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Film-Feuilleton

Ulrich Wildgruber-Preis 2001 an August Diehl

Die Nachricht vom plötzlichen Tod des Ausnahme-Schauspielers Ulrich Wildgruber löste im Jahre 1999 große Betroffenheit aus. In einer Vielzahl von Nachrufen würdigten Schauspielerkollegen und Kritiker die Leistungen eines eigenwilligen Theater-Urgesteins.
In der Januar-Ausgabe 2000 von "Theater heute" machte Konstantin Stanislawski auf die Situation aufmerksam, wonach die Söhne vor den Vätern sterben.
Gemeint war die "Zadek-Familie", die den schmerzlichen Verlust des freiheitsliebenden Sprosses zu beklagen hat und nun ohne Nachfolger bleiben würde.
Foto: v. - red

Um bei diesem Bild der Zadek-Famlie und Ulrich Wildgruber als deren Sohn bleiben zu dürfen: Die Klage hinsichtlich des verloren geglaubten Nachfolgers war verfrüht, denn Peter Zadek entdeckte den jungen August Diehl für seine Deutschsprachige Erstaufführung von Sarah Kanes "Gesäubert" in den Hamburger Kammerspielen (Premiere: 12.12.1998).
Im Mittelpunkt des Stücks stehen - wie eigentlich immer in Kanes Dramen - gequälte Kreaturen, die bereits auf Erden die Hölle erleben. Neben so brillant agierenden Akteuren wie Susanne Lothar und Ulrich Mühe spielte Diehl mit einer beklemmenden Intensität eines der Opfer, die längst schon in Abhängigkeit und willenloser Erniedrigung ausgeliefert waren.
Somit fand der Patron des Zadek-Clans einen "Enkel" und wurde Dank dessen eindrucksvoller schauspielerischer Leistung von der Fachwelt in seiner Wahl bestätigt:
Die Inszenierung wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen und August Diehl wurde 1999 in der von "Theater heute" durchgeführten Experten-Umfrage souverän zum Nachwuchsschauspieler des Jahres gekürt. Es war nur eine Auszeichnung in einer Serie von Preisen.
Für seine erste Filmrolle in Hans-Christian Schmids "23"" erhielt er unter anderem den Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller.
Unter Hinweis auf die große Freiheitsliebe, als einen wesentlichen Charakterzug des kompromisslosen Wildgruber, machte Schmid in seiner Laudatio zum Ulrich Wildgruber-Preis auf die "Verwandtschaftsähnlichkeiten" zu August Diehl aufmerksam.
Da der Filmregisseur sehr sympathisch von den Nöten des Castings zu "23" erzählte und zugleich in persönlichen Erinnerungen die Annäherung und Wertschätzung zu seinem Hauptdarsteller offen legte, bekam das Publikum während der Preisverleihung Einblick in
eine sonst für Außenstehende streng verschlossene persönliche Seite des 25jährigen Bühnen- und Filmstars.
Eine Jury aus namhaften Regisseuren, Journalisten und Caster wählte einstimmig(!) August Diehl zum Preisträger 2001.
Der "Enkel" nahm den mit 15000,- DM dotierten Preis am 18.11.2001, dem Geburtstag Wildgrubers, aus den Händen des Jury-Sprechers Ulrich Waller entgegen, um danach eilig wieder zum Burgtheater zu fliegen, da er dort den Roberto Zucco in der Inszenierung von Klaus-Michael Grüber spielt.
Er wird sich wohl damit abfinden müssen, dass er stets den Verlierer spielt. Denn ein solch leidenschaftlich starker Darsteller vermag die Zerbrechlichkeit der Figuren auf wundersame Weise auszuloten. Aus diesem Grund wird er noch oft auf Leinwand und Bühne mit verschiedenen Namen und tonlosem Schrei leiden, zusammenbrechen und sterben müssen, um anschließend bei der demnächst anstehenden Preisverleihung im Mittelpunkt zu stehen.

v.-red. / 29. Nobember 2001


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