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Rezension


Pakt des Schweigens - das zweite Leben des Erich Priebke

Der neue Dokumentarfilm von Carlos Echeverría

(DE/AR 2006)

35 mm, 90 Min.

Progress-Verleih

Die Mörder sind unter uns

In die Ardeatinischen Höhlen überstellte die italienische Kommandantur am 24. März 1944 auf Anforderung der Deutschen 330 Geiseln zur sofortigen Erschießung. Es waren Zivilisten, die wegen Vergehen und Verbrechen im italienischen Gefängnis saßen. Dies wurde als Vergeltungsaktion für ein Partisanenattentat der Kommunisten unter Rosario Bentivegna auf deutsche Soldaten in der Via Rasella am 23. März 1944 durchgeführt.
Einer der beteiligten SS-Offiziere war der Deutsche Erich Priebke. Nach der Erschießung der Geiseln in Fünfergruppen stellte Priebke fest, dass er fünf Zivilisten mehr als beabsichtigt erschießen ließ.

Mit „Pakt des Schweigens - das zweite Leben des Erich Priebke“ knüpft der 48-jährige Regisseur Carlos Echeverría, in Bariloche an. Er besucht dort als Kind eines argentinischen Vaters und einer deutschen Mutter die deutsche Schule.

Nach dem Krieg findet der SS-Mann Priebke verschiedene Unterschlupfmöglichkeiten und gelangt mit Hilfe des Roten Kreuz auf der „Rattenlinie“ unter falschen Namen per Schiff mit Frau und zwei Kindern nach Argentinien. Er landet in der Kleinstadt Bariloche und fängt in einem Hotel als Oberkellner an.

Ein Jahr nach seiner Einreise erfolgt eine Amnestie, die es nicht nur Priebke erlaubt, offen und unbelangt, wieder unter seinem eigenen Namen zu leben. Auch Alt-Nazis wie Eichmann, Mengele und Kutschmann finden in Patagonien unangetastet einen sicheren Aufenthaltsort.

„Das zweite Leben des Erich Priebke“ verläuft ebenso in aller Öffentlichkeit wie sein erstes. Er arbeitet als Hotelfachmann, macht in der deutschen Gemeinde Karriere, wird Leiter der zum Rechtsextremismus tendierenden Deutschen Schule und genießt insgesamt hohes Ansehen.
Seine Vergangenheit verschweigt er nicht. Sie ist den Menschen bekannt. Es führt zu keinen Konsequenzen. Auch von Reue ist bei ihm keine Rede. Die Deutsche Botschaft bewahrt ebenfalls Stillschweigen. So setzt Priebke unbehelligt seine rechte Tradition fort.

Von 1980 bis 1986 studiert der Filmmacher Carlos Echeverría in München an der Hochschule für Film und Fernsehen und beginnt als Filmemacher zu arbeiten. Heute lebt und arbeitet er in Buenos Aires.
In seiner Dokumentation „Pakt des Schweigens - das zweite Leben des Erich Priebke“ zeichnet Echeverría das erschreckende Bild des Systems nach, in dem Priebke, anfänglich unter falschen Namen, wieder zu Macht und Ansehen gelangt. Nach Wiederaufnahme der deutsch-argentinischen Beziehungen 1952 läßt er sich für den deutschen Pass registrieren und erhält ihn auch.
Priebke wird 1994 in einem Hotel von einer italienischen Touristin erkannt, später von einem amerikanischen Journalisten enttarnt.
1995 wurde er nach Italien überstellt und dort von einem Militärgerichtshof in Rom zunächst freigesprochen, obwohl er neben anderen schweren Verbrechen für die Hinrichtung von 335 Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen verantwortlich ist.
Im Frühjahr1998 wird Erich Priebke von einem Militär-Berufungsgericht in Rom zu lebenslanger Haft verurteilt.
Aufgrund seines angeschlagenen Gesundheitszustands verbüßt der 93-jährige Priebke die Haft in Hausarrest in Rom.

Das zeitgeschichtliche Dokument des Argentiniers Carlos Echeverría versetzt einen in Angst und Schrecken angesichts der Gleichgültigkeit der Bewohner von Bariloche, der Botschaften und Behörden. Weltweit herrscht der Pakt des Schweigens. Der politisch hochbrisante Dokumentarfilm macht sprachlos und wütend. Es scheint ab und an, dass es auch Carlos Echeverría manchmal die Sprache verschlägt und er nicht genauer nachfragen kann.

Sein bitteres Resümee kommt zum Schluss: „Die Menschen meiner Geburtsstadt nehmen nur das zweite Leben des Erich Priebke wahr, in dem er alles daran gesetzt hatte, dass eine Straße oder eine Schule seinen Namen trägt.“

Seit 1949 befindet sich in den Ardeatinischen Höhlen eine Gedenkstätte für die Opfer des Massakers.


Hilde Meier - Red.-Berlin/ 09. November 2006
ID 00000002787
Pakt des Schweigens - das zweite Leben des Erich Priebke
(DE/AR 2006)
Der neue Dokumentarfilm von Carlos Echeverría
Deutsch-argentinische Koproduktion
der T & G Films – Jens Terrahe, Jörg Langer und Carlos Echeverría
WDR/arte
BKM, Medienboard Berlin-Brandenburg
und Instituto Nacional de Cine y Artes Audiovisuales
35 mm, 90 Min.

PROGRESS Film-Verleih GmbH
Immanuelkirchstraße 14 b
10405 Berlin

Weitere Infos siehe auch: http://www.progress-film.de





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