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Filmbesprechung


Starttermin: 1 Juni 2006

Flug 93 (United 93)

(USA 2006)
Regie: Paul Greengrass

Doku-Drama nach wahren Ereignissen

Am 11. September 2001 starten insgesamt vier Flugzeuge von amerikanischen Flughäfen aus, die ihr ursprüngliches Ziel nie erreichen werden. Zwei von ihnen steuern direkt auf die Türme des World Trade Centers in New York City zu, ein anderes verursacht einen Crash mitten ins Pentagon, dem Militärzentrum der USA. Ein Flug jedoch, United Airlines 93, erreicht keines dieser Ziele, weder das ursprüngliche, noch das von den Entführern vorgesehene. Flug United 93 war möglicherweise dafür ausgewählt, ins Weiße Haus gesteuert zu werden. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Passagiere die Gegenwehr ergreifen und versuchen, die Maschine wieder in ihre Gewalt zu bekommen. Dieser Versuch schlägt fehl, die Maschine stürzt im Bundesstaat Pennsylvania ab. Es gibt keine Überlebenden. Was aber überlebt hat, sind Aufzeichnungen von Telefonaten der Passagiere, die teilweise auf Anrufbeantwortern erhalten sind, und zum Teil mit Hilfe der Angehörigen und Freunde der Fluggäste rekonstruiert werden konnten.

„Es gibt viele Wege, irgendeinen Sinn in den Ereignissen vom 11. September zu erkennen“, erklärt Regisseur Paul Greengrass. „Das Fernsehen kann die Fakten zeigen und uns den Kontext dazu liefern. Politiker reiten gerne auf der Welle der Emotionen. Religiöse Führer versuchen, uns Trost und spirituelle Erklärungen zu geben. Nun, ich bin Filmemacher und glaube, einen kleinen Teil dazu beitragen zu können. Ich glaube, wenn man sich ein solches Einzelereignis sehr klar und unerschrocken ansieht, kann man etwas sehr Kostbares darin finden, etwas, das viel größer ist als das Ereignis selbst. Im besten Fall, die DNA-Struktur unserer Zeit. Darum ein Film über Flug 93.“




Der Film fängt ganz alltäglich an mit dem Einchecken der Passagiere und dem Treiben in der Flugaufsicht. Erst als Maschinen ihren Kurs wechseln und gar vom Radar verschwinden, dämmert die Erkenntnis, das etwas Schlimmes passiert sein muss. Beim ersten Einschlag ins World Trade Center geht man noch von einem tragischen Unfall aus. Der Einschlag im zweiten Turm und der Absturz einer Maschine im Pentagon lässt dann keinen Zweifel mehr zu. Es handelt sich um Terroranschläge. Aber wie viele der noch in der Luft befindlichen Flugzeuge vielleicht noch zu Anschlägen missbraucht werden, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand.






Parallel dazu werden die Vorbereitungen der Entführer gezeigt. Es sind sehr fromme Muslime, die beten und in dem Glauben handeln, das Richtige zu tun. „Aber leider waren sie blind“, bedauert Greengrass. „Sie kannten keine Menschlichkeit, keinen Anstand, kein Mitleid. Sie wurden von einem sehr irrationalen religiösen Hass getrieben.“
Greengrass hat sehr ausgiebig und detailliert recherchiert. Er hat mit den Angehörigen der Opfer gesprochen und von jedem einzelnen das Einverständnis eingeholt, diesen Film zu machen. Das war eine große Verpflichtung. „Aber eigentlich ist es gar kein Film über Individuen“, so Greengrass. „In Wahrheit gab es in dieser spezifischen Situation nur noch zwei Kategorien von Menschen: Die Entführer und die Entführten. Ich zeige 45 Menschen, die gemeinsam einchecken und eine 90minütige Reise antreten, genauso lange dauert auch der Film. Er zeigt in erschreckender Genauigkeit, was in diesen 90 Minuten geschehen ist.“ Der Zuschauer weiß von Anfang an, dass es eine Reise in den Tod sein wird. Deshalb hat sich Greengrass mit dramaturgischen Effekten zurückgehalten und der Realitätskomponente ihre eigene Wirkung gelassen. „Mit allem Respekt denen gegenüber, die die Ereignisse des 11. September als sakrosankt ansehen, nehme ich für mich das Recht in Anspruch, die Auswirkung zu untersuchen, die der Terrorismus auf Individuen und auf die Gesellschaft hat... Und das ist die Frage, die wir uns seitdem wieder und wieder gestellt haben. Heißt das nun Krieg ohne Ende? Ist es der Beginn eines neuen Faschismus? Ein Schatten über unser aller Leben? Oder ist es stattdessen eine Chance unsere Ansichten über Patriotismus und Heroismus zu überdenken? ... Die Frage, die sich den Passagieren des Flugs United 93 stellte, ist genau die, die sich uns seitdem stellt. Sitzen wir da, und hoffen, dass schon alles gut ausgehen wird oder wehren wir uns? Heute müssen wir uns fragen, ob der Erstschlag gerechtfertigt ist oder ob wir warten, bis wir angegriffen werden. Und was sind die jeweiligen Konsequenzen?“


Greengrass beantwortet die gestellten Fragen nicht wirklich, aber macht uns die Ereignisse des 11. September erfahrbar, so dass wir unsere eigene Position ausloten können. Fakt ist, dass am Ende weder die Aggressoren noch die Selbstverteidiger überlebt haben. „United 93“ ist ein Doku-Drama, das einen nachdenklich zurücklässt.


Helga Fitzner - red / 27. Mai 2006
ID 00000002418

Weitere Infos siehe auch: http://www.united93movie.com






 

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