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Filmbesprechung


seit 16. März 2006 in den Kinos

Transamerica

(USA, 2005)
Drehbuch und Regie: Duncan Tucker
Freigegeben ab 12 Jahre


„Life is more than the sum of ist parts”
Das Leben ist mehr als die Summe seiner Bestandteile

Stanley (Felicity Huffman) lebt in einem Körper, der nicht zu ihm gehört. Er wurde als Knabe geboren, fühlt sich aber dem weiblichen Geschlecht zugehörig. Er nennt sich jetzt „Bree“, als Kurzform von Sabrina, und versucht auch nach außen als Frau zu leben. - Als Trans-Sexualität wird dieses Phänomen allgemein hin beschrieben, die Betroffenen beklagen aber die Reduzierung auf den sexuellen Aspekt und bevorzugen den Begriff Trans-Identität. - Nach Jahren der psychologischen Betreuung, Hormongaben und Enthaarungskuren hält ihm seine Psychologin Margaret (Elizabeth Pena) das Genehmigungsschreiben unter die Nase, in dem ihm die Erlaubnis zur der Operation gegeben wird, die ihn endlich zur Frau machen wird.


Stanley alias \"Bree\" (Felicity Huffman)


Der Anruf aus einem New Yorker Jugendgefängnis scheint das bevorstehende Glück zu zerstören. Dort sitzt Toby (Kevin Zegers), ein jugendlicher Stricher, ein, der behauptet, dass Stanley sein leiblicher Vater sei. Da Stanley nicht mehr existiert und die biologische Erschaffung von „Bree“ kurz bevor steht, will Stanley sich nicht damit belasten. Seine Psychologin Margaret aber besteht darauf. Erst wenn er seine Vergangenheit restlos verarbeitet hat, will sie ihm die schriftliche Genehmigung zur Entfernung der männlichen Geschlechtsteile auch tatsächlich aushändigen.


Toby (Kevin Zegers) und Bree (Felicity Huffman)


Der junge Toby hält die altmodisch und verklemmt wirkende Frau, die statt des erwarteten Vaters im Gefängnis auftaucht, für eine christliche Missionarin, und Stan lässt ihn in dem Glauben. Ein Foto und Erzählungen über seine Mutter beweisen, dass Toby wirklich Stanleys Sohn ist. Stanleys ehemalige Geliebte, Tobys Mutter, ist gestorben, und Stan will Toby zu seinem Stiefvater zurückbringen. Toby wehrt sich aber mit Händen und Füssen dagegen. Da er aber an die Westküste will, um dort Pornostar zu werden und Stan nach San Francisco muss, wo er schon seinen heiß ersehnten Operationstermin hat, geht es gemeinsam los. Die beiden machen sich mit einem alten Auto auf den Weg von der Ost- an die Westküste.
Dies ist der Beginn eines klassischen Roadmovies, in dem es für Vater und Sohn ein Erwachen gibt, das manchmal auch ein böses Erwachen ist. Auch wenn der Film detailgetreu mit dem Thema Transidentität umgeht, ist es eher eine allgemein menschliche Geschichte, in der sich jeder wiederfinden kann. Da sind die Eltern von Stanley, die mit seiner Veranlagung überfordert sind. Da ist Toby, der seine Rolle als Sohn erst lernen muss und vor allem Stanley im Zwiespalt, der auf dem Weg ist, eine „richtige“ Frau zu werden, die gleichzeitig ihren Vaterpflichten nachkommen will.


Fionnula Flanagan und Burt Young als die Eltern von Stanley


„’Transamerica’ erzählt eine sowohl universelle als auch revolutionäre Geschichte“, erzählt Duncan Tucker über seinen mutigen Debütfilm. „Es ist seltsam: Wir wollen alle die selben Dinge – Familie, Liebe, ein Zuhause. Meine Hoffnung ist, dass ‚Transamerica’ die Zuschauer in die Gedanken und die Herzen von Menschen katapultiert, die sie sonst als Außenseiter betrachten würden, wenn sie sie überhaupt betrachten würden.“

Felicity Huffman verkörpert die Rolle mit Herz, Charme und dort, wo angebracht, mit Verve. Sie hat für diese Glanzleistung und die Courage die Nominierung zum Oscar wirklich verdient. Kevin Zegers gelingt der Balance-Akt zwischen Lebendigkeit und Traumatisierung des gefährdeten Jugendlichen ausgezeichnet. Bis in die Nebenrollen ist der Streifen mit glaubhaften Figuren gut besetzt.

Transsexualität/Transidentität wird oft noch als Krankheit wahrgenommen, während zum Beispiel die Homosexualität mittlerweile eine breitere Akzeptanz gefunden hat. Selbst das Bundessozialgericht stuft sie nicht als Krankheit ein. In einem Urteil von 1987 heißt es aber: „Es könne jedoch durch die Transsexualität ein Leidensdruck entstehen, welcher einen Krankheitswert habe“. Eben jenen Leidensdruck ist Felicity Huffman in der Lage, so beeindruckend und einfühlsam darzustellen. Neben dem inneren Druck ist auch der äußere Druck erheblich, sei es durch Mediziner und Psychologen, die eigene Familie und das soziale Umfeld. Ein weiteres Problem ist die Partnerwahl, die oft von Scham, Angst und Zurückhaltung geprägt ist. Im Film wird dies auf sehr nette Art illustriert, als sich eine kleine Liebesgeschichte zwischen Bree und einem Indianer anbahnt. Der galante Mann (Graham Greene) ist in der Lage, die Schönheit und Zerbrechlichkeit des Wesens zu erkennen, dass sich hinter der äußeren Fassade verschanzt.


Hega Fitzner - red / 31. März 2006
ID 00000002319
„Transamerica“
(USA, 2005)
Drehbuch und Regie: Duncan Tucker
Starttermin: 16.03.2006
Freigegeben ab 12 Jahre




Im Presseheft ist eine Link-Sammlung angegeben, in denen Webinformationen zum Thema stehen:

www.dgti.org - Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität
www.transsexuell.de - private Infoseite, u. a. Medizin und Recht
www.transmann.de - Der Trans* - FAQ
www.transray.com - Datenbank über Transsexualität
www.trans-forum.de.vu - ein junges Forum
www.trans-eltern.de
www.transfamily.de
www.genderchange.de

Weitere Infos siehe auch: http://www.transamerica-movie.com/






 

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