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Besprechung


ein Film von Stefan Schwietert

Accordion Tribe

Schweiz/Österreich 2004 - 35mm - 87 Min. - Farbe

Kinostart: 14. April 2005

Schifferklavier auf Reise

Fünf exzellente und exzentrische MusikerInnen aus vier europäischen Ländern plus einem Amerikaner verschreiben sich mit Leib und Seele dem Akkordeon. Sie spielen Bach und Beethoven auf dem Schifferklavier und touren mit unglaublichem Erfolg durch ganz Europa. Sie nennen sich Accordion Tribe.

Accordion Tribe, music travels, heißt auch das extravagante Feature des 44-jährigen Schweizer Dokumentarfilmers Stefan Schwietert, dessen Grundlage ein Kindheitstrauma ist. Er konnte Akkordeon und Volksmusik nie leiden. Darüber hat er jetzt, im Schlepptau den begnadeten Kameramann Wolfgang Lehner, einen Film gedreht: Ein beeindruckendes Porträt über fünf Menschen, fünf MusikerInnen und die Landstriche, aus denen sie stammen.

Accordion Tribe enstand, weil der Amerikaner Guy Klucevsek sich mit anderen treffen wollte, die auch Akkordeon spielen. Er versammelte die bekanntesten AkkordeonistInnen Europas, den Schweden Lars Hollmer, die Finnin Maria Kalaniem, den Slowenen Bratko Bibic und den blinden Otto Lechner aus Österrreich. Sie alle hatten sich bereits mit Eigenkompositionen, Platten-und CD-Editionen als Akkordeon-MusikerInnen einen Namen gemacht. 1996 ging die Truppe das erste Mal auf Tournee. Stefan Schwietert hat sie begleitet.
Vor der Kamera geben sie bereitwillig Auskunft über ihr Musikverständnis, über ihre Vorlieben und liebenswerten Besonderheiten.

In dem blinden Österreicher Otto Lechner findet Stefan Schwietert den idealen Kommunikationspartner. Verschmitzt erzählt er, ohne Scheu, und nimmt durch seine Offenheit die Herzen der Zuschauer im Fluge ein. Wenn er von seinem Instrument spricht, wie von einer Geliebten. Wenn er über den Klang der Zungen philosophiert. Wenn er freimütig über seinen Liebeskummer, Pannen auf Reisen durch seine Blindheit redet oder wenn er Gruppengeheimnissse auspackt. Wie über die Zeit nach dem Soundcheck bis zum Auftritt: „Wir sitzen dann zusammen in dem Raum. Bratko probt, er spielt immer das selbe Stück. Ich trink ein Bier, Braktko übt und übt. Ich trink noch ein Bier, besser kann man das Stück nicht mehr spielen, Bratko probt, ich trink‘ dann noch ein Bier....“
Aber auch zusehen kann man ihm gut. Seinen schlanken Händen und langen Fingern, die die Tasten zärtlich berühren, oder, wenn er heftig lachen muß, die Hand vor den Mund hält wie ein japanisches Mädchen.

Die Quetschkommode, das Schifferklavier, das Akkordeon. Dieses Instrument steht für traditionelle Volksmusik und ist auch ein Instrument der Reise. (Siehe auch Annie Proulx, Das grüne Akkordeon“).

Überall sind Melodien unterwegs, sagt der Schwede Lars Hollmer und erzählt gleich darauf seine Lieblingsstory vom gesunkenen Kulturgut. Ein Bauer fährt an einem Schloß vorbei, hört Musik, z.B. Beethoven und denkt bei sich, dass ist aber eine schöne Melodie. Er merkt sie sich so gut er kann, nimmt zu Hause die Fidel von der Wand, versucht sich zu erinnern, spielt es irgendwie nach. Das Gehörte wird in das Hausmusik-Repertoire integriert, so entsteht Volksmusik, und wird als solche an die Kinder weitergegeben. Aber eigentlich ist es gesunkenes Kulturgut.

Accordion Tribe ist ein ein Verein von Antipoden. Eigenwilligkeit, Persönlichkeit und Emotionalität schweißen die Band zusammen wie ein Bündel Energie. Spaß an der Musik, Ausdruck von Lebensenergie und sehr viel Melancholie fließt in die sentimentale, gefühlvolle, rührseelige, einschmeichelnde, melancholische, krasse, heitere, deprimierende, rührige, nervige, traurige, laute und leise Musik auf dem Akkordeon ein, einzeln und als Orchester gepielt.

Der Film dauert 87 Minuten, doch zuschauen und zuhören könnte man stundenlang. Man muß sich nur überwinden und hingehen. Die Begeisterung kommt von selbst.


Hilde Meier, 21. April 2005
ID 1859
REGIE: Stefan Schwietert

PRODUKTION: Cornelia Seitler, Brigitte Hofer

CAST: Guy Klucevsek, Lars Hollmer, Maria Kalaniemi, Bratko Bibic, Otto Lechner

DREHBUCH: Stefan Schwietert

KAMERA: Wolfgang Lehner

SCHNITT: Stephan Krumbiegel

TON: Dieter Meyer
Stefan Schwietert

Weitere Infos siehe auch: http://www.hoedown.com






 

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