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Berlinale


transmediale 2K + 12 / FORUM EXPANDED (62. Berlinale)

Die transmediale feierte ein gelungenes Jubiläum und nähert sich der FORUM EXPANDED-Sektion der Berlinale an


T.S.T.L.; Forum Expanded; LBN 2011; REGIE: Gheith Al-Amine; © Gheith Al-Amine


Zurück in die Zukunft

Mit einem gewohnt vielseitigen, aber besucherfreundlich gestrafften Konzept präsentierte sich Deutschlands traditionsreichste Schau internationaler Medienkunst, die transmediale in Berlin, zum 25-jährigen Bestehen. Ein Vierteljahrhundert sind in der Kommunikationstechnik eine halbe Ewigkeit, deshalb stand die Veranstaltung, die 1986 noch „Videofest“ hieß und Teil der Berliner Filmfestspiele war, immer vor der Herausforderung, sich zu erneuern, die Konzepte entlang der Medientechnologie weiterzuentwickeln. 1986 stand tatsächlich die Videotechnik im Mittelpunkt, die zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr neu, aber noch auf dem Weg zum Massenmedium war. Neben jungen Filmemachern, die im Videoband eine Möglichkeit sahen, ihre Geschichten billiger umzusetzen, nutzten auch die Avantgardekünstler das neue Medium, die sich aber auf einem Filmfestival eher deplatziert vorkamen, was schließlich zu einer organisatorischen Abkoppelung von der Berlinale führte. Anfang der neunziger Jahre kamen noch die ersten computergenerierten Formate hinzu: einerseits kommerziell ausgerichtete Zerstreuungsangebote – stolz wurden die ersten interaktiven Spiele auf Floppy- und Hard-Discs präsentiert –, sowie wiederum künstlerische Ausdrucksmittel.

Die Experimental- Filmemacher sind inzwischen wieder in Sondersparten der Berlinale wie dem FORUM EXPANDED gelandet, die geschäftstüchtigen Computerspezialisten auf eigene Spielemessen wie in Leipzig oder Berlin abgewandert. Zurück blieben 1998 die Künstler, die der dann in transmediale umbenannten Veranstaltung ihre spezifische Prägung verliehen. Jedes Jahr versuchen sie anhand von Installationen und Projektionen, die Auswirkungen der inzwischen weitgehend digitalisierten Kommunikations- und Medientechnologie auf unser privates, aber auch gesellschaftliches Leben sowie globale Zusammenhänge möglichst innovativ und kritisch zu reflektieren. Der neue Künstlerische Leiter des renommierten Medienkunstfestivals, der erst 35 Jahre alte schwedische Medienwissenschaftler und Kurator Kristoffer Gansing, beeindruckte die Organisatoren auch dadurch, dass er sich 2011 ganz altmodisch per Fax beworben hatte.

Gansing hat auch untypischerweise keinen Eintrag beim beliebten Internetservice Facebook und nennt sich selbst einen Medienarchäologen, was für das Kuratieren der Jubiläumsausgabe, in der Highlights aus 25 Jahren noch einmal präsentiert wurden, sicher keine schlechte Voraussetzung war. So war in der Ausstellung auch eine Reminiszenz an die Ursprünge der Entwicklung der Massenmedien zu sehen: ein Foto von Dickson V. Alley von 1899, auf dem Foto-Pionier Nicola Teslar zu sehen ist. Anhand des Experimental-Videos von William Burroughs und Antony Balch, The Cut-Up‘s von 1966, das Bezug auf den Dadaismus nimmt, gab es auch einen Brückenschlag zum Avantgardismus der Popkultur.

Schon mit der an Überraschungen und Humor gesättigten Eröffnungsveranstaltung verdeutlichte Kristoffer Gansing erfolgreich, dass er der zuletzt etwas routiniert wirkenden transmediale neuen Schwung verleihen will: Als Gansing zu seiner Begrüßungsrede ansetzen wollte, schien er Probleme mit seinem Laptop zu haben und bat einen Helfer auf die Bühne. Schon ertönte aus dem vollbesetzten Saal höhnisches Gelächter über den vermeintlichen ‚Vorführeffekt‘, der sich nach einigen Minuten als kalkulierter Bluff erwies. Der US-amerikanische Videokünstler Jon Sastrom bot nämlich eine hinreißende Pseudo-Pannen-Performance aus einem anschwellenden Mahlstrom von Pop-Up-Fenstern und Signaltönen, die – in geringerem Umfang – wohl jeden Computernutzer schon einmal zur Verzweiflung getrieben haben.

Die Jubiläumsausstellung stellte unter dem Motto „in/compatible“ die Inkompatibilität, die Nicht-Übertragbarkeit von Daten von einem Gerät oder einem Computer zum anderen in den Mittelpunkt. Viele Künstler verweisen mit ihren Installationen und Videos darauf, wie die vom Menschen geschaffene Technologie niemals nur den gewünschten Bequemlichkeits-, sondern auch andere, teils unliebsame Nebeneffekte zur Folge hat: Eva und Franco Mattes (36) aus New York zeigten anhand einer Abfolge auf YouTube gefundenen Szenen, wie Menschen am Computer ausflippten – teils, bis die Tastatur zerstört war. Auch dies war ein wiederkehrendes Motiv auf der transmediale: Der Mensch wird von seinen eigenen Technologien verführt, bis er die Orientierung und schließlich sich selbst zu verlieren droht.

Gansing und seinem Team ist es in diesem Jahr gelungen, mediale Installationen und Projektionen auszuwählen, die sich nicht nur auf das vorgegebene Motto, sondern auch aufeinander beziehen (lassen). So entstand eine vielseitige, aber nicht beliebig wirkende Ausstellung. Schon deshalb wird es spannend sein, wie transmediale-Kurator Kristoffer Gansing den Retro-Gedanken im nächsten Jahr – nach dem Jubiläumsjahrgang – fortsetzt. Festzuhalten ist, dass sich die transmediale mit der Konzeption, aktuelle Entwicklungen in der Medienkunst über Rückbezüge auf die Historie massenmedialer Phänomene zu spiegeln, der Ausrichtung des Sonderprogramms für Experimental-, Animationsfilme und Videoinstallationen innerhalb der Forum-Sektion der Berlinale, FORUM EXPANDED, immer stärker annähert.

Dort stehen Personen wie der Experimentalfilmpionier Ken Jacobs, der im neuen Video Seeking The Monkey King seine Technik der Animation stereoskopischer Bilder mit einem wütenden Kommentar auf die politische Situation seines Heimatlandes USA verbindet, für den Bezug zu den sechziger Jahren und für eine Kontinuität des Archivierens der Werke bereits etablierter Medienkünstler durch die Stiftung Deutsche Kinemathek, die das FORUM organisiert. Beeindruckend ist auch das aus Found-Footage und persönlicher Anrede zusammengestellte Porträt des Iren Duncan Campbell über den deutschen Ökonomen Hans Tietmeyer mit erstaunlich intimen Kenntnissen über die deutsche Nachkriegs-Wirtschaftsgeschichte: „Arbeit“.

*


Ebenso wie bei der transmediale steht auch bei FORUM EXPANDED die aktuelle Situation der Kreativen in Ländern im Mittelpunkt, in denen sich politische und soziale Umbrüche vollziehen. So präsentiert FORUM EXPANDED z. B. das Stop-Motion-Video T.S.T.L. von Gheit al-Amine aus dem Libanon. Kontrastierend zu dieser Arbeit im Stil der Konzeptkunst steht das narrative Video von Achmad Ghossein (Libanon/Vereinigte Arab. Emirate), My father is still a communist. Intimate secrets to be published, das aus Ausschnitten von Audiocassetten besteht, die sich die Eltern des Künstlers während des libanesischen Bürgerkrieges zugeschickt haben, und das Ghossein zu einem beeindruckenden Szenario von Familienschicksalen in einer solchen Situationen verarbeitet.

Gemeinsam ist transmediale und FORUM EXPANDED auch die intensive Begleitung und Ergänzung der Programme durch Diskussionen, Vorträgen und Hintergrundgespräche zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, die die Künstler mit ihren Werken streifen, so z. B. die Folgen einer zunehmenden Vernetzung, Vereinheitlichung und Beschleunigung der Kommunikationswege in Politik, Militär- und Finanzwesen bei den Panels der Transmediale oder über individuelle Folgen globaler ökonomischer Zusammenhänge als „Psychosphäre und Kapitalismus“ bei den so genannten „Lectures + Performances“ bei FORUM EXPANDED.


Max-Peter Heyne und Gabriele Leidloff - 9. Februar 2012 (2)
ID 00000005750

Weitere Infos siehe auch: http://www.transmediale.de


http://www.berlinale.de/de/das_festival/festival-sektionen/forum/index.html



 

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