisziplin und Kommunikationsfähigkeit verlernt. Da das Drehbuch auf Erklärungen und Psychologie verzichtet, kann es auch nur wenig Verständnis für seine Protagonistin wecken. (MPH)

Fazit: Nicht empfehlenswert!


Kid-Thing
FORUM, Regie: David Zellner, USA, 83 min.
Mit Sydney Aguirre, Nathan Zellner, David Zellner.
Annie ist ein garstiges Kind, das bei ihrem versoffenen Vater auf einer Ranch aufwächst. Beim Herumstreunen in den Wäldern der Umgebung hört sie die Stimme einer Frau aus einem Erdloch – was für die Heranwachsende lediglich eine von vielen anderen Merkwürdigkeiten der Erwachsenenwelt ist. Als ca. 20-minütiger Kurzfilm wäre dieser Film kraftvoller gewesen, denn die Gebrüder Zellner haben als Filmemacher wenig Interesse an äußerer Handlung. Stattdessen liegt ihnen daran, die Parallelen zwischen dem Charakterbild des Kindes und der Mentalität in der nordamerikanischen Provinz herauszuarbeiten: eine kuriose, beunruhigende Mischung aus Naivität, Selbstbezogenheit und sadistischen Impulsen. (MPH)

Fazit: Bedingt empfehlenswert!


Die Lage DOK
FORUM, Regie: Thomas Heise, Deutschland 2012, 75 min.
Mühsame und wenig ergiebige Bilder von der Vorbereitung und Durchführung des Papstbesuchs 2011 im thüringischen Erfurt. Heise findet seinen thematischen Standpunkt weder am Rande noch im Trubel, sein Material bietet das zu diesem Großereignis Erwartbare, schlimmer noch: nichts Erhellendes. Heises bislang schwächster Film.

Fazit: Nicht empfehlenswert!


Ornette: Made in America DOK
FORUM, Regie: Shirley Clarke, USA 1985, 77 min.
In ihrem letzten Film porträtiert Shirley Clarke den legendären Jazz-Saxophonisten Ornette Coleman anhand von Aufführungen u.a. des Stücks „Skies of America“ an unterschiedlichen Orten der Welt. Shirley Clarke spielte eine bedeutende Rolle innerhalb der New Yorker
Community unabhängiger Filmemacher der 1950er und 60er Jahre. Sehenswertes, psychodelisch angehauchtes Porträt über einen genialen Jazz-Komponisten im Stil der Zeit. (GL)

Fazit: Empfehlenswert!


Parabeton – Pier Luigi Nervi und römischer Beton DOK
FORUM, Regie: Heinz Emigholz, Deutschland 2012, 100 min, ohne Sprache
Zum Abschluss seiner Filmserie „Architektur als Autobiografie“ filmt Heinz Emigholz in Paris und Italien Gebäude des römischen Architekten Pier Luigi Nervi, die in den sechziger Jahren entstanden sind, sowie dessen antike Vorbilder, und stellt dabei einen abstrakten visuellen Katalog zusammen. Erneut eine Abfolge statischer, unkommentierter Kameraeinstellungen, die suggestive Kraft gewinnen, wenn sich auch der für Architektur nicht interessierende Zuschauer darauf einlässt. (GL)

Fazit: Empfehlenswert!


Le sommeil d'or (Golden Slumbers) DOK
FORUM, Regie: Davy Chou, Frankreich/Kambodscha, 96 min.
Das kambodschanische Regime der Roten Khmer duldete während ihrer blutrünstigen Herrschaft (1974-78) als Symbole einer vermeintlich bürgerlichen Dekadenz weder Kinos noch sonstige Vergnügungsstätten. Regisseur Chou fügt Bilder von den wenigen, heute verfallenen oder fremdgenutzten Kinopalästen sowie Erinnerungen der wenigen Überlebenden unter den Filmemachern, Schauspielern und Kinobesuchern meisterhaft zu einer aufschlussreichen Reminiszenz an das nahezu komplett vernichtete kinematografische Erbe seines Heimatlandes zusammen. Dabei gelingt ihm eine Reflexion über die allgemeine Faszination der Menschen für den Sehnsuchtsort Kino, ohne dass er deshalb viel Sentimentalität bemühen müsste. (MPH)

Fazit: Sehr empfehlenswert!


Tepenin Ardı (Beyond the Hill)
FORUM, Regie: Emin Alper, Türkei/Griechenland 2012, 94 mim.
Mit Tamer Levent, Reha Özcan, Mehmet Özgür.
Ein Familientreffen im Dorf des Großvaters steht im Schatten eines eskalierenden (Generationen-)Konflikts der Bewohner über Grund und Boden. Archaisch anmutendes Drama voll untergründiger Spannung inmitten einer in ihrer spröden Schönheit gut fotografierten Landschaftskulisse. (MPH)

Fazit: Bedingt empfehlenswert!


Zavtra (Tomorrow) DOK
FORUM, Regie: Andrey Gryazev, Russland 2012, 90 min.
Der Regisseur begleitet eine Gruppe nicht mehr ganz junger Politaktivisten bei ihren nächtlichen Aktionen und Protesten in Moskau, die über primitive Sachbeschädigungen und folgenlose Streiche meist nicht hinausgehen. Zwar sind am Ende des Films auch Szenen zu sehen, die keinen Zweifel an der brutalen Willkür der russischen Polizei lassen. Doch sehr viel ausführlicher zeigt der Regisseur zuvor die ebenso mühsamen wie unergiebigen Versuche einer versprengten Gruppe von Oppositionellen, an den bestehenden politischen Defiziten Russlands etwas zu ändern. Wie hier eine intellektuell schwächelnde, geschwätzige und insgesamt hilf- und planlos wirkende Gruppe vorgeführt wird, kommt einer Diffamierung der russischen Oppositionsbewegung gleich. (MPH)

Fazit: Nicht empfehlenswert!



Max-Peter Heyne (MPH) / Gabriele Leidloff (GL) - 16. Februar 2012
ID 00000005771

Weitere Infos siehe auch: http://www.berlinale.de





 

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